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Aktenzeichen:

Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 84 St 1/19h

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 14 OStA 131/19k

Bekannt gemacht am:

19.08.2020


Entscheidungsdatum:

07.05.2020

Einstellungsgrund

§ 190 Z 1 StPO


(Einstellung bzw Erledigung nach § 35c StAG vom 7. Mai 2020 zu AZ 84 St 1/19h)



 

I. Das Ermittlungsverfahren gegen Dr. A*** S*** und A*** E***, BA MA, wegen des unter Punkt 1. der Begründung dargestellten Sachverhalts (Verdacht des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB teils iVm § 12 zweiter Fall StGB)

wird

gemäß § 190 Z 1 StPO eingestellt.



 

II. Von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Mag. A*** M*** wegen des unter Punkt 1. der Begründung dargestellten Sachverhalts (Verdacht des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB)

wird

gemäß § 35c StAG abgesehen.



 

III. Von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen F*** L***, F*** V***, Dr. T*** B***, Dr. F*** H*** und DI P*** G*** wegen des Verdachts des Verbrechens des schweren Betrugs nach den §§ 146, 147 Abs 3 StGB zu dem in der Begründung dargestellten Sachverhalt

wird

gemäß § 35c StAG abgesehen.



 



 

Begründung



 

Zum Verdacht nach § 153 StGB (Punkte I. und II. des Tenors)

1. Verdachtslage (Tenor)

Es bestand der Verdacht, es haben zu nachangeführten Zeitpunkten nachgenannte Personen

A. Dr. A*** S*** als Diözesanbischof des B*** G***, somit als dessen Vertreter, seine Befugnis, über fremdes Vermögen, nämlich jenes des B*** G***, zu verfügen oder einen anderen, und zwar das B*** G***, zu verpflichten, wissentlich missbraucht, indem er in unvertretbarer Weise gegen solche Regeln verstieß, die dem Vermögensschutz des wirtschaftlich Berechtigten dienen, und dadurch das B*** G*** in einem nicht näher bekannten 300.000 Euro übersteigenden Betrag am Vermögen geschädigt, indem er ohne die erforderlichen Genehmigungen durch den Wirtschaftsrat und das Konsultorenkollegium

1. im November 2016 betreffend den Dienstvertrag der A*** E*** vom 22. Februar 2013 die Aufstockung von 15 Wochenstunden auf 40 Wochenstunden mit einem Bruttogehalt von 6.885,98 Euro monatlich/14 Mal jährlich (somit mit einem Jahresbezug von 96.403,72 Euro brutto) veranlasste;

2. am 28. März 2018 mit A*** E*** eine Zusatzvereinbarung zu ihrem Dienstvertrag abschloss, wonach die Kündigungsfrist auf sechs Monate ausgedehnt und während der Zeit einer Sedisvakanz eine Kündigung ausgeschlossen wurde;

3. am 17. Juli 2015 mit H*** I*** einen Geschäftsführerdienstvertrag mit einem monatlichen Gehalt gestaffelt von 7.335 Euro brutto (14 Mal jährlich) bei Dienstbeginn bis 9.000 Euro brutto (14 Mal jährlich) für die Zeit ab 1. Jänner 2016 abschloss;

4. am 30. Juni 2017 im Zuge der einvernehmlichen Auflösung des mit H*** I*** bestehenden Dienstverhältnisses eine (zusätzliche) freiwillige Abfertigung iHv 100.000 Euro gewährte und H*** I*** einen Traktor kostenlos überließ;

5. am 1. Oktober 2016 MMag. Dr. W*** W*** zum Geschäftsführer der B*** mit einem monatlichen Gehalt von 12.284,25 Euro brutto (inklusive Sachbezug PKW) bestellte bzw bestellen ließ;

6. am 1. Februar 2018 MMag. Dr. W*** W*** ab Beendigung des Dienstverhältnisses eine zwölfmal jährlich zahlbare Vorsorgeleistung von 2.900 Euro (wertgesichert) bis 31. Dezember des siebenten Jahres nach Beendigung des Dienstverhältnisses vertraglich gewährte;

7. am 2. März 2018 dadurch, dass er Mag. A*** M*** als Vertreter des B*** G*** dazu veranlasste, mit ihm als Bestandnehmer einen Mietvertrag über die Wohnung Top 13 in 1010 Wien, R*** 1, mit einer Nutzfläche von ca 100 m² zu einem monatlichen Mietzins von 1.000 Euro abzuschließen, wobei der Richtwertzins 2.244,94 Euro betragen hätte und diesen in seiner Funktion als Diözesanbischof genehmigte;

8. im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit A*** E*** nachangeführte Investitionen tätigte:

a. im Jahr 2016 für den Umbau des Stiftsbades mit vom Wirtschaftsrat genehmigten Kosten iHv 390.000 Euro und tatsächlichen Kosten iHv rund 800.000 Euro;

b. in den Jahren 2017 und 2018 für den Saunaumbau mit vom Wirtschaftsrat genehmigten Kosten iHv 200.000 Euro und tatsächlichen Kosten iHv rund 390.000 Euro;

c. im Jahr 2018 für den Umbau der Seminarräume mit vom Wirtschaftsrat genehmigten Kosten iHv 265.320 Euro und tatsächlichen Kosten iHv rund 376.320 Euro;

d. in den Jahren 2017 und 2018 für den Umbau der Bäckerei mit vom Wirtschaftsrat genehmigten Kosten iHv 110.000 Euro und tatsächlichen Kosten iHv rund 170.000 Euro;

e. im Jahr 2017 ohne Genehmigung des Wirtschaftsrates Investitionen im Zusammenhang mit dem Projekt „Weg der Orientierung“ mit Kosten iHv 145.000 Euro;

B. A*** E*** BA MA

1. Diözesanbischof Dr. A*** S*** zu der unter Punkt A.1. dargestellten Tathandlung bestimmt;

2. als Bildungsreferentin im Bildungs- und Hotelbereich des Stiftes St. G*** im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Diözesanbischof Dr. A*** S*** die unter Punkt A.8. dargestellten Investitionen tätigte, wodurch die Verluste des B*** G*** im Vergleich zu den Vorjahren in nicht näher bekanntem Ausmaß anstiegen;

C. Mag. A*** M*** seine Befugnis, das B*** G*** als dessen Vertreter zu verpflichten, durch die unter Punkt A.7. dargestellte Vorgehensweise missbraucht.

Es war daher der Verdacht des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB teils iVm § 12 weiter Fall StGB zu prüfen.

2. Sachverhalt:

2.1. Zu den Verträgen betreffend A*** E***, BA MA:

Mit dem Dienstvertrag vom 22. Februar 2013 stellte das B*** G*** A*** E*** mit einer Wochenarbeitszeit von 15 Stunden bei einem Bruttobezug von 1.000 Euro monatlich (14 Mal jährlich) ein (ON 30 S 62). Ab dem Jahr 2016 wurde A*** E*** als Bildungsreferentin eingesetzt. Die Normalarbeitszeit wurde auf 40 Wochenstunden zu einem monatlichen Bruttobezug von 6.500 Euro erhöht; weiters wurde eine Dienstwohnung und ein auch privat nutzbarer Dienstwagen zur Verfügung gestellt. Eine schriftliche Vereinbarung gibt es diesbezüglich nicht (unstrittig ON 3 S 15 in ON 2; ON 3 S 11). Gesetzlich abweichende Kündigungsfristen wurden nicht vereinbart (ON 3 S 15 in ON 2 und ON 30 S 62 f, woraus sich keine besonderen Kündigungsbedingungen ergeben).

Am 28. März 2018 vereinbarte Mag. A*** M*** als Vertreter des B*** G*** über Auftrag des damaligen Diözesanbischofs Dr. S*** (ON 3 S 19) mit A*** E***, dass diese mit 1. April 2018 die gewerberechtliche Geschäftsführung des Stiftes St. G*** übernehmen und die Kündigungsfrist des Dienstgebers auf sechs Monate angehoben werde, sowie dass die Kündigung in Zeiten der Sedisvakanz ausgeschlossen sei (ON 2 S 11 in ON 2).

2.2. Zu den Verträgen betreffend H*** I***, MBA:

H*** I***, MBA war seit 10. Juli 1989 Dienstnehmer des B*** G*** (ON 30 S 96, 103).

Das B*** G***, vertreten durch den Diözesanbischof Dr. A*** S*** (ON 30 S 94), schloss am 17. Juli 2015 rückwirkend ab 1. April 2015 mit H*** I***, MBA einen Geschäftsführerdienstvertrag betreffend die Geschäftsführung des B*** G*** ab (ON 30 S 85 ff). Als (Pauschal-)Entgelt wurden 8.500 Euro brutto monatlich (14 Mal jährlich) vereinbart; ab 1. Jänner 2016 sollte das Entgelt laut Vereinbarung 9.000 Euro brutto monatlich (14 Mal jährlich) betragen (ON 30 S 90).

Am Ende des Vertrags ist festgehalten, dass „dieser Vertrag vom Wirtschaftsratsvorsitzenden am 17. Juli 2015 genehmigt“ worden sei (ON 30 S 94).

Zu diesem Zeitpunkt war MMag. Dr. W*** W*** Vorsitzender des Wirtschaftsrates. Über die Sitzung des aus dem Vorsitzenden, Mag. DI Dr. E*** S*** und Herrn B*** bestehenden Wirtschaftsrates vom 17. Juli 2015 gibt es kein Protokoll (ON 30 S 244).

Am 26. Juni 2017 vereinbarte Diözesanbischof Dr. S*** als Vertreter des B*** G*** mit H*** I***, MBA nach mediativer Begleitung die einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses zum 31. Dezember 2017 (ON 30 S 95 ff). Soweit fallbezogen von Relevanz wurde neben der gesetzlichen Abfertigung eine weitere freiwillige Abfertigung iHv 100.000 Euro brutto sowie die unentgeltliche Überlassung des Traktors vereinbart (ON 30 S 97 f, 104 f). Das B*** G*** bezahlte für den Traktor am 15. April 2016 88.637,75 Euro (ON 30 S 109 ff).

Ausdrücklich festgehalten wurde, dass die Vereinbarung keiner weiteren Einverständniserklärung durch dritte Personen bedarf (ON 30 S 96). Eine Genehmigung der Vereinbarung durch den Wirtschaftsrat ist den Akten nicht zu entnehmen.

2.3. Zu den Verträgen betreffend MMag. Dr. W*** W***:

Mit 1. Oktober 2016 wurde MMag. Dr. W*** W*** auf Anweisung des Diözesanbischofs Dr. S*** zum Geschäftsführer der Bistumsverwaltung mit einem monatlichen Gehalt von 12.284,25 Euro brutto bestellt (ON 30 S 7, 119 ff).

Am 22. Dezember 2017 vereinbarte Diözesanbischof Dr. S*** mit MMag. Dr. W*** W*** Nachstehendes:

Als Vertreter des B*** G*** schloss er mit MMag. Dr. W*** W*** einerseits einen Dienstvertrag, mit welchem der Aufgabenbereich des Dienstnehmers als „unmittelbar dem Herrn Diözesanbischof unterstellte Stabstelle“ definiert wird. Als Entgelt wurde ein monatlicher Bruttobezug von 4.600 Euro (14 Mal jährlich) vereinbart. Weiters wurde vereinbart, dass der Dienstnehmer bei Beendigung des Dienstverhältnisses ab dem Ausscheiden bis zum 31. Dezember des siebenten Jahres nach Beendigung des Dienstverhältnisses eine Vorsorgeleistung von monatlich 2.900 Euro erhält (ON 30 S 127 ff).

Andererseits schloss Diözesanbischof Dr. S*** als Vertreter der D*** G*** mit MMag. Dr. W*** W*** einen weiteren Dienstertrag, mit welchem er diesen bei einem monatlichen Bruttobezug von 9.950 Euro (14 Mal jährlich) ab 1. Februar 2018 mit den Aufgaben des Finanzkammerdirektors und Diözesanökonoms betraute (ON 30 S 137 ff).

Eine Zustimmung des Wirtschaftsrates ist den Akten nicht zu entnehmen.

2.4. Zum Mietvertrag:

Am 2. März 2018 schloss das B*** G***, vertreten durch Mag. A*** M*** mit Diözesanbischof Dr. S*** einen „Wohnungsnutzungsvertrag/Option Mietvertrag“ über die in 1010 Wien, R*** 1, gelegene Wohnung ab. Vereinbart wurde, dass Dr. S*** das Nutzungsrecht an der in Rede stehenden Wohnung für die Zeit seiner Tätigkeit als Diözesanbischof unentgeltlich zur Verfügung steht und mit der Beendigung dieser Tätigkeit endet. Gleichzeitig wurde Dr. S*** die „Option“ eingeräumt (bei gleichzeitigem Verzicht des Vermieters auf sein ordentliches Kündigungsrecht), ab diesem Zeitpunkt die Wohnung zu einem Mietzins von 1.000 Euro monatlich zu mieten (ON 30 S 155 ff). Der Richtwertzins hätte tatsächlich 2.244,94 Euro pro Monat betragen (ON 30 S 159 f).

Mit dem Schreiben vom 17. November 2018 kündigte Dr. S*** das Mietverhältnis zum 31. Dezember 2018 (ON 30 S 163).

2.5. Zu den nicht genehmigten Investitionen:

Betreffend den Umbau des Stiftsbades genehmigte der Wirtschaftsrat am 5. Februar 2016 und am 17. Juli 2016 Kosten von insgesamt 390.000 Euro. Dieses genehmigte Budget wurde um 410.000 Euro überschritten (ON 30 S 176, 216).

Am 13. Dezember 2017 genehmigte der Wirtschaftsrat für einen Saunaumbau ein Budget von 200.000 Euro. Dieses Budget wurde um rund 190.000 Euro überschritten, wobei davon rund 79.000 Euro auf unvorhergesehene Ereignisse zurückzuführen sind (ON 30 S 177, 220 f).

Für den Umbau der Seminarräume bewilligte der Wirtschaftsrat ein Budget von 265.320 Euro, das um rund 111.000 Euro überschritten wurde (ON 30 S 178, 225 ff).

Am 17. Dezember 2017 genehmigte der Wirtschaftsrat für Investitionen in der Bäckerei ein Budget von 110.000 Euro, das um rund 60.000 Euro überschritten wurde (ON 30 S 179).

Investitionen im Zusammenhang mit dem Projekt „Weg der Orientierung“ mit Kosten von rund 145.000 Euro und der Erweiterung und dem Umbau der Wäscherei mit Kosten von 38.000 Euro wurden dem Wirtschaftsrat nicht bzw erst nach Projektbeginn vorgelegt (ON 30 S 179, 228).

Es wird zu keiner Investition behauptet, dass die Leistungen nicht in dem Umfang der Investitionen erbracht worden seien. Kritisiert wird, dass die Investitionen teils nicht erforderlich bzw teils betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll waren und teils unter schlechter Planung ohne begleitende Kostenkontrolle unter Außerachtlassung der notwendigen Sorgfalt und aus nicht beachtenswerten Motiven (etwa Prestigeüberlegungen) durchgeführt worden seien (ON 30 S 173 ff). Die Investitionen seien wirtschaftlich unvertretbar gewesen (ON 30 S 11).



 

3. Vorhandene Beweismittel und Würdigung

Die Sachverhaltsannahmen ergeben sich aus den in Klammer angeführten Beweismitteln.



 

4. Rechtliche Beurteilung

4.1. Kirchenrechtliche Vorfragen:

Für die Darstellung der verfassungsrechtlichen Vorfragen ist die eingehende Befassung mit kirchenrechtlichen Grundlagen und deren Darlegung erforderlich.

a. Begriffsbestimmungen:

Unter „Ordinarius“ versteht man außer dem Papst auch Diözesanbischöfe sowie andere Vorsteher von Teilkirchen und ähnlichen Organisationen (Pree in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 210).

Die „Diözese“ ist „der Teil des Gottesvolkes, der einem Bischof in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium zu weiden anvertraut ist, so dass er, seinem Hirten anhängend und von ihm durch Evangelium und Eucharistie im Heiligen Geist zusammengeführt, eine Teilkirche bildet (...)“ (Klade in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 586).

Der „bischöfliche Stuhl“ (im österreichischen Sprachgebrauch oft als „Bistum“ bezeichnet) ist Rechtsträger der mensa episcopalis (bischöfliches Tafelgut) und selbständiger, von der Diözese klar zu unterscheidender Vermögensrechtsträger (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 382 Rz 5/122).

b. Zur Systematik der kirchlichen Rechtsvorschriften:

Der Corpus iuris canonici (in der Folge „CIC“) ist als Rahmengesetz angelegt, das einen weiten Raum lässt, der durch komplementäre teilkirchliche Normierung ausgefüllt werden muss. Waren in den Entwürfen des CIC noch umfangreiche Kompetenzzuweisungen an die Bischofskonferenz enthalten, wurden diese in der geltenden Letztfassung zugunsten der personalen Verantwortung des Diözesanbischofs zurückgeschnitten (Schmitz in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 89).

Das kirchliche Recht bestimmt den Gesetzesbegriff materiell und nicht formell. Somit ist es nicht erforderlich, kirchliche Gesetze in einem bestimmten Verfahren zu beschließen oder in einer besonderen Form zu erlassen (Rees in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 130). Die Gesetzgebungskompetenz liegt beim Papst und beim Bischofskollegium; der Diözesanbischof ist der Gesetzgeber für die ihm anvertraute Diözese (Can 381 § 1 und 391 § 1; Rees in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 132).

Statuten im eigentlichen Sinn („statuta“; Satzungen) besitzen Gesetzescharakter (Rees in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 134) und sind gemäß Canon 94 § 1 CIC Anordnungen, die in Gesamtheiten von Personen oder Sachen nach Maßgabe des Rechts erlassen werden und durch die deren Zielsetzung, Verfassung, Leitung und Vorgehensweise bestimmt werden“. An Statuten einer Gesamtheit von Personen sind allein jene Personen gebunden, die rechtmäßig deren Mitglieder sind (Canon 94 § 2 CIC). § 3 leg cit normiert, dass Statuten, die kraft gesetzgebender Gewalt erlassen und promulgiert wurden, den Vorschriften der Canones über die Gesetze (das sind die Canones 7 bis 22 CIC) unterliegen. Zur Interpretation von kirchlichen Gesetzen verweist Canon 17 darauf, dass zunächst auf den im Kontext zu lesenden Wortlaut abzustellen ist; ist dieser zweifelhaft oder dunkel, ist auf Parallelstellen, auf Zweck und Umstände des Gesetzes und auf die Absicht des Gesetzgebers zurückzugreifen.

c. Zur Stellung des Diözesanbischofs:

Gemäß Canon 381 § 1 CIC kommt dem Diözesanbischof in der ihm anvertrauten Diözese alle ordentliche, eigenberechtigte und unmittelbare Gewalt zu, die zur Ausübung seines Hirtendienstes erforderlich ist; ausgenommen ist, was von Rechts wegen oder aufgrund einer Anordnung des Papstes der höchsten oder einer anderen kirchlichen Autorität vorbehalten ist. Weiters vertritt der Diözesanbischof die Diözese in allen Rechtsgeschäften (Canon 393 CIC) und übt die gesetzgebende Gewalt selbst aus (Canon 391 § 2 CIC). Der Diözesanbischof verfügt daher über „alle Vollmacht, die für die Ausübung seines Hirtenamtes erforderlich ist“. Das Amt des Diözesanbischofs leitet sich nicht vom Papstamt ab, sondern führt seinen Ursprung auf göttliche Weisung zurück, sodass die mit dem Amt verbundene Vollmacht von Gott gegeben ist (Schmitz in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 602). Nach Canon 375 §§ 1 und 2 CIC werden die Bischöfe, die kraft göttlicher Einsetzung durch den Heiligen Geist, der ihnen geschenkt ist, an die Stelle der Apostel treten, in der Kirche durch Weihe zu Hirten bestellt, um auch selbst Lehrer des Glaubens, Priester des heiligen Gottesdienstes und Diener in der Leitung zu sein.

Bei der ihm übertragenen Leitung der Diözese (Canon 391 § 1 CIC) ist der Diözesanbischof an das übergeordnete Gesetzesrecht und an das Gewohnheitsrecht sowie in bestimmten Fällen an Beispruchsrechte der ihm (kirchen-)verfassungsrechtlich zugeordneten Konsultationsorgane gebunden. Die Leitungsvollmacht des Diözesanbischofs bezieht sich auf Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung. Dabei muss er die Gesetzgebung höchstpersönlich ausüben; die Verwaltung übt er entweder selbst oder durch die im CIC vorgesehenen Stellvertreter aus (Schmitz in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 605 f). Die Vertretungsbefugnis des Diözesanbischofs in Vermögensangelegenheiten besteht kumulativ mit derjenigen des Geschäftsführers, des Bischofsvikars und des Ökonomen (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 357 Rz 5/11).

Dem Vermögensverwaltungsrat (= Wirtschaftsrat) kommt allerdings keine Aufsichtsbefugnis über den Diözesanbischof zu. Vielmehr ist der Diözesanbischof der Aufsicht des Apostolischen Stuhls unterstellt. Die „Akte größerer Bedeutung“ kann er alleine festlegen und unterliegt dabei keiner Kontrolle (Pree/Primetshofer, Das kirchliche Vermögen, seine Verwaltung und Vertretung², 92 f).

Die partikulare Regelung des kirchlichen Arbeitsrechts gemäß Canon 1286 CIC fällt in die Kompetenz des Diözesanbischofs (Pree/Primetshofer, Das kirchliche Vermögen, seine Verwaltung und Vertretung², 92 f).

d. Zum fallbezogen relevanten kirchlichen Vermögensrecht:

Nach Canon 1254 § 2 CIC sind die Zwecke des Kirchenvermögens insbesondere die geordnete Durchführung des Gottesdienstes, die Sicherstellung eines angemessenen Unterhalts des Klerus und anderer Kirchbediensteter und die Ausübung der Werke des Apostolats und der Caritas, vor allem gegenüber den Armen. Dabei handelt es sich zwar um keine taxative Aufzählung aber um einen generalklauselartigen Interpretationsrahmen (Pree in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 1485).

„Stammvermögen“ meint das widmungsgemäß für die dauerhafte Vermögensausstattung einer öffentlichen kirchlichen juristischen Person und daher zur Aufbewahrung und Erhaltung bestimmte Kirchengut (Vermögenssubstanz, Grundstockvermögen). Dabei kommt es auf die verbindliche Zweckwidmung des Vermögens an und nicht auf die Art oder Erscheinungsform des Vermögenswertes. Das „freie Vermögen“ ist das widmungsgemäß zum Verbrauch bestimmte Vermögen. Die Unterscheidung ist insbesondere im Hinblick auf die Veräußerungsbestimmungen (Canones 1291 bis 1295) von Relevanz, da diese nur auf das Stammvermögen Anwendung finden (Pree in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 1488 f). Fallbezogen ist das land- und forstwirtschaftliche Vermögen des B*** G*** als Stammvermögen definiert, wobei das B*** G*** seine Erträge aus diesem Stammvermögen und aus dem Betrieb verschiedener Wirtschaftsbereiche erwirtschaftet (ON 30 S 25).

Rechtsträger von Kirchenvermögen (soweit hier von Relevanz) ist die Diözese oder der – im CIC nicht verankerte – „bischöfliche Stuhl“ als Rechtsträger der mensa episcopalis (bischöfliches Tafelgut; im österreichischen Sprachgebrauch oft als „Bistum“ bezeichnet Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 382 Rz 5/122]), das heißt das Diözesanbischofsamt als selbständiger und von der Diözese klar zu unterscheidender Vermögensrechtsträger (das Benefizium des Bischofs). Das Vermögen des bischöflichen Stuhles ist unmittelbar zur Nutzung durch den Bischof bestimmt (Pree in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 1499 f). Das Mensalvermögen unterliegt allerdings hinsichtlich der Verwaltungsakte denselben Bestimmungen wie das Diözesanvermögen. Eine darüber hinausgehende Veräußerungsbeschränkung besteht nicht (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 381 Rz 5/116). In Österreich gelten für die Verwaltung und Vertretung des bischöflichen Tafelguts nach wie vor die Bestimmungen des CIC/1917 (Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz Nr. 1 vom 25. Jänner 1984 Punkt 5.). Demgemäß hat der Diözesanbischof die Mensalgüter sorgfältig zu verwalten, die bischöfliche Residenz in baulich einwandfreiem Zustand zu erhalten und allfällige Restaurierungs- und Reparaturkosten aus den Erträgnissen des Tafelgutes zu bestreiten (siehe Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 382 Rz 5/122 mwN). Im Übrigen gilt auch für den Diözesanbischof, dass er das Vermögen mit der „Sorgfalt eines guten Hausvaters“ zu verwalten hat (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 272 Rz 3/93).

Der Diözesanbischof hat in seiner Diözese innerhalb des vom gesamtkirchlichen Recht abgesteckten Rahmens durch generelle Normen die gesamte Vermögensverwaltung zu ordnen (Puza in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 1557). Ist der Diözesanbischof zugleich Aufsichts- und Vertretungsorgan (zB bei der Diözese und der mensa episcopalis), so vereinigen sich in ihm beide Funktionen (Puza in Haering/Rees/Schmitz (Hrsg), Handbuch des katholischen Kirchenrechts³, 1558).

e. Zur außerordentlichen Verwaltung:

Der Ordinarius hat nach Canon 1276 § 1 CIC gewissenhaft die Verwaltung des gesamten Vermögens zu überwachen, das den ihm unterstellten öffentlichen juristischen Personen gehört, unbeschadet der Rechtstitel die ihm weitergehende Rechte einräumen. Gemäß § 2 leg cit haben die Ordinarien innerhalb der Grenzen des allgemeinen und partikularen Rechts unter Beachtung der Rechte, der rechtmäßigen Gewohnheiten und der Umstände durch Erlass besonderer Instruktionen für die Regelung der gesamten kirchlichen Vermögensverwaltung zu sorgen. Nach Canon 1277 muss der Diözesanbischof bei Akten der Verwaltung, die unter Beachtung der Vermögenslage der Diözese von größerer Bedeutung sind, den Vermögensverwaltungsrat und das Konsultorenkollegium hören; er bedarf jedoch der Zustimmung eben dieses Rates und auch des Konsultorenkollegiums insbesondere für das Setzen von Akten der außerordentlichen Verwaltung, deren Inhalt die Bischofskonferenz zu bestimmen hat.

Zur außerordentlichen Vermögensverwaltung für Diözesen und die vom Diözesanbischof verwalteten Rechtspersonen zählten zu den relevanten Zeitpunkten (Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz Nr. 12 vom 3. August 1994 S 3):

- Annahme von Zuwendungen, sei es unter Lebenden oder von Todes wegen, sofern sie nicht von Auflagen oder Belastungen frei sind, sowie die Ausschlagung von Zuwendungen;

- Aufnahme von Darlehen und Krediten in im Amtsblatt der ÖBK konkret bezeichneter Höhe;

- Übernahme von Bürgschaften und Haftungen;

- Ankauf von beweglichen und unbeweglichen Sachen sowie der Erwerb von Rechten, soweit der Kaufpreis 4 Millionen Schilling im Einzelfall übersteigt;

- Abschluss von Werkverträgen, soweit die Auftragssumme im Einzelfall 8 Millionen Schilling übersteigt und dafür im genehmigten Haushaltsplan keine Bedeckung vorgesehen ist;

- Errichtung, Übernahme, Beteiligung, Aufhebung und Übergabe von bzw an Werken, Anstalten, Fonds und Dienststellen im Bereich der Diözese und von kirchlichen Rechtspersonen mit Ausnahme der Pfarren, soweit damit im Amtsblatt der ÖBK konkretisierte größere Aufwendungen verbunden sind;

- Vereinbarungen über die Ablöse von Bauverpflichtungen und anderen dauernden Verpflichtungen Dritter.

f. Zu Veräußerungen und veräußerungsähnlichen Rechtsgeschäften (Canones 1291 bis 1295 CIC):

Bei Veräußerungen von Vermögen, dessen Wert innerhalb der von der Bischofskonferenz für ihren Bereich festzulegenden Unter- und Obergrenze liegt, bedarf der Diözesanbischof der Zustimmung des Vermögensverwaltungsrates und des Konsultorenkollegiums sowie derjenigen, die davon betroffen sind (Canon 1292 § 1 CIC). Gleiches gilt gemäß Canon 1295 CIC nicht nur bei einer Veräußerung, sondern auch bei jedem Rechtsgeschäft, durch das die Vermögenslage einer juristischen Person verschlechtert werden könnte.

Im Amtsblatt der österreichischen Bischofskonferenz Nr. 45 vom 1. Mai 2008 S 11 werden diese Wertgrenzen mit 80.000 Euro und 3.000.000 Euro festgelegt (ON 30 S 21).

Ein veräußerungsähnliches Rechtsgeschäft iSd Canon 1295 CIC liegt dann vor, wenn ein Vertrag oder ein einseitiges Rechtsgeschäft seiner Natur nach und im konkreten Fall geeignet ist, die Lage der juristischen Person finanziell zu gefährden. Dabei kommt es nicht auf den angestrebten oder erhofften wirtschaftlichen Nutzen oder die wahrscheinlich zu erwartenden negativen wirtschaftlichen Folgen an, sondern darauf, ob die vertragstypischen Folgen eine finanzielle Gefährdung bedeuten können. Geschützt ist dabei lediglich das Stammvermögen nach Maßgabe der Wertgrenzen iSd Canon 1291 CIC. Ein Vertrag, der frei verfügbare Mittel übersteigt oder eine dauernde Last auferlegt, ist ein veräußerungsähnliches Rechtsgeschäft. Je nach der wirtschaftlichen Natur und Größe der juristischen Person können sich daher Verschiedenheiten in der Wertung des Rechtsgeschäfts ergeben (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 304 Rz 4/43). Dienstverträge, deren Lasten sicher aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden können, sind nicht als veräußerungsähnlich zu werten, wohl aber Dienstverträge, die wegen vereinbarter Leistungen wie Abfertigungen, lange Laufzeit, Firmenpension udgl auf eine Gefährdung des Stammvermögens hinauslaufen können (Heimerl/Pree (Hrsg), Handbuch des Vermögensrechts der katholischen Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse in Bayern und Österreich, 306 Rz 4/51).

g. Zur Satzung des B*** G***:

Der Diözesanbischof ist für die Erlassung der Satzung für das Bistum zuständig.

Am 24. September 2013 erließ Dr. S*** als hiefür zuständiger Diözesanbischof eine Satzung für das B*** G*** sowie eine Geschäftsordnung für den Wirtschaftsrat mit folgendem fallrelevanten Inhalt (ON 30 S 23 ff):

§ 6 Die Bistumsverwaltung

(...)

f) Folgende Angelegenheiten bedürfen vor der Zustimmung des Diözesanbischofs der Genehmigung des Wirtschaftsrates:

  • Der Abschluss von Rechtsgeschäften und Verträgen jeder Art, in denen die Summe der das Bistum kumuliert oder einmalig treffenden Aufwendungen den Betrag in Höhe von 50.000 Euro überschreiten;

  • Der Abschluss von Bestandverträgen oder sonstiger, bewegliches und unbewegliches Vermögen betreffender Nutzungsverträge, welche das B*** G*** für die Dauer von mehr als 1 Jahr binden oder deren Jahresbestandzins 50.000 Euro überschreitet;

  • Der Abschluss von Dienst- und Werkverträgen, mit monatlichen Aufwendungen in Höhe von mehr als 6.000 Euro;

  • (…)

  • Die Einräumung dienstvertraglicher Sonderzusagen, wie etwa, die Erteilung von Pensionszusagen, die Gewährung von 10 % des monatlichen Entgelts übersteigenden Prämien oder sonstigen Zuwendungen;

  • Die Erklärung von Dienstfreistellungen jeder Art (…)“ (ON 30 S 30).

4.2. Verfassungsrechtliche Vorfragen:

a. Gemäß Art 15 StGG ordnet und verwaltet jede gesetzlich anerkannte Kirche und Religionsgemeinschaft – hier die Katholische Kirche – ihre inneren Angelegenheiten selbst, ist aber, wie jede Gesellschaft, den allgemeinen Staatsgesetzen unterworfen. Art XIII § 2 des Konkordats vom 1. Mai 1934 sieht in diesem Zusammenhang vor, dass die Gebarung mit dem kirchlichen Vermögen unter Aufsicht und Kontrolle der zuständigen Kirchenbehörden oder Ordensoberen stattfindet.

Diesen Vorgaben zufolge hat die Katholische Kirche daher das Recht, ihre „inneren Angelegenheiten“ selbständig zu ordnen und zu verwalten. Der Begriff der „inneren Angelegenheiten“ ist als Verfassungsbegriff einer Definition durch den einfachen Gesetzgeber entzogen. Er richtet sich zunächst nach dem Selbstverständnis der Katholischen Kirche, wobei nach hM darunter jedenfalls – soweit hier von Relevanz – die kirchliche Verfassung, Organisation und religiöse Satzung sowie die Vermögensverwaltung zu verstehen ist. In diese Autonomie darf weder durch Gesetz noch durch einen Akt der Vollziehung eingegriffen werden (Heinz Schäffer in Merten/Papier/Kucsko-Stadlmayer (Hg), Die Entwicklung der Grundrechte, HGR VII/1² § 12 Rz 59 mwN). Die inneren Angelegenheiten der Kirche beziehen sich auch auf die Bereiche des äußeren Lebens und die weltlichen Einrichtungen (Pree, Österreichisches Staatskirchenrecht 66). Dem Staat ist es untersagt, in inneren Angelegenheiten der Kirche gleichsam als deren verlängerter Arm deren innere Vorschriften zu vollziehen. Die Kirche darf nicht ihrer Möglichkeit beraubt werden, mit inneren Angelegenheiten auch im inneren Bereich umzugehen (Heinz Schäffer in Merten/Papier/Kucsko-Stadlmayer (Hg), Die Entwicklung der Grundrechte, HGR VII/1² § 12 Rz 60). Neben der Katholischen Kirche als anerkannte Kirche und Religionsgemeinschaft erstreckt sich der verfassungsrechtliche Schutz auch auf juristische Personen innerhalb der Kirche, wie etwa den „Bischöflichen Stuhl“ (in Ö auch „Bistum“) und die „Diözese“ (Pree, Österreichisches Staatskirchenrecht 62).

b. Das Kirchenvermögen bildet die finanzielle Grundlage und Voraussetzung für die Bewältigung der Aufgaben der Kirche. Was zu diesen zählt, welche materiellen Mittel auf welche Weise für diese Aufgaben einzusetzen sind, ist eine eigene bzw innerkirchliche Angelegenheit und daher nach dem Selbstverständnis der Kirche zu bestimmen (Pree/Primetshofer, Das kirchliche Vermögen, seine Verwaltung und Vertretung², 29).

Kirchliches Vermögen ist kein Selbstzweck. Neben dem liturgisch-pastoralen und sakramentalen Bereich gehören nach dem kirchlichen Selbstverständnis auch Aufgaben im Bereich des sozial-karitativen und der Kultur zum Sendungsauftrag der Kirchen. Das Vermögen der Katholischen Kirche steht allein im Dienst dieser Sendungsaufträge und dient damit zur Finanzierung sowohl liturgisch-pastoraler als auch karitativer Angelegenheiten. Die kirchliche Vermögensverwaltung muss deshalb nach Canon 1282 CIC „ihre Aufgaben im Namen der Kirche“ erfüllen. Um diesem Sendungsauftrag nachkommen zu können, muss die Kirche auch im Bereich der Vermögensverwaltung vom Staat gelöst sein; wofür die Kirche ihre Mittel verwendet, muss ihr selbst überlassen sein (Gmeiner, Die Begrenzung des staatlichen Strafanspruchs durch das Kirchenrecht am Beispiel der Untreue, ZIS 2016, 19 ff mwN).

c. Auch der Verfassungsgerichtshof (VfSIg 11.574) geht iS seiner bisherigen Judikatur zu Art 15 StGG (vgl insbesondere VfSIg 2944/1955 und 3657/1959) davon aus, dass das „den gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften durch Art 15 StGG verfassungsgesetzlich gewährleistete Recht der gemeinsamen öffentlichen Religionsübung und der Ordnung und selbständigen Verwaltung ihrer inneren Angelegenheiten ... nicht durch ein einfaches Gesetz beschränkt werden (darf)“ (VfSIg 2944/1955) sowie dass „in den inneren Angelegenheiten der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften ... den staatlichen Organen durch Art 15 StGG jede Kompetenz zur Gesetzgebung und Vollziehung genommen (ist)“ (VfSlg 3657/1959). Dieser verfassungsgesetzlich eingeräumte Freiraum zur selbständigen Ordnung und Verwaltung ihrer inneren Angelegenheiten bewirkt grundsätzlich keine Einschränkung des Geltungsanspruchs der Strafgesetze. Den Vermögen gesetzlich anerkannter Kirchen und Religionsgesellschaften kommt wie jedem anderen fremden Vermögen der Schutz des Strafgesetzes zu, und zwar auch der Strafbestimmung gegen Untreuehandlungen von Befugnisträgern (§ 153 StGB).

Der Begriff der inneren Angelegenheiten ist – wie bereits dargestellt – als Verfassungsbegriff einer Definition durch den einfachen Gesetzgeber entzogen. Er richtet sich zunächst nach dem Selbstverständnis der Religionsgesellschaft. Eine exakte Abgrenzung ist daher nicht möglich (Georg Lienbacher in Merten/Papier/Kucsko-Stadlmayer (Hg) Handbuch der Grundrechte Vll/1, 2. Aufl. § 12 RN 59). Nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs sind die inneren Angelegenheiten unter Bedachtnahme auf das „Wesen der Religionsgesellschaften nach deren Selbstverständnis“ zu erfassen (VfSIg 11.574). Soweit überblickbar liegen höchstgerichtliche Entscheidungen aus dem Bereich des Strafrechts zur gegenständlichen Rechtsfrage nicht vor. Beispielsweise enthält jedoch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 6. Juni 2013, 5 Ob 203/12g, Ausführungen zu dieser Thematik. Der Oberste Gerichtshof zählt zu den inneren Angelegenheiten in ständiger Rechtsprechung jene, die den inneren Kern der kirchlichen Betätigung betreffen und in denen ohne Autonomie die Religionsgemeinschaften in der Verkündung der von ihnen gelehrten Heilswahrheiten und der praktischen Ausübung ihrer Glaubenssätze eingeschränkt wären. So werden etwa die Mitgliedschaft, die Begründung und Beendigung einer Organstellung, die Einrichtung und Abschaffung von Ämtern, das kircheninterne Disziplinarrecht und die Erlassung einer Kirchenbeitragsordnung als innere Angelegenheiten qualifiziert (vgl die zit E mwN). Der Oberste Gerichtshof kommt in der angeführten Entscheidung 5 Ob 203/12g, welche sich auf eine Liegenschaft bezieht, auf der sich ein Gebäude befindet, das dem Zweck der Religionsausübung gewidmet ist, letztlich zu dem Ergebnis, dass die Begrenzung der den anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften zukommenden Autonomie in inneren Angelegenheiten durch die staatliche Rechtsordnung, wenn nicht der innerste Kern der kirchlichen Autonomie betroffen ist, eine Abwägung zwischen einem sachlich begründeten Schutzbedürfnis der Religionsgesellschaften einerseits und den von der Rechtsordnung anerkannten Interessen des Staates an der Geltung und Einhaltung von bestehenden rechtlichen Regelungen andererseits gebietet. Je mehr der Kernbereich verlassen wird, desto mehr stellen Bestimmungen der staatlichen Rechtsordnung potentielle Schranken dar, wenn das durch sie geschützte Rechtsgut im Verhältnis zum kirchlichen Selbstbestimmungsrecht gleich- oder höherrangig ist. Eine interne Entscheidung einer Religionsgesellschaft über die Verteilung oder Zuweisung kirchlicher Vermögenswerte, insbesondere auch von Liegenschaften, ist als Frage der internen Organisation bzw Vermögensverwaltung staatlicher Einflussnahme entzogen. Davon zu unterscheiden ist aber die sachenrechtliche Realisierung solcher Vermögenszuweisungen, welche einen Bereich betrifft, der grundsätzlich dem Staat zur Ordnung zugewiesen ist und dessen rechtliche Ausgestaltung sich dem autonomen Bereich der Kirche oder Religionsgesellschaft wesensmäßig entzieht. Die Religionsgemeinschaft begibt sich insoweit in den Bereich staatlicher Rechtsbeziehungen. Das Interesse des Staates an der Einhaltung der staatlichen Eigentumsübertragungsregeln, insbesondere zum Schutz des öffentlichen Glaubens der grundbücherlichen Eintragungen (Publizitätswirkung), führt in Abwägung zum Interesse einer Religionsgemeinschaft, wirksame sachenrechtliche Zuordnungen von der Religionsausübung dienenden Liegenschaften durch innerkirchliche Gesetze zu regeln, zu dem Ergebnis, dass die Religionsgesellschaft den staatlichen Rechtsvorschriften unterliegt.

d. Die Vermögensverwaltung und -kontrolle sowie deren Ordnung stellen im Lichte der dargestellten Rechtslage jedenfalls eine innere Angelegenheit dar. Die gegenständlichen Tatvorwürfe haben keine Berührungspunkte außerhalb des kirchlichen Umfeldes, weil es sich ausschließlich um Untreuevorwürfe gegen (teils höchste) kirchliche Würdenträger ausschließlich zum Nachteil der Katholischen Kirche bzw eine ihrer Organisationen im Rahmen der internen Vermögensverwaltung handelt. Fallbezogen steht auch nicht im Raum, dass der „Täter“ das kirchliche Vermögen für sich selbst als Privatperson – somit im außerkirchlichen Bereich – verwendete.

Die für die Beurteilung der Strafbarkeit in Prüfung zu ziehenden komplexen Zusammenhänge zwischen kirchlicher Vermögensverwaltung und „Sendungsauftrag der Kirche“ sowie die Vielzahl der interpretationsbedürftigen unbestimmten kanonischen Rechtsnormen, wurden im Detail unter dem Punkt „kirchenrechtliche Vorfragen“ dargestellt.

Für die strafrechtliche Beurteilung des gegenständlichen Sachverhalts wäre zwingend erforderlich, dass die Staatsanwaltschaft als staatliches Organ in Vollziehung der Gesetze die dargestellten kirchenrechtlichen Vorfragen im Zusammenhang mit inneren Angelegenheiten löst. Insbesondere wären die vermögensrechtlichen Befugnisse des Diözesanbischofs sowie die von ihm einzuhaltenden Sorgfaltsmaßstäbe bzw Handlungsdirektiven festzustellen und in weiterer Folge zu beurteilen, ob gegen die dargestellten komplexen und auslegungsbedürftigen kirchlichen Vorgaben im Zusammenhang mit der Vermögensverwaltung in unvertretbarer Weise verstoßen wurde. Im Ergebnis läuft diese Prüfung auf eine Kontrolle der Rechtmäßigkeit der innerkirchlichen Vermögensgebarung und -verwaltung und auf die Feststellung einzuhaltender zukünftiger Handlungsmaximen für Diözesanbischöfe (um sich nicht nach § 153 StGB strafbar zu machen) in explizit inneren kirchlichen Angelegenheiten hinaus.

e. Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass bei nicht durch Auslegung kircheninterner Vermögensregeln festzustellender Verletzungen des Kirchenvermögens (Veruntreuung, Diebstahl etc) das Selbstbestimmungsrecht der Kirche gar nicht verletzt sein kann, sodass es in diesen Fällen gar nicht zu einer Rechtsgutabwägung kommen kann. In all diesen Fällen ist das Kirchenvermögen von der innerstaatlichen Rechtsordnung jedenfalls geschützt.

f. Für dieses Kalkül spricht im Zusammenhang mit den in Rede stehenden Arbeitsverträgen im Übrigen auch, dass die von der Kirche erlassenen Dienst- und Besoldungsordnungen autonome, vom Staat nicht überprüfbare Satzungen im Bereich der inneren Angelegenheiten der Kirche darstellen, die als von der Kirche als Dienstgeberin und Trägerin von Privatrechten geschaffene „lex contractus“ betrachtet werden, wobei der Diözesanbischof das für kirchliche Arbeitsrechtsangelegenheiten zuständige gesetzgebende Organ ist (Pree/Primetshofer, Das kirchliche Vermögen, seine Verwaltung und Vertretung², 76 und 78). Auch vor diesem Hintergrund steht es dem Staat nicht zu, vom Diözesanbischof vereinbarte Arbeitsentgelte auf ihre Angemessenheit iSe allfälligen Überbezahlung zum Nachteil der Kirche zu prüfen.

g. Im gegenständlichen Fall ist aus der dargestellten höchstgerichtlichen Rechtsprechung zusammengefasst Folgendes ableitbar: Das bereits mehrfach erwähnte - hier aktuelle - Selbstverständnis der katholischen Kirche ergibt sich aus dem Konkordat (insbesondere Art XIII § 2), welches die Vermögensverwaltung der kirchlichen Rechtssubjekte durch nach dem kanonischen Recht berufene Organe unter Aufsicht und Kontrolle zuständiger Kirchenbehörden oder Ordensoberen vorsieht. Die damit umschriebene Autonomie lässt das Verständnis zu, dass die Befugnisausübung durch bestimmte Organe bei der Vermögensgebarung eine Angelegenheit der kirchlichen Administration und nicht einer staatlichen Kontrolle sein soll. Ist nach dem für die Abgrenzung innerkirchlicher Angelegenheiten bedeutsamen Selbstverständnis einer Kirche (VfSIg 11.574) nicht nur die gesamte Vermögensverwaltung, sondern auch jede dabei geschehene Befugnisanwendung eine außerstaatliche Angelegenheit, können staatliche Behörden die Befugnisgrenzen inhaltlich nicht überprüfen. Damit entfällt eine Anwendungsvoraussetzung für die Strafbestimmung gegen Untreue. Derartige Organhandlungen können solange als innere Angelegenheit der katholischen Kirche beurteilt werden, als Rechte Dritter nicht beeinträchtigt werden. Auch unter Zugrundelegung dieser Erwägungen sind die inkriminierten Handlungen, die im Übrigen ausschließlich schuldrechtlichen Charakter haben, als innere Angelegenheiten einer Teilorganisation der katholischen Kirche zu qualifizieren, die der Überprüfung durch staatliche Organe entzogen sind. Für eine von staatlichen Organen vorzunehmende Rechtsgüterabwägung fehlt daher die Grundlage.

h. Das Ermittlungsverfahren wegen dieser Sachverhalte gegen Dr. A*** S*** und A*** E*** wurde daher gemäß § 190 Z 1 StPO eingestellt. Betreffend Mag. A*** M*** wurde von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gemäß § 35c StAG abgesehen.



 

Zum Verdacht nach den §§ 146 f StGB bzw allfälligen anderen strafbaren Handlungen (Punkt III. des Tenors):

In der ON 25 bringt H*** P*** zur Anzeige, dass er als Pächter des Schlosses R*** „sittenwidrig durch arglistige Täuschung und Trickbetrug vorzeitig um den Bestand seines aufrechten bis 2018 unkündbaren Pachtvertrags schwer betrogen und geschädigt worden“ sei. Auch die „E***“ als ursprüngliche Eigentümer und Verkäufer des Schlosses seien um mindestens 10 Millionen Euro betrogen worden. F*** H*** habe als „vermutlich absehbarer Zwischenverkäufer und Strohmann“ das „Kaufbegehren“ der Familie des Dr. P*** G*** geleitet. Um die Liegenschaft an die Familie G*** und Dr. T*** B*** verkaufen zu können, sei der diese Liegenschaft belastende Pachtvertrag mit H*** P*** mit „einer List“ aufgelöst worden. Die Liegenschaft sei von den E*** weit unter dem halben Wert um 5 Millionen Euro an die Familien B***, G*** und H*** verkauft worden. Dabei sei H*** P*** um seinen Pachtvertrag betrogen worden, wobei ihm ein Schaden von einer Million Euro und den E*** ein Schaden von 8 bis 10 Millionen Euro entstanden sei.

Eine Internet-Recherche zu dem Verkaufsvorgang des Schlosses R*** ergab, dass H*** P*** laut Zeitungsberichten in der Kleinen Zeitung das in Rede stehende Anwesen im Jahr 2012 um einen Preis von rund 5 Millionen Euro von den E*** gekauft habe, der Vertrag aber „geplatzt“ sei, weil der Käufer nicht bezahlt habe. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sind die über weite Strecken wenig nachvollziehbaren und auf Spekulationen beruhenden („vermutlich“) Ausführungen des Anzeigers unplausibel. Er selbst hätte das Anwesen offensichtlich ebenfalls um 5 Millionen Euro gekauft, sodass seine nunmehrigen unsubstantiierten Behauptungen zum angeblichen tatsächlichen Wert keinen Anfangsverdacht einer gerichtlich strafbaren Handlung zu begründen vermögen. Auch die Ausführungen im Zusammenhang mit der „listigen“ Auflösung des Pachtvertrages sind schon ausgehend vom Anzeigevorbringen unter keinen gerichtlich strafbaren Tatbestand subsumierbar.

Es wurde daher gemäß § 35c StAG von Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen.