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Aktenzeichen:

Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 83 St 41/16d

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 5 OStA 94/20d

Bekannt gemacht am:

07.10.2020


Entscheidungsdatum:

12.12.2016

Einstellungsgrund

§ 190 Z 1 StPO


Am 30. September 2016 langte im BKMS-Hinweisgebersystem ein anonymer Hinweis mit dem Betreff „Korruption Untreue / BM T*** D***“ ein. Diesem Hinweis war ein elektronisches Dokument im pdf-Format mit verschiedenen Vorwürfen gegen Bundesminister (in der Folge: BM) Mag. T*** D*** und E*** S*** angeschlossen.


 

Inhalt der anonymen Eingabe waren die nachfolgend skizzierten Behauptungen (wörtliche Zitate stammen aus dieser Eingabe):


 

1/ Vorwürfe im Zusammenhang mit einer „Privatvilla“ von Mag. D***:


 

a/ Im Zeitraum „2006/2007ff“ sollen Handwerker- und Elektrikerarbeiten an der „Privatvilla“ von Mag. T*** D*** mit Ressourcen „des B***s-theaters“ durchgeführt worden sein. Dabei soll sowohl Personal des B***theaters während der Dienstzeit als auch Baumaterial aus dem B***s-theaterbestand eingesetzt worden sein. Die konkrete Auftragserteilung sei laut anonymer Eingabe über den seinerzeitigen „Facility Manager“ des B***theaters, E*** S***, erfolgt. Dieser habe vermeintlich untergeordnete und weisungsgebundene Mitarbeiter der Bühnen- und Betriebstechnik sowie der „E-Zentrale“ für in der Anzeige nicht näher beschriebene Arbeiten eingeteilt.


 

b/ Überdies soll nach der anonymen Eingabe die Planung und Durchführung des Baus der Privatvilla von Mag. D*** durch Unternehmen erfolgt sein, die „zufällig wenige Jahre zuvor für die B***s-Theaterholding bzw. das B***theater tätig gewesen“ seien.


 

Der anonyme Anzeiger führte hiezu aus, die Architekten der Privatvilla, „K***
& M*** (S*** M***, W*** K***, J*** K***), hätten „
wenige Jahre zuvor“ für B***-theaterdirektor Mag. D*** die Fassade im Eingangsbereich des zum B***theater gehörenden A***theaters sowie umfangreiche weitere Arbeiten durchgeführt. Überdies sollen die technisch aus­führenden „Bauingenieure (Statik) G*** & H***“ für „die B***s-theater“ im Jahr 2004 - nach den Ausführungen des Anzeigers sohin noch während der Amtszeit von Mag. D*** als B***theaterdirektor - das sogenannte „A***H***“ auf einem Lagergelände in H*** „für B***stheaterkollegen Dr. K***“ entworfen und gebaut haben, wobei die „spätere Serienherstellung und Vermarktung von A***“ ursprünglich zwar geplant, letztlich aber nie durchgeführt worden sei.


 

2/ Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Ankauf einer Lagerhalle in H***:


 

Laut anonymer Eingabe soll es zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt
- möglicherweise gemeint - im Zusammenwirken von Mag. D*** als „
Generaldirektor der V*** B*** W***" mit „seinem ehemaligen Kollegen beim B***s-theaterverband“ Dr. J*** K*** zu einer „fremdunüblichen Geschäftsabwicklung“ im Zusammenhang mit einem vermeintlich überteuerten „millionenschweren“ Ankauf einer Lagerhalle in H*** für die angeblich „seinerzeit schwer defizitären V*** B*** W***“ gekommen sein.


 

J*** K*** soll „wenige Jahre später“ von Mag. D*** auch einen „lukrativen Auftrag der Fassadenerneuerung (Bauaufsicht) des R***-Theaters“ erhalten haben.


 

Laut anonymen Anzeiger soll die Lagerhalle in H*** nicht über die notwendige Betriebsanlagengenehmigung für einen Werkstatt- und Reparaturbetrieb (Requisiten) verfügt haben. Überdies sei die Größe der Halle und die damit laut Anzeiger verbundene Investitionsbelastung für die öffentlich geförderten V*** B*** W*** „gegenüber Politik und Aufsichtsrat“ unter anderem mit einer geplanten Fremdvermietung und daraus erwarteten Mieteinnahmen argumentiert worden, wobei es bis heute tatsächlich zu keiner Vermietung gekommen sei.


 

3/ Vorwürfe im Zusammenhang mit der Anmietung einer Lagerhalle in W***:


 

Nach der anonymen Eingabe soll es „dubiose Geschäftsbeziehungen“ mit „mehr als doppelt so hohen Mietzahlungen als ortsüblich“, welche überdies auch keinem Fremdvergleich standhalten würden, zwischen Mag. D*** und „einem dem B***s-theaterverband wohlbekannten Ausstattungsdienstleister“ im Zusammenhang mit der Anmietung einer Lagerhalle für Requisiten und Kostüme in W***, durch die V*** B*** W*** gegeben haben. In diesem Zusammenhang äußerte der anonyme Anzeiger auch den Verdacht von „Kickbackzahlungen“.


 

Nach dem Inhalt der anonymen Eingabe soll aufgrund der Untauglichkeit der in H*** angekauften Lagerhalle ein (weiteres) Lager benötigt worden sein, wobei Mag. D*** ein solches in W*** angemietet habe; dies laut Anzeiger „von einer bei der Wiener Staatsanwaltschaft bereits aktenkundigen Person aus dem Dunstkreis der B***stheater-Holding, die in der Vergangenheit bereits neben umfangreichen Dienstleistungen für die B***s-theater auch Privatdienstleistungen für die Stellvertreterin T**** D***´s in der B*** Mag. S*** S*** (und möglicherweise nicht nur für diese), getätigt“ hätte.


 

Der Anzeiger bezeichnete weiters die angebliche Vertragsdauer von 10 Jahren als branchenunüblich und den Mietpreis in der Höhe von 15 Euro pro Quadratmeter als mehr als doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Mietobjekten ortsüblich, weswegen er anregte, den „Verdacht auf „Schweigegeld“ und/oder Kickbackzahlungen“ zu prüfen.


 

4/ Vorwürfe im Zusammenhang mit „privaten Leistungen“ für Mag. D***:


 

Überdies soll in nicht spezifizierten Zeiträumen Personal der „V*** B*** W*** GmbH“ für Instandhaltungsarbeiten in der Privatvilla von Mag. D*** sowie für „verschiedene private Dienstleistungen“ eingesetzt worden sein. Die anonyme Eingabe führt etwa „Boten der V*** B*** W*** bzw. Privatchauffeure“ an, die bei den V*** B*** W*** als Fuhrparkleiter geführt worden seien.


 

So soll nach dem anonymen Anzeiger neben privaten Besorgungen und Botengängen (unter anderem auch für die Ehefrau von Mag. D***) mit O*** H*** auch ein „ständiger Privatchauffeur“ für Mag. D*** und seine Familie abgestellt worden sein, obwohl „die internen Compliance-Richtlinien der W***-Holding“ für deren Geschäftsführer ausdrücklich keine Chauffeure vorsehen würden. H*** habe D*** nicht nur beruflich, sondern auch privat zur Verfügung gestanden, zum Beispiel auch für Fahrten der Mutter Mag. D***`s in Oberösterreich.


 

Weiters habe Mag. D*** auch während seiner Amtszeit als Generaldirektor der V*** B*** W*** private Arbeiten an seiner Villa vornehmen lassen, etwa die Lackierung und Instandhaltung seiner Grundstückseinfriedung.


 

5/ Vorwürfe im Zusammenhang mit arbeitsgerichtlichen Verfahren:


 

Nach der anonymen Eingabe soll es auch zu einer „fortgesetzten rechtswidrigen Beschäftigung dutzender MitarbeiterInnen der V*** B*** W*** GmbH als sogenannte Tagesaushelfer“ gekommen sein, was wiederum zu „Arbeitsgerichtsprozessen gegen die V*** B*** W***" geführt habe, die die V*** B*** W*** verloren hätten. Aufgrund notwendiger Nachzahlungen sei ein finanzieller Gesamtschaden für die V*** B*** W*** in Höhe von „geschätzten 500.000 Euro“ zu erwarten.


 

Der Anzeiger führte in diesem Zusammenhang aus, dass Mag. D*** trotz einer vermeintlich eindeutigen gegenteiligen Rechtsexpertise der Gewerkschaft „Y***“ mehr als 50 Mitarbeiter der V*** B*** W*** „als arbeitsrechtlich nahezu rechtlose Tagesaushelfer“ beschäftigt habe, wobei zwei Musterprozesse beim Arbeits- und Sozialgericht Wien (gegen die Mitarbeiterinnen G*** und C***) zugunsten der Mitarbeiter geendet hätten, sodass die V*** B*** W*** nunmehr mit den Forderungen auch der übrigen Tagesaushelfer konfrontiert seien.


 

6/ Vorwürfe im Zusammenhang mit Prämienzahlungen durch und an Mag. D***:


 

Der anonyme Anzeiger führte ferner aus, Mag D*** habe sich ab dem zweiten Monat seiner Beschäftigung als Direktor der V*** B*** W*** im August 2008 unerlaubterweise in seinem „ursprünglichen“ Dienstvertrag nicht vorgesehene monatliche „Vorausprämien“ an sich selbst gewährt. Dies zusätzlich zu seinem Grundbezug von jährlich mehr als 210.000 Euro. Die Prämienzahlungen seien dabei nach dem anonymen Anzeiger „ohne vorherige Validierung des Prämienanspruchs durch Kontrollgremien der W***-Holding“ oder des Aufsichtsrats erfolgt.


 

Der Anzeiger berief sich hier explizit auf angeblich vom „Stadtrechnungshof“ geäußerte Kritik betreffend Prämienzahlungen von und an Mag. D*** im Jahr 2008.


 

7/ Vorwürfe im Zusammenhang mit der Verkürzung von Abgaben:


 

Der anonyme Anzeiger sprach in diesem Zusammenhang von einer vermeintlichen straf- und steuerrechtlichen Verantwortung von Mag. D*** „im Zusammenhang mit Abgabenverkürzungen der B***theater GmbH“ während dessen Tätigkeit als Geschäftsführer in den Jahren von 2004 bis 2008.


 

Laut der anonymen Eingabe sei es während der Amtszeit von Mag. D*** als B***theaterdirektor „nachweislich“ zu einer Nichtabfuhr von Abgaben in Höhe mehrerer hunderttausend Euro gekommen, weshalb sich für den Anzeiger „aus gesellschafts-/unternehmensrechtlicher Perspektive“ die Frage nach einer verwaltungsstrafrechtlichen und strafrechtlichen Geschäftsführerverantwortung des damaligen B***theatergeschäftsführers Mag. D*** stelle.


 

Vorhandene Beweismittel und Würdigung


 

Noch während der amtswegigen Anfangsverdachtsprüfung langte – nach telefonischer Ankündigung – eine aus Eigenem erstattete Stellungnahme des Angezeigten BM Mag. T*** D*** bei der Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption ein. Unter Berücksichtigung der damit vorgelegten Urkunden ergab die Anfangsverdachtsprüfung folgendes Ergebnis:


 

A) Zunächst ist auf jene Punkte einzugehen, hinsichtlich derer aus Sicht der WKStA auch ohne Berücksichtigung der oben angeführten Stellungnahme von Anfang an kein Anfangsverdacht bestand (Pkte. 1.b., 5., 6. und 7)


 

Zu 1.b.: In diesem Punkt enthielt die Sachverhaltsdarstellung kein wie immer geartetes Tatsachensubstrat, das einen Anfangsverdacht zu begründen vermochte. Selbst im Falle der Erweislichkeit der privaten Beauftragung von Unternehmen, die zuvor für die B***s-theaterholding bzw das B***theater tätig waren, ergäbe sich kein Verdacht einer gerichtlich strafbaren Handlung. Nach allgemeiner Lebenserfahrung erschien es vielmehr konsequent, Unternehmen zu beauftragen, von deren Leistungen man sich (allenfalls im beruflichen Kontext) bereits in der Vergangenheit überzeugt hat.


 

Zu 5.: Die dargestellten allfälligen arbeitsrechtlichen Verfehlungen der V*** B*** W*** Ges.m.b.H. vermochten gleichfalls keinen Anfangsverdacht einer gerichtlich strafbaren Handlung zu begründen. Insbesondere fehlte es bei den für die V*** B*** W*** wirtschaftlich betrachtet günstigen Vertragsgestaltungen an einer möglichen (intendierten) Vermögensschädigung.


 

Zu 6.: Betreffend die unter diesem Punkt beanstandeten monatlichen Prämienvorwegzahlungen war auffallend, dass sich bereits der Vorwurf in der Anzeige in der unterlassenen „Validierung“ durch die Kontrollgremien erschöpfte. Ob materiell ein entsprechender Anspruch auf Auszahlung der Prämien bestand bzw. ob die Befassung des Aufsichtsrates vor deren Auszahlung in concreto überhaupt notwendig war, war dem Anzeiger offensichtlich nicht bekannt. Aus diesem Grund gelang es ihm auch nicht, konkrete Tatsachen vorzubringen, die einen entsprechenden Verdacht indizieren hätten können. Der Anzeiger versuchte vielmehr, durch die von ihm angeregten Ermittlungen einen Anfangsverdacht erst zu begründen.


 

Zu 7.: Hier wurden Abgabenschulden der B***heater GmbH dargelegt, die zwischenzeitig bezahlt worden seien. Es fehlten aber jegliche Anhaltspunkte für die Verletzung abgabenrechtlicher Anzeige-, Offenlegungs- und/oder Wahrheitspflichten, wie von § 33 FinStrG gefordert, und damit auch jeder Anfangsverdacht gerichtlich strafbarer Handlungen durch die Verantwortlichen der B***theater GmbH bzw konkret durch den Angezeigten BM Mag. D*** im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als kaufmännischer Geschäftsführer in den Jahren 1998 bis 2008.


 

B) Die übrigen Vorwürfe (Pkte. 1.a, 2., 3. und 4.) betrafen einerseits die vom Angezeigten BM Mag. D*** zwischen 1998 und 2008 ausgeübte Funktion des kaufmännischen Geschäftsführers der B***theater GmbH (Pkt. 1.a.), im Übrigen seine Funktion als früherer Generaldirektor der V*** B*** W*** Ges.m.b.H. (ab 2008).


 

Aufgrund eines thematischen Zusammenhangs waren hievon zunächst die Pkte. 2. und 3., die jeweils die Anmietung bzw. den Ankauf von Hallen zum Zwecke der Lagerung von Kostümen der V*** B*** W*** betrafen, sodann die Pkte. 1.a. und 4. gemeinsam zu behandeln, wobei letztere jeweils zusammengefasst den Vorwurf des privaten Gebrauchs von Personal und Material des B***theaters (1.a.) und der V*** B*** W*** (4.) zum Gegenstand hatten.


 

Rechtlich wären im Falle der Erweislichkeit sämtliche Vorwürfe als Untreue zu qualifizieren gewesen.


 

Zu Pkte. 2. und 3.: Betreffend diese Punkte konnte der Anfangsverdacht durch die vorgelegten unbedenklichen Urkunden in Zusammenschau mit der schriftlichen Stellungnahme des Angezeigten BM Mag. D*** noch vor Einleitung eines Ermittlungsverfahrens (ohne jegliche Ermittlungstätigkeit) entkräftet werden.


 

Zu Pkt. 2. wurde der Vorwurf des überteuerten Ankaufs einer für die V*** B*** W*** partiell unbrauchbaren Halle in H***, erhoben. Diesbezüglich ergab sich aus dem als Beilage vorgelegten Immobilienbewertungs-Gutachten ein zum damaligen Zeitpunkt ermittelter Netto-Verkehrswert der Halle von 4.185.000 Euro, während der Netto-Kaufbetrag laut Kaufvertrag lediglich 4.000.000 Euro betrug, sodass sich kein Anfangsverdacht zu einem überteuerten Ankauf ableiten ließ.


 

Offensichtlich wurde vom Anzeiger versucht, (ex post) die Sinnhaftigkeit von Entscheidungen der Geschäftsführung in Frage und unter dem Deckmantel des Strafrechts in Kritik zu ziehen. Der Vollständigkeit halber sei auf das Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 5. Dezember 2011 hingewiesen, in dem die Notwendigkeit des Ankaufs der Halle sowie der Nutzen dieser Immobilie ausführlich thematisiert wurden.


 

Zu Pkt. 3. wurde die dem eben dargestellten Kauf nachfolgende Anmietung einer weiteren Halle in W***, thematisiert, wobei eine doppelt so hohe Miete wie ortsüblich behauptet wurde. Der Verdacht von „Kick-Back“-Zahlungen an BM Mag. D*** war aus Sicht des Anzeigers „zu prüfen“.


 

Dem war freilich entgegenzuhalten, dass sich die Anzeige auch hier in bloßen Behauptungen erschöpfte. Während das dazu vorgelegte Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 3. Dezember 2012 eine nähere Auseinandersetzung mit dem konkreten Bedarf der V*** B*** W*** an der Immobilie, deren Lage und konkreter baulicher Ausgestaltung etc. erkennen ließ, behauptete der Anzeiger lediglich eine überhöhte Miete, ohne auf die eben dargestellten konkreten (im Rahmen der Preisbildung zu berücksichtigenden) Faktoren auch nur in Ansätzen Bezug zu nehmen. Die Mietverträge wurden als Beilage vorlegt.


 

Auch hier fehlte es angesichts des Vorliegens einer bloßen Behauptung einer vermögensschädigenden Disposition an einem ausreichenden Anfangsverdacht, der zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens Anlass hätte geben können. Abermals sollten offensichtlich erst durch die vom Anzeiger intendierten Ermittlungen (Anfangs-)Verdachtsmomente gewonnen werden.


 

Zu Pkte. 1.a und 4.: Auch in diesen Punkten ergab sich aus nachfolgenden Erwägungen kein Anfangsverdacht zu einem strafrechtlich relevanten Verhalten.


 

In beiden Fällen (Pkt. 1.a. betrifft das B***theater, Pkt. 4. die V*** B*** W***) wurde BM Mag. D*** vorgeworfen, für Privatleistungen auf Material bzw. Personal des von ihm zum jeweiligen Zeitpunkt vertretenen Unternehmens unerlaubterweise zurückgegriffen zu haben. Was seine Zeit am B***theater anlangt, wurden einerseits E*** S***, der technische Direktor des B***theaters, als Zeuge und auch Beteiligter genannt, zudem wurden Mitarbeiter in der Anzeige als Zeugen geführt. Zu Pkt. 4. wurden ähnliche Vorwürfe betreffend die V*** B*** W*** erhoben, wobei zwei Zeugen (der Fuhrparkleiter O*** H*** sowie der Bühnenmitarbeiter S*** S***) genannt wurden.


 

In beiden Fällen legte der Angezeigte BM Mag. D*** eidesstattliche Erklärungen der „Schlüsselpersonen“ laut Anzeige vor, wobei jeweils keine Anhaltspunkte dafür bestanden, dass die Genannten im Rahmen allfälliger Vernehmungen in einem Ermittlungsverfahren davon abweichende Aussagen tätigen würden.


 

E*** S*** erklärte in der eidesstattlichen Erklärung explizit, dass es nie zu den in der Anzeige behaupteten Verfehlungen seitens BM Mag. D*** gekommen sei. Dieser habe keine (unerlaubten) Privatleistungen beauftragt oder in Anspruch genommen.


 

Da der Anzeige zufolge der Einsatz der einzelnen Arbeiter in jedem einzelnen Fall über E*** S*** erfolgt sei, erübrigte sich damit die Einvernahme der weiters genannten Zeugen. Dies auch aus dem Grund, dass selbst im Falle der Erweislichkeit der Erbringung von Arbeiten für BM Mag. D***, daraus kein unerlaubter Personaleinsatz abgeleitet hätte werden können. Betreffend den zeitlich nachfolgenden Sachverhaltskomplex V*** B*** W*** legte der Genannte nämlich als Beilage Abrechnungen für privat an ihn erbrachte Leistungen vor, die ordnungsgemäß verrechnet und von ihm auch bezahlt wurden. Mangels entgegenstehender Hinweise bzw. tatsächlicher Anhaltspunkte war daher davon auszugehen, dass BM Mag. D*** Leistungen, die er als Privatperson konsumierte, auch bezahlte. Rechnungen wurden offensichtlich zumindest für einen vernünftigerweise erwartbaren Zeitraum aufbewahrt (die behaupteten Arbeitsleistungen durch Mitarbeiter des B***theaters seien bereits in den Jahren 2006 bis 2008 [Ausscheiden aus dem B***theater] erfolgt).


 

Zusätzlich zum Vorgesetzten E*** S***, der (sich selbst und) BM Mag. D*** umfassend entlastete, auch den als Zeugen geführten Hausarbeitern Kenntnisse betreffend die konkrete Abrechnung einzelner Leistungen zu unterstellen, wäre lebensfremd gewesen und vermochte sich auf keine Anhaltspunkte in der anonymen Anzeige zu stützen.


 

Betreffend den Sachverhaltskomplex V*** B*** W*** lag überdies eine (ältere) eidesstattliche Erklärung von O*** H*** (vom 25. April 2013) vor, wonach es zu keinen derartigen Verfehlungen durch BM Mag. D*** gekommen sei. Aus dieser eidesstattlichen Erklärung sowie aus den weiters vorgelegten Unterlagen war vielmehr ersichtlich, dass der damalige Betriebsratsvorsitzende K*** S*** in erheblichem Maße versuchte, dem Generaldirektor BM Mag. D*** unternehmensintern zu schaden, und bemüht war, durch das Erheben solcher Malversationsvorwürfe einen entsprechenden Wechsel in der Leitungsebene zu erreichen. Die Vorwürfe waren daher nicht neu, wurden aber offensichtlich bereits zum damaligen Zeitpunkt geprüft und konnten insbesondere auch durch die zitierte eidesstattliche Erklärung des O*** H*** und die vorgelegten Rechnungen entkräftet werden.


 

Eine Einvernahme des als weiteren Zeugen geführten S*** S*** erübrigte sich, weil im Einzelfall eingesetzte Arbeiter nach allgemeiner Lebenserfahrung keine Kenntnisse darüber haben, wie und ob Privatleistungen an die Geschäftsführung zur Verrechnung gelangten (siehe bereits oben). Dass es eine entsprechende Verrechnung gegeben hat, dokumentierten die zitierten Rechnungen.


 

Somit ergab sich aus Sicht der WKStA für beide Sachverhaltskomplexe (Pkte. 1.a. - B***theater und 4. - V*** B*** W***) in einer Gesamtbetrachtung auch aufgrund der unbedenklichen Urkunden kein Anfangsverdacht eines strafrechtlich relevanten Verhaltens. Jedenfalls traf dies aber angesichts der vorgelegten Rechnungen auf den Sachverhaltskomplex V*** B*** W*** zu. Alleine dadurch war aber notwendigerweise auch hinsichtlich des Sachverhaltes 1.a. nach § 35c StAG vorzugehen, weil dieser isoliert betrachtet bereits verjährt war.


 

Rechtliche Beurteilung


 

Aus Sicht der WKStA konnte der Anfangsverdacht zu den Punkten 1.a., 2., 3. und 4. auf die eben beschriebene Weise zur Gänze entkräftet werden, bevor es zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens kam, während zu den Punkten 1.b., 5., 6. und 7. von Anfang an kein ausreichender Anfangsverdacht bestand.


 

Die Anzeige wurde daher hinsichtlich sämtlicher Vorwürfe nach § 35c StAG zurückgelegt.


 

Die Veröffentlichung erfolgte aufgrund des nachträglich aufgetretenen medialen Interesses.