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OStA Wien (038), 4 OStA 204/19x
Veröffentlichung gemäß § 35a Staatsanwaltschaftsgesetz

Aktenzeichen:
Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 17 St 7/19y
Veröffentlicht durch:
OStA Wien (038), 4 OStA 204/19x
Bekannt gemacht am:
21.10.2019

Entscheidungsdatum:
09.10.2019
Einstellungsgrund
§ 190 Z 1 StPO
Normen:
§ 304 StGB
§ 305 StGB
§ 306 StGB
§ 307 StGB
§ 307a StGB
§ 307b StGB
§ 3 VbVG




 

A. Zum Tatverdacht laut Anzeige:

Ausgehend von der Medienberichterstattung und der Anzeige war der Verdacht zu prüfen, es hätten in den Jahren 2017 bis Mai 2019 in W*** und anderen Orten des Bundesgebietes

1. DI K*** O*** außer in den Fällen der §§ 307 und 307a einem Amtsträger bzw mehreren Amtsträgern, nämlich S*** K*** als Bundeskanzler und/oder einem anderen Ö***Partei-Mitglied der jeweiligen Bundesregierung in mehreren Angriffen einen ungebührlichen Vorteil (§ 305 Abs 4) jeweils in einem 3.000 Euro übersteigenden Wert für einen Dritten, nämlich die Ö***Partei, mit dem Vorsatz gewährt, ihn/sie dadurch in seiner/ihrer Tätigkeit als Amtsträger zu beeinflussen, indem er im Zeitraum 2017 bis Mai 2019 über seine Gesellschaften I*** GmbH, C*** GmbH und der T*** GmbH rund eine Million Euro an die Ö***Partei spendete;

2. S*** K***, H*** L*** und/oder andere Ö***Partei-Mitglieder der jeweiligen Bundesregierung, somit Amtsträger, mit dem Vorsatz sich dadurch in seiner/ihrer Tätigkeit als Amtsträger beeinflussen zu lassen, für einen Dritten, nämlich für die Ö***Partei, einen ungebührlichen Vorteil (§ 305 Abs 4) angenommen, indem sie die unter Punkt 1. dargestellten Parteispenden akzeptierten und für Parteizwecke verwendeten;

Es war daher zu prüfen, ob gegen DI K*** O*** ein Anfangsverdacht wegen § 307b Abs 1 und 2 erster Fall StGB bzw gegen S*** K***, H*** L*** und UT ein Anfangsverdacht wegen § 306 Abs 1 und 2 erster Fall StGB besteht.

Hinsichtlich der Ö***Partei war der Anfangsverdacht nach § 3 VbVG in Prüfung zu ziehen.

Abhängig davon, ob es sich um eine tatbestandliche Handlungseinheit handelt, wäre auch die Subsumtion unter die §§ 306 Abs 1 und 2 zweiter Fall; 307b Abs 1 und 2 zweiter Fall StGB denkbar (Nordmeyer/Stricker in WK² § 34 Rz 86 mwN).

B. Sachverhalt:

DI K*** O*** (zu 72,1 %) ist und war in dem zu prüfenden Zeitraum gemeinsam mit seinen Töchtern DI I*** O*** und Mag.  Dr. N*** O*** (je zu 12,5 %) sowie seiner Frau DI F*** O*** (zu 2,9 %) Gesellschafter der I*** GmbH. Diese wiederum ist Alleingesellschafterin der C*** GmbH und der T*** GmbH.

Im Jahr 2017 spendeten DI K*** O*** jeweils in mehreren Angriffen über die I*** GmbH 261.000 Euro sowie über die C*** GmbH und die IT*** GmbH jeweils 46.000 Euro an die Ö***Partei. Die I*** GmbH spendete zudem 75.000 Euro an eine (namentlich nicht bekannte) der Ö***Partei nahestehende Organisation. Diese Spenden iHv insgesamt 428.000 Euro wurden in mehreren 50.000 Euro jeweils nicht übersteigenden Tranchen gespendet und im Rechenschaftsbericht für das Jahr 2017 an den Rechnungshof gemeldet. Die genauen Spendenzeitpunkte im Jahr 2017 sind nicht bekannt.

Nach seinen eigenen Angaben gegenüber Medien habe DI K*** O*** auch in den Jahren 2018 und 2019 nicht bekannte Beträge an die Ö***Partei gespendet. Die in den Medien kolportierte Höhe von insgesamt einer Million Euro wurde von DI K*** O*** weder bestätigt noch dementiert.

Im Raum steht, dass DI K*** O*** insbesondere an einer KÖSt-Senkung und der Einführung des 12-Stunden Tages interessiert war. Beide Punkte waren Teil des Regierungsprogramms, das vor der Angelobung der Bundesregierung präsentiert wurde (https://www.dieneuevolkspartei.at/download/Regierungsprogramm.pdf [S 127 f und 139]).

Die Bundesregierung unter Beteiligung der Ö***Partei und Bundeskanzler S*** K*** war im Zeitraum von 18. Dezember 2017 bis Mai 2019 im Amt. Den Ministerien für „Digitalisierung und Wirtschaftsstandort“ und „Finanzen“ standen die Ö***Partei-MinisterInnen Dr. M*** S*** und H*** L*** vor. Auch im Jahr 2017 war die Ö***Partei regierungsbeteiligt und stellte unter anderem den Finanzminister.

Die Ö***-AG steht im Alleineigentum der Republik Österreich. Die Republik Österreich als Alleinaktionärin wird in der Hauptversammlung vom Bundesminister für Finanzen vertreten (§ 2 ÖIAG-Gesetz 2000). Sechs Mitglieder des Aufsichtsrats (Kapitalmitglieder) werden von der Hauptversammlung gewählt und abberufen (§ 4 Abs 1 ÖIAG-Gesetz 2000).

Am 15. Februar 2019 fand eine außerordentliche Generalversammlung der Ö***-AG statt. Der Bundesminister für Finanzen H*** L*** ließ sich durch die von ihm bevollmächtigte Mag. E*** G*** vertreten. In dieser Generalversammlung wurde ua DI I*** O*** auf Vorschlag der (vom Bundesminister für Finanzen vertretenen) Alleingesellschafterin (Republik Österreich) von der Vorsitzenden Mag. E*** G*** zum Aufsichtsratsmitglied (als Kapitalvertreterin) mit einer jährlichen Vergütung von 15.000 Euro gewählt.

C. Anfangsverdachtsprüfung

Die Sachverhaltsannahmen ergeben sich aus der Medienberichterstattung und dem Firmenbuch. Die Anfangsverdachtsprüfung nach den Korruptionsstraftatbeständen ist im Lichte der Höhe der Spenden während der Regierungszeit der Ö***Partei indiziert.



 

D. Erwägungen für ein Absehen von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gemäß § 35c StAG:

I. Zu §§ 304 und 307 bzw 305 und 307aStGB:

Voraussetzung für eine Strafbarkeit nach diesen Bestimmungen ist, dass der Vorteil (hier: die Parteispenden) für die Vornahme oder Unterlassung eines Amtsgeschäfts gewährt wird. Anders als bei den §§ 306 und 307b StGB muss der Vorteil mit einem bestimmten oder zumindest bestimmbaren Amtsgeschäft verknüpft sein. Zum Tatzeitpunkt (= Gewähren/Annahme der Spenden) bedarf es eines konkreten Lebensbezugs, dh des Konnexes mit der Ausübung amtlicher Befugnis in einem konkreten Fall. Die Geschenkannahme bzw -gewährung muss in einem ursächlichen Zusammenhang zur Vornahme eines konkreten Amtsgeschäfts stehen. Die Konkretisierung muss ein Ausmaß erreicht haben, dass der Amtsträger im Einzelfall weiß, welche Art von Amtsausübung als Gegenleistung erwartet wird (Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 60 mwN; Marek/Jerabek, Korruption und Amtsmissbrauch11 §§ 304 bis 306 Rz 27).

Zu prüfen ist, ob eine derartige Verknüpfung zwischen Amtsgeschäft und Spende fallbezogen iSe diesbezüglichen Anfangsverdachts vorliegt. Ein Anfangsverdacht ist dann zu bejahen, wenn aufgrund bestimmter Anhaltspunkte angenommen werden kann, dass eine Straftat (das ist jede gesetzlich mit gerichtlicher Strafe bedrohte Handlung Markel, WK-StPO § 1 Rz 5]) begangen worden ist (§ 1 Abs 3 StPO). Allein Vermutungen oder Spekulationen genügen nicht; „bestimmte Anhaltspunkte“ setzen voraus, dass zumindest nach der sich bietenden Sachlage die Annahme einer verfolgbaren Tat indiziert ist (Markel, WK-StPO § 1 Rz 26).

Betreffend die Bestellung von DI I*** O*** zur Aufsichtsrätin der Ö***-AG im Februar 2019 liegen solche „bestimmten Anhaltspunkte“ für die vom Gesetz geforderte konkrete Verknüpfung von Amtsgeschäft und Vorteil nicht vor: dies vor allem angesichts der Tatsache, dass Spenden der „I*** Gruppe“ über einen langen Zeitraum, zudem teils eineinhalb Jahre vor der Bestellung zur Aufsichtsrätin, getätigt wurden und dass es eine Vielzahl von anderen plausiblen Motivationslagen (zB insbesondere die Gewährleistung einer allgemeinen für die von DI K*** O*** vertretenen Unternehmen günstige Politik; allgemeine wohlwollende Behandlung der Anliegen des Spenders etc) für die Zahlungen gibt, die mit den mehrjährigen Zuwendungen nach der Lebenserfahrung besser vereinbar sind (siehe zu möglichen Indizien: Marek/Jerabek, Korruption und Amtsmissbrauch11 §§ 304 bis 306 Rz 45b; Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 67).

Für die Strafbarkeit nach den §§ 304 f und 307 f StGB reicht es zudem nicht aus, wenn ein Amtsträger einen Vorteil annimmt, ohne zunächst einen Konnex zu einem Amtsgeschäft zu sehen, und sich erst später dazu entschließt, ein solches mit Blick auf den bereits angenommenen Vorteil vorzunehmen (Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 82). Sollte – wie aus Sicht der WKStA aus dem objektiven Geschehnisablauf am plausibelsten – die Bestellung von DI I*** O*** zur Aufsichtsrätin daher der „Dank“ bzw ein „Erkenntlichzeigen“ für die bisher an die Ö***Partei geleisteten Spenden bzw sollte die finanzielle Unterstützung der Ö***Partei zumindest mitausschlaggebend für die Bestellung gewesen sein, wäre dies nach der aktuellen Gesetzeslage nicht gerichtlich strafbar.

Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass es keine Anhaltspunkte für eine mangelnde Eignung von DI I*** O*** gibt.

II. Zu § 307b StGB:

1. Allgemeines:

Gemäß § 307b Abs 1 StGB ist – soweit hier von Relevanz – strafbar, wer einem Amtsträger, einen ungebührlichen Vorteil (§ 305 Abs 4 StGB) für ihn oder einen Dritten mit dem Vorsatz, ihn dadurch in seiner Tätigkeit als Amtsträger zu beeinflussen, gewährt. „Dritter“ kann jede natürliche oder juristische Person, so auch eine politische Partei sein (Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 50 mwN). Auch der ungebührliche Vorteil für einen Dritten (Drittvorteil) ist tatbestandsmäßig (Nordmeyer/Stricker in WK² § 307b Rz 13 mwN). Ein Vorteil wird gewährt, wenn er tatsächlich zugewendet wird (Nordmeyer/Stricker in WK² § 307 Rz 24 mwN).

2. Zur Frage der Gebührlichkeit des Vorteils iSd § 305 Abs 4 StGB:

Nach § 305 Abs 4 Z 1 StGB sind – soweit sachverhaltsbezogen von Relevanz – Vorteile, deren Annahme gesetzlich erlaubt ist, keine ungebührlichen Vorteile und daher nicht tatbildlich iSd § 307b StGB. Die gesetzliche Erlaubnis, einen Vorteil anzunehmen, kann sowohl im Dienst- oder Organisationsrecht als auch sonst in der ganzen Rechtsordnung verankert sein (Nordmeyer/Stricker in WK² § 305 Rz 17 mwN).

Als Erlaubnisnorm kommt fallbezogen § 6 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 in Betracht. Gemäß Abs 1 leg cit kann jede politische Partei nach Maßgabe der in den Abs 2 ff leg cit geregelten Fällen Spenden annehmen. In den Abs 2 bis 5 sind (hier nach der Verdachtslage von der Ö***Partei eingehaltene) Meldepflichten an den Rechnungshof normiert. Abs 6 leg cit regelt, in welchen Fällen politische Parteien keine Spenden annehmen dürfen.

Ausgehend von dieser Rechtslage stellen sich bezogen auf den vorliegenden Sachverhalt mehrere (Rechts-)Fragen:

a. Sind Erlaubnisnormen für den „Dritten“ von § 305 Abs 4 Z 1 erster Fall StGB erfasst?

Diese Frage ist aus Sicht der WKStA aus folgenden Erwägungen zu bejahen:

§ 305 Abs 4 Z 1 erster Fall StGB stellt nach dem (im Strafrecht primär maßgeblichen [Höpfel in WK² § 1 Rz 51 mwN]) Wortlaut – ohne Differenzierung, wer der Vorteilsempfänger ist – nur auf die gesetzliche Erlaubnis der Annahme des Vorteils ab. Schon der Wortlaut spricht also dafür, dass auch gesetzliche Annahmeerlaubnisse für Dritte die Ungebührlichkeit des Vorteils ausschließen.

Dieses Ergebnis wird auch durch eine systematische Interpretation gestützt: § 307b StGB erfasst ja nicht nur eigene Vorteile des Amtsträgers, sondern uneingeschränkt auch Drittvorteile (Marek/Jerabek, Korruption und Amtsmissbrauch11 §§ 304 bis 306 Rz 22). Besteht eine gesetzliche Erlaubnis für den Dritten, muss diese angesichts der strafgesetzlichen Gleichstellung der Vorteilsempfänger von § 305 Abs 4 Z 1 erster Fall StGB erfasst sein. Weiters spricht die eng verquickte Entstehungsgeschichte des aktuellen Korruptionsstrafrechts und des Parteiengesetzes 2012 dafür, dass bei gesetzlich erlaubten Parteispenden iSd § 6 PartG die Ungebührlichkeit des in der Spende zweifellos liegenden Vorteils ausgeschlossen werden sollte: Beide Gesetze wurden im Rahmen des „Transparenzpakets“ gemeinsam verhandelt und im Nationalrat beschlossen (https://www.parlament.gv.at/PAKT/AKT/SCHLTHEM/SCHLAG/J2012/2012_06_27_Transparenzpaket.shtml). Das PartG idF vor BGBl I Nr 56/2012 sah zwar Regelungen zur Offenlegung von Spenden vor (§ 1 Abs 5 und § 4 leg cit), eine – wie 2012 mit § 6 Abs 1 PartG beschlossene – explizite Erlaubnis der Annahme von Parteispenden gab es allerdings nicht. Demgegenüber gab es auch im Korruptionsstrafrecht vor dem KorrStrÄG 2012 keine dem nunmehrigen § 305 Abs 4 Z 1 erster Fall StGB entsprechende Regelung (die Korruptionstatbestände stellten vielmehr auf den Verstoß gegen ein dienst- oder organisationsrechtliches Verbot ab [zB § 305 Abs 1 StGB idF BGBl I idF 98/2009]). Da die beiden Gesetzesänderungen gemeinsam beschlossen wurden und es für die ausdrückliche gesetzliche Erlaubnisnorm des § 6 Abs 1 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 keine andere Notwendigkeit gegeben hätte, gelangt man auch bei einer historisch-systematischen Prüfung zu dem Ergebnis, dass es sich bei § 6 Abs 1 PartG um eine Erlaubnisnorm iSd § 305 Abs 4 Z 1 erster Fall StGB handelt. Für dieses Kalkül sprechen im Übrigen auch die Gesetzesmaterialien zum PartG 2012, wonach durch das Gesetz „Rechtssicherheit bezüglich der Zulässigkeit von Spenden an Parteien“ geschaffen werden soll (ErlRV 1782 BlgNr XXIV. GP 1). Betrachtet man den unmittelbaren zeitlichen Konnex zur erheblichen Verschärfung des Korruptionsstrafrechts kann sich das Ziel, Rechtssicherheit zu gewährleisten, wohl nur auf das KorrStrÄG 2012 beziehen.

Es stellt sich daher die weitere Frage, ob fallbezogen eine der Ausnahmen der Annahmeerlaubnis gemäß § 6 Abs 6 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 vorlaG*** Indiziert ist die Ausnahme der Z 10 leg cit.

b. Wie ist die in § 6 Abs 6 Z 10 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 gewählte Formulierung „in Erwartung oder als Gegenleistung eines bestimmten wirtschaftlichen oder rechtlichen Vorteils“ insbesondere im Verhältnis zu den korruptionsstrafrechtlichen Bestimmungen der §§ 304 ff StGB zu interpretieren?

Z 10 leg cit normiert, dass Parteien keine Spenden von „natürlichen oder juristischen Personen, die der Partei erkennbar in Erwartung oder als Gegenleistung eines bestimmten wirtschaftlichen oder rechtlichen Vorteils eine Spende gewähren wollen“, annehmen dürfen. Da fallbezogen – wie oben dargestellt – nicht indiziert ist, dass die Spenden in Erwartung eines konkreten bzw bestimmten Amtsgeschäfts bzw eines bestimmten Vorteils geleistet wurden, ist prima vista daher ausgehend vom Sachverhalt nicht vom Vorliegen dieses Ausnahmetatbestandes auszugehen.

Für eine abschließende rechtliche Beurteilung erscheint jedoch angesichts der engen Verknüpfung zwischen dem PartG und dem Korruptionsstrafrecht eine nähere Beleuchtung der relevanten gesetzlichen Bestimmungen erforderlich: In diesem Rahmen ist bei der Interpretation der Formulierung der Z 10 leg cit erneut zu berücksichtigen, dass es zu dieser Regelung ebenfalls keine korrespondierende „Vorgängerbestimmung“ gibt. Vielmehr wurde auch dieser Punkt erst im Rahmen des Transparenzpakets mit dem KorrStrÄG 2012 erstmals gesetzlich normiert.

§ 6 Abs 6 Z 10 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 spricht anders als die Korruptionsbestimmungen von einem „bestimmten wirtschaftlichen oder rechtlichen“ Vorteil, der aufgrund der Spende erwartet wird, wohingegen die Korruptionstatbestände auf „Amtsgeschäfte oder Tätigkeit als Amtsträger“ als Gegenleistung für einen Vorteil abstellen. Dem Wortlaut der Z 10 leg cit ist deutlich zu entnehmen, dass es um einen „bestimmten“ Vorteil gehen muss. Der Begriff des „Vorteils“ iSd zitierten Bestimmung des PartG ist jedenfalls weiter gefasst als das „Amtsgeschäft“ in den §§ 304 f und 307 f StGB. Gemeinsam ist beiden Regelungskomplexen jedoch, dass es sich um einen bestimmten Vorteil bzw um ein bestimmtes Amtsgeschäft (Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 60 mwN; IA 1950/A XXIV. GP 9) handeln muss, sodass betreffend das Bestimmtheitserfordernis § 6 Abs 6 Z 10 PartG idF BGBl INr 56/2012 und den §§ 304 f und 307 f StGB derselbe Bedeutungsgehalt zu unterstellen ist. Dh die Bestimmtheit muss ein Ausmaß erreicht haben, dass für den Spendenempfänger klar erkennbar ist, welche Art von Vorteil als Gegenleistung erwartet wird (zu den Korruptionstatbeständen: Nordmeyer/Stricker in WK² § 304 Rz 60 mwN; Marek/Jerabek, Korruption und Amtsmissbrauch11 §§ 304 bis 306 Rz 27). Demgegenüber verlangen die §§ 306 und 307b StGB kein konkretes oder bestimmtes Amtsgeschäft als Gegenleistung, sondern stellen iSe „Anfütterns“ bloß darauf ab, dass die Zuwendungen dazu dienen, Amtsträger ganz allgemein bzw „für alle Fälle“ „gewogen“ zu stimmen (IA 1950/A XXIV. GP 9). Der Begriff des „bestimmten Vorteils“ iSd § 6 Abs 6 Z 10 leg cit ist daher wesentlich enger als die von § 307b StGB erfasste inkriminierte Amtstätigkeit. Da die beiden gesetzlichen Bestimmungen zeitgleich mit unterschiedlichem Wortlaut beschlossen wurden, ist davon auszugehen, dass es sich nicht um deckungsgleiche Regelungen handelt sollte.

Vor diesem Hintergrund sind aus Sicht der WKStA auf ein Anfüttern iSd § 307b StGB abzielende Parteispenden von der Ausnahme des § 6 Abs 6 Z 10 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 mangels „Bestimmtheit“ des von der Partei oder deren Vertreter erwarteten Vorteils nicht umfasst und gesetzlich erlaubt.

Da ein Konnex der hier zu prüfenden Spenden mit einem konkreten und bestimmbaren Vorteil nicht indiziert ist, stellen die gegenständlichen Parteispenden keinen „ungebührlichen Vorteil“ iSd § 307b Abs 1 StGB dar.

Der objektive Tatbestand des § 307b StGB ist daher nicht erfüllt.

3. Zur subjektiven Tatseite:

Nur der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass im Lichte des § 6 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 auch die subjektive Tatseite nicht mit der erforderlichen Anfangsverdachtswahrscheinlichkeit indiziert wäre: Der Vorsatz muss sich nämlich auch auf die Ungebührlichkeit des Vorteils beziehen. Nimmt der Täter an, dass er einen Vorteil anbietet, der unter die Tatbestandsbeschränkungen des § 305 Abs 4 StGB fällt, fehlt ihm dieser Vorsatz und er bleibt aufgrund des Tatbildirrtums straflos (Nordmeyer/Stricker in WK² § 307b Rz 15 mwN). Da gegenständlich nach dem derzeitigen Kenntnisstand alle Meldepflichten an den Rechnungshof einhalten wurden, die Stückelung von Parteispenden nicht verboten ist und DI K*** O*** die Namen seiner Gesellschaften als Spender gegenüber der Ö***Partei offenlegte, ist plausibel, dass sowohl der Spender als auch die Spendenempfänger von einer gesetzlichen Grundlage für die Spenden ausgingen.

Die KÖSt-Senkung und der 12-Stunden-Tag waren im Übrigen bereits im Regierungsprogramm 2017 bis 2022 enthalten, sodass in diesem Zusammenhang aus den objektiven Umständen der notwendige „Beeinflussungsvorsatz“ der Amtsträger nicht indiziert ist.

4. Conclusio:

Es ist daher festzuhalten, dass die in Rede stehenden im Rahmen der Erlaubnisnorm des § 6 PartG idF BGBl I Nr 56/2012 gewährten Parteispenden selbst bei Bejahung eines Beeinflussungsvorsatzes im Lichte des § 305 Abs 4 Z 1 StGB nicht gerichtlich strafbar sind.

III. Zu § 306 StGB:

Die Ausführungen zu § 307b StGB gelten gleichermaßen für den Spendenempfänger.

IV. Zu § 153 StGB:

Da neben DI K*** O*** Gesellschafter der spendenden I*** GmbH, der C*** GmbH und der T*** GmbH ausschließlich seine Töchter sowie seine Ehegattin sind, wäre eine allfällige Untreue nach § 153 StGB im Familienkreis begangen (RIS-Justiz RS0094723) und ein nicht von der Staatsanwaltschaft zu prüfendes und zu verfolgendes Privatanklagedelikt (§ 166 Abs 3 StGB).

Weiteres ist die Anzeige und die Medienberichterstattung auf das Vorliegen von Anhaltspunkten zu untersuchen, ob die Extranei durch die Entgegennahme der jeweiligen Spenden einen Beitrag zu einer Untreue der Machthaber der „I*** Gruppe" geleistet haben. Denn unter dieser Annahme hätten sie zum Vorteil der Spendenempfänger gehandelt, sodass in Ansehung dieses Täterkreises die Voraussetzungen des § 166 Abs 2 StGB nicht vorliegen. Der Verdacht der Untreue nach §§ 12 dritter Fall, 153 Abs 1 und Abs 3 zweiter Fall StGB wäre demnach materiell zu prüfen. Nach § 153 Abs 2 StGB missbraucht seine Befugnis, wer in unvertretbarer Weise gegen solche Regeln verstößt, die dem Vermögensschutz des wirtschaftlich Berechtigten dienen. Der Tatbestand knüpft somit ausdrücklich an den Schutzzweck der verletzten Vorschrift an (17 Os 8/19g). Nach den Gesetzesmaterialien scheidet aus diesem Grund „eine Verletzung von Regelungen, die entweder reinen Ordnungsanliegen oder aber den Interessen Dritter (etwa von Gläubigern oder auch der Öffentlichkeit) dienen", für die „Begründung einer Untreuestrafbarkeit kategorisch aus" (AB 728 BIgNR 25. GP 5). Steht die Verletzung einer bestimmten Vorschrift in Rede, ist das Tatbestandselement des Befugnismissbrauchs also am Schutzzweck dieser Vorschrift zu prüfen und nicht an jenem eines allgemeinen (subsidiären [vgl Fuchs/Reindl-Krauskopf BT I6, 224 und 228; N. Huber, Ausgewählte Fragen der Untreuebestimmung in Kert/Kodek, Wirtschaftsstrafrecht 4.27]) Sorgfaltsmaßstabs (etwa § 84 AktG, § 25 GmbHG), der als Anspruchsgrundlage zivilrechtlicher Haftung des Machthabers seinerseits (auch) an Verstöße des Strafrechts anknüpft (17 Os 8/18g mit zahlreichen Verweisen auf die hL). Vielmehr folgt aus der Legaldefinition des § 153 Abs 2 StGB, dass (auch aus diesem Grund) die strafrechtliche Haftung (wegen Untreue) enger sein kann als die zivilrechtliche (17 Os 8/18g).

Fehlt demnach – wie hier im Fall einer Spende auf Basis des PartG – eine konkrete Vorschrift, könnte sich der Befugnismissbrauch aus der Verletzung interner (dem Vermögensschutz des wirtschaftlich Berechtigten dienender) Anordnungen (Weisungen) oder des allgemeinen Grundsatzes, der jeden Machthaber verpflichtet, dem Machtgeber größtmöglichen Nutzen zu verschaffen (vgl RIS-Justiz RS0094918; Kirchbacher/Presslauer in WK² § 153 Rz 28), ergeben. Letzteres kann der Fall sein, wenn die Vertretungshandlung (ex ante) wirtschaftlich unvertretbar ist, insbesondere dem dadurch bewirkten Vermögensabfluss keine entsprechende Gegenleistung gegenübersteht (11 Os 126/16p [11 Os 127/16k]; 13 Os 142/14b; 10 Os 211/84 [jeweils zu „verdeckten Parteispenden"]; zum Ganzen Kienapfel/Schmoller BT II² § 153 Rz 57, 61 f und 78 ff; Stricker, Aktive Korruption als Untreue in: Jahrbuch Wirtschaftsstrafrecht und Organverantwortlichkeit 2016, 51 [64 ff]; McAllister in Preuschl/Wess, Wirtschaftsstrafrecht § 153 Rz 40 ff).

Wenngleich einer Spende nach dem PartG – wie etwa einer Schenkung – ein von der Rechtsordnung anerkannter Rechtstitel für die Vermögensübertragung zugrunde liegt, kann ihr „direkter ökonomischer Nutzen" (Kirchbacher/Presslauer in WK² § 153 Rz 35), maW eine entsprechende Gegenleistung zweifelhaft oder ausschließbar sein. Soweit überblickbar besteht in der Rechtsprechung und Literatur Einigkeit darin, dass eine Parteispende nicht per se dem Tatbestand des § 153 Abs 1 StGB zu unterstellen ist. Welche die Untreue ausschließende Gegenleistungen in Betracht kommen (und wie sie zu bewerten sind), scheint insbesondere im hier vorliegenden Fall des Fehlens eines Konnexes zu einem konkreten Amtsgeschäft und eines (aus ex-ante-Sicht) völlig ungewissen Erfolgs (wie des Erreichens bestimmter gesetzgeberischer Maßnahmen [12-Stunden-Tag, KÖSt-Senkung]) offen.

Aus nachstehenden Erwägungen können hier jedoch diese Fragestellungen auf sich beruhen: Grundsätzlich schließt die (mängelfreie) Einwilligung des Machtgebers Befugnisfehlgebrauch (also einen Verstoß gegen „internes Dürfen") des Machthabers aus. Ist der Machtgeber (wie hier) eine GmbH, kann das Einverständnis, um tatbestandsausschließend zu sein, von den Gesellschaftern (als Rechtsgutträgern) gegeben werden. Handelt es sich beim einzigen Gesellschafter um eine juristische Person, werden deren Gesellschafterrechte durch das nach außen vertretungsbefugte Organ wahrgenommen. Die Vermögensinteressen der wirtschaftlich Berechtigten hat (auch) der organschaftliche Vertreter der Alleingesellschafterin gegenüber den vertretungsbefugten Organen der Tochtergesellschaft wahrzunehmen (RIS-Justiz RS0132027).

Fallbezogen waren bis zum 14. Oktober 2017 die organschaftlichen Vertreter der spendenden Gesellschaften und die wirtschaftlich Berechtigten (Anteilseigner) ident. Ein Verstoß gegen „internes Dürfen" ist somit für diesen Zeitraum auszuschließen. Aber auch für den folgenden Zeitraum sind Änderungen des Innenverhältnisses allein aufgrund des Ausscheidens von DI I*** O*** aus der Geschäftsführung der hier in Rede stehenden Gesellschaften der „I*** Gruppe" nicht anzunehmen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass DI I*** O*** in die weiteren Parteispenden einwilligte.

Somit liegt mangels Befugnisfehlgebrauchs der Machthaber der hier in Rede stehenden Gesellschaften (auch) kein Anfangsverdacht nach §§ 12 dritter Fall, 153 Abs 1 und Abs 3 zweiter Fall StGB vor.

V. Zu § 165 StGB

Mangels Vortat ist die vom Anzeiger explizit erwähnte Geldwäscherei iSd § 165 StGB nicht einschlägig.


 


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