zur Navigation
Aktenzeichen:

Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 17 St 5/19d

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 12 OStA 222/19b

Bekannt gemacht am:

05.07.2021


Entscheidungsdatum:

24.06.2021

Einstellungsgrund

§ 190 Z 1 StPO


Verfahrensgegenstand:

Mit anonymer Anzeige vom 10. März 2021 (ON 1322) wird unter Bezugnahme auf einen angeschlossenen Zeitungsartikel der Tageszeitung ÖSTERREICH die (strafrechtliche) Verfolgung des Chefredakteurs des Onlinemediums Z***** gefordert. Dieser habe den Kanzler eines Gratisurlaubs auf Mallorca bei einer Unternehmerin bezichtigt, wobei Bundeskanzler K***** nun eine Hotelrechnung vorgelegt habe.

Zu prüfen war daher, ob ein Anfangsverdacht (§ 1 Abs 3 StPO) im Zusammenhang mit den im Medienbericht dargestellten Aussagen des Dr. Thomas W***** wegen §§ 288 Abs 1 und 4, 297 Abs 1 StGB vorliegt.

Sachverhaltsannahmen:

Dr. Thomas W***** wandte sich mit einer BKMS-Meldung vom 15. Februar 2021 (ON 1204) an die WKStA und brachte Informationen, die er im Zuge einer Recherche zu Treffen zwischen N***-Führungskräften und Politikern der ÖVP gemacht hatte, zur Kenntnis. Diese bezogen sich insbesondere auf sogenannte Frühstückstreffen, welche die PR-Beraterin Gabriela S***** organisiert hatte, und bei denen Mag. Harald N***** mit Sebastian K***** zusammengetroffen sei.

Im Zuge der Zeugenvernehmung am 17. Februar 2021 (ON 1226) erwähnte Dr. W***** weitere Informationen, die er aus einer Hintergrundrecherche erhalten habe. Dabei teilte er folgendes mit: „Frau S***** hatte darüber hinaus auch engen Kontakt zu Sebastian K***, so war Sebastian K*** Anfang Juni 2018 in S*******s Haus auf Mallorca auf Urlaub zu Gast gemeinsam mit dem Ehepaar S*****.“. Nicht thematisiert hat der Zeuge die Frage, ob dieser Besuch im Haus des Ehepaars S***** den ganzen Urlaub von K*** über andauerte und ob dieser eine unentgeltliche Vorteilszuwendung darstelle.

Der Vorwurf einer von Amts wegen zu verfolgenden strafbaren Handlung war schon objektiv nicht vorliegend, sodass sich weitere Erwägungen über die Eignung eine Gefahr, behördlicher Verfolgung zu begründen, erübrigen.

Weiters ist zu erwähnen, dass Dr. Helmut B***** in der Zeugenvernehmung vom 22. März 2021 angab, dass seine Frau – Mag.a Patricia P***** – am Morgen des 1. Juni 2018 eine WhatsApp Nachricht von Frau S***** erhalten habe, mit dem Inhalt „Sebastian ist hier“. Im Zuge eines unmittelbar darauf geführten Telefonates habe Frau S***** erwähnt „ja er ist hier, aber er schläft im Hotel". Auf Nachfrage, ob er mit Dr. W***** vor dessen Berichterstattung über einen möglichen Besuch von K*** in Mallorca gesprochen habe, antwortete dieser, dass er wisse, dass Dr. W***** diese Informationen auch gehabt habe. Dies deckt sich mit einem Medienbericht auf Z***** vom 4. März 2021 ("Sebastian ist hier" - K*** und S***** zwischen Wien und Mallorca - Z*****.at) in welchem hinsichtlich der genannten Nachricht festgehalten wird, dass diese auch Z***** vorliege.

Es ist daher davon auszugehen, dass das erwähnte Rechercheergebnis im Zusammenhang mit der von Dr. B***** angeführten Nachricht sowie obgenannten Telefonat steht und Dr. W***** daher von der Richtigkeit seiner Aussage ausgehen konnte. Anhaltspunkte für eine objektiv unrichtige und somit falsche Aussage iSd § 288 Abs 1 und 4 StGB liegen daher ebenso nicht vor.



 

Rechtliche Beurteilung:

Gemäß § 2 Abs 1 StPO ist nur bei Bejahung eines Anfangsverdachtes einer Straftat ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Ein Anfangsverdacht liegt vor, wenn aufgrund bestimmter Anhaltspunkte angenommen werden kann, dass eine Straftat (das ist jede gesetzlich mit gerichtlicher Strafe bedrohte Handlung (Markel in Fuchs/Ratz, WK-StPO § 1 Rz 5(Stand 1.9.2015, rdb.at)) begangen worden ist (§ 1 Abs 3 StPO). Allein Vermutungen oder Spekulationen genügen nicht; „bestimmte Anhaltspunkte“ setzen voraus, dass zumindest nach der sich bietenden Sachlage die Annahme einer verfolgbaren Tat indiziert ist (Markel in Fuchs/Ratz, WK-StPO § 1 Rz 26 (Stand 1.9.2015, rdb.at)).

Ausgehend vom Anzeigeninhalt aus den oben dargestellten Gründen liegt kein solcher Anfangsverdacht vor, weshalb gemäß § 35c StAG von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Dr. Thomas W***** wegen §§ 288 Abs 1 und 4, 297 Abs 1 StGB abgesehen wurde.