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Aktenzeichen:

StA Leoben (608), 6 St 60/18i

Veröffentlicht durch:

OStA Graz (636), 3 OStA 66/18b

Bekannt gemacht am:

09.09.2020


Entscheidungsdatum:

07.07.2020

Einstellungsgründe

§ 190 Z 1 StPO
§ 190 Z 2 StPO


Die Staatsanwaltschaft Leoben hat das Ermittlungsverfahren gegen L. F., M. B., P. M., G. S., B. N. und M. V. F. jeweils wegen des Verdachts der Verbrechen nach § 3g Verbotsgesetz und der Vergehen der Verhetzung nach § 283 Abs. 1 und 2 StGB gemäß § 190 Z 1 und Z 2 StPO, gegen M. O. wegen des Verdachts der Verbrechen nach § 3g Verbotsgesetz und der Vergehen der Verhetzung nach § 283 Abs. 1 und 2 StGB gemäß § 190 Z 2 StPO und gegen D. E. wegen des Verdachts des Verbrechens nach § 3g Verbotsgesetz gemäß § 190 Z 2 StPO eingestellt.


 

Einstellungsbegründung:

1. a) L***** F*****, M***** B*****, P***** M*****, G***** S*****, B***** N***** und M***** V***** F***** stehen jeweils im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG iVm § 1 Abs 1 Z 12 MedienG dadurch begangen zu haben, dass sie sich am 10.01.2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigten, indem sie ca. 150 Stück eines Flyers, auf welchem auf der Vorderseite eine Abbildung eines Ehepaars mit Kindern, gemalt vom nationalsozialistischen Maler Wolfgang WILLRICH, mit der Überschrift „Das ist Familie.“ und eine Abbildung zweier offensichtlich homosexueller Männer bei einer Parade, wobei einer dem anderen einen Kuss auf die Wange gibt, mit der Überschrift „Das sicher nicht!“ und auf welchem auf der Rückseite zu lesen ist „Ehe für alle? - Wir sagen NEIN! Ehe wem Ehe gebührt! Die Verbindung zwischen Mann und Frau ist die einzige, bei der die Möglichkeit besteht neues Leben zu schaffen. Die Ehe vor dem Staat und die damit einhergehenden Privilegien sollen Anreize schaffen jene Möglichkeit Wirklichkeit werden zu lassen und ein Gedeihen des eigenen Volkes zu fördern. Eine Verbindung, bei der es keine Möglichkeit auf neues Leben geben kann als Ehe zu bezeichnen ist ein perverser Etikettenschwindel!“, herstellten und in der Montanuniversität Leoben verteilten bzw. auflegten;

b) L***** F*****, M***** B*****, P***** M*****, G***** S*****, B***** N***** und M***** V***** F***** stehen darüber hinaus jeweils im Verdacht durch die zu Punkt 1. a) genannte Tat das Vergehen der Verhetzung nach § 283 Abs 1 Z 1 letzter Satz und Abs 2 StGB iVm § 1 Abs 1 Z 12 MedienG dadurch begangen zu haben, dass sie dadurch öffentlich in einem Druckwerk, wodurch die Handlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird, zu Hass gegen eine andere nach den vorhandenen Kriterien der sexuellen Ausrichtung definierten Gruppe von Personen, nämlich gegen Homosexuelle, aufstachelten.


 

2. B***** N***** steht darüber hinaus im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG iVm § 1 Abs 1 Z 12 MedienG dadurch begangen zu haben, dass er sich zumindest Anfang Februar 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er auf seinem öffentlich zugänglichen facebook-Profil Beiträge betreffend das Ritterkreuz und die Ritterkreuzträger der deutschen Wehrmacht und betreffend einzelne Soldaten (Panzerfahrer, Flieger) postete und unter der Rubrik „Musik“ die rechtsradikale Band „Heilige Jugend“ (abgekürzt: HJ) verlinkte.


 

3. B***** N***** steht darüber hinaus im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG dadurch begangen zu haben, dass er sich zu nicht näher bekannten Zeitpunkten im Zeitraum vor Februar 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er im Rahmen von Veranstaltungen der Burschenschaft „L*****“ die Lieder „Wenn die SS und die SA“, in welchem es um die Glorifizierung der NS-Organisationen SS und SA geht, und „Das Sturmband am Kinn“, in welchem (unter anderem) die Passage „Denn wir sind die braunen Soldaten, für Adolf Hitler ziehn wir ins Gefecht, Denn wir sind die braunen Soldaten, und wir kämpfen für Freiheit und Recht.“ vorkommt, abspielte bzw. die entsprechenden Liedertexte austeilte.


 

4. L***** F*****, M***** B*****, P***** M*****, G***** S*****, B***** N*****, M***** V***** F***** und M***** O***** stehen jeweils im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG dadurch begangen zu haben, dass sie sich zu nicht näher bekannten Zeiten in den Jahren 2016 bis Anfang 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigten, indem sie

a) im Rahmen von Veranstaltungen der Burschenschaft „L*****“ Lieder mit nationalsozialistischem Inhalt abspielten, sangen bzw. bei gemeinsamen Gesängen das Liederbuch „Schlachtruf“, in welchem (unter anderem) Abbildungen von NS-Funktionären und von ihnen geschaffene Liedertexte enthalten sind, verwendeten;

b) im Rahmen von Veranstaltungen der Burschenschaft „L*****“ Schriften mit nationalsozialistischem Bezug, nämlich ein Mitteilungsblatt, auf welchem ein Reichsadler mit Hakenkreuz und eine SS-Rune abgebildet sind, das Buch „Die Raben des Kyffhäuser“, geschrieben von Robert HOHLBAUM, einem Unterstützer der NS-Politik in Österreich, und die Bücher „Schlag nach!“ und „Auch du warst dabei“, geschrieben von Peter KLEIST, einem NSDAP und SS-Mitglied, vortrugen bzw. anderen zugänglich machten;

c) im Rahmen von Veranstaltungen der Burschenschaft „L*****“ mehrmals auf Adolf Hitler anstießen.


 

5. L***** F***** steht im Verdacht, die Verbrechen nach § 3g VerbotsG dadurch begangen zu haben, dass er sich zu nicht näher bekannten Zeitpunkten im Zeitraum vor September 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er 14 Bilder und 6 Videos mit nationalsozialistischem Bezug anderen Personen im Zuge von Chats weiterleitete.


 

Allenfalls könnten durch einen Teil der Darstellungen auch die Vergehen der Verhetzung nach § 283 Abs 1 Z 2 und Abs 2 StGB erfüllt sein.


 

6. M***** O***** steht im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG dadurch begangen zu haben, dass er sich zu nicht näher bekannten Zeitpunkten im Zeitraum vor September 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er ein Bild, auf dem Adolf HITLER und einige Kinder abgebildet sind und der Spruch „What‘s missing from A_schwitz? U“ zu lesen ist, sowie ein Video, auf welchem Menschen mit Migrationshintergrund bei der Arbeit zu sehen sind unter dem Titel „Kanacken Entertainment präsentiert Fachkräfte auf Arbeit“, an andere Personen weiterleitete.


 

Allenfalls könnten durch einen Teil der Darstellungen auch die Vergehen der Verhetzung nach § 283 Abs 1 Z 2 und Abs 2 StGB erfüllt sein.


 

7. D***** E***** steht im Verdacht, das Verbrechen nach § 3g VerbotsG dadurch begangen zu haben, dass er sich am 08.08.2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er ein Bild, auf dem Adolf HITLER und einige Kinder abgebildet sind und der Spruch „What‘s missing from A_schwitz? U“ zu lesen ist, an M***** O***** weiterleitete.


 

8. P***** M***** steht im Verdacht, dass er sich zu nicht näher bekannten Zeitpunkten vor September 2018 in Leoben auf eine andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinne betätigte, indem er die Lieder „Adolf Hitler unser Führer“ und „Waffen-SS – Sieg Heil Viktoria“ mit anderen Personen teilte bzw. ihnen vorspielte.


 

Vorhandene Beweise und Würdigung:

zu Faktum 1.:

Der Beschuldigte M***** B***** gibt an (AS 17 der ON 14), dass er den gegenständlichen Flyer auf seinem Privatcomputer designt und in der Folge drucken habe lassen, weil er ein Statement gegen die „Ehe für alle“ setzen habe wollen. Seiner Ansicht nach sei dies eine zulässige politische Meinung. Er habe für die Gestaltung des Flyers Bilder im Internet gesucht, wobei ihm bis zur medialen Berichterstattung nicht bewusst gewesen sei, dass das von ihm ausgewählte Bild von einem NS-Maler stammte. Er habe in weiterer Folge am 10.01.2018 die Mitbeschuldigten M*****, N***** und F***** gebeten, an der Verteilung der Flyer teilzunehmen. F***** und S***** seien bei der Verteilung nicht dabei gewesen.


 

Die restlichen zu Faktum 1. beschuldigten Personen bestätigen die Angaben des M***** B*****, wobei auch sie angeben, dass keiner von ihnen den Maler des verwendeten Bildes vor der medialen Berichterstattung gekannt habe. Auch seien sie alle der Meinung, dass man den politischen Standpunkt, dass der Begriff Ehe nur für die Verbindung zwischen Mann und Frau gelten solle, vertreten dürfe.


 

Zu Faktum 2.:

Auf den Ausdrucken vom facebook-Profil des B***** N***** (ON 4) sind tatsächlich (unter anderem) Postings über das Ritterkreuz und die Ritterkreuzträger der deutschen Wehrmacht, sowie über einzelne Soldaten und Offiziere der deutschen Wehrmacht vorhanden, wobei die betreffenden Personen auch abgebildet sind. Darüber hinaus scheint unter „Musik“ die Band „Heilige Jugend“ auf (AS 17 der ON 4), nicht jedoch einzelne (tatbildliche) Lieder (bei den Ausdrucken ON 9 handelt es sich um eine google-Suche und nicht um einen Auszug aus dem facebook-Profil des Beschuldigten). Bei einem Teil der geposteten Soldatenbilder geht es um die Anzahl der jeweils besiegten Gegner in militärischer Hinsicht (z.B. abgeschossene Panzer oder Flugzeuge), wobei nicht nur deutsche Soldaten, sondern auch britische Soldaten mit den Abschussquoten abgebildet sind (AS 15 der ON 4). Im Zuge der bei B***** N***** durchgeführten Hausdurchsuchung konnten keine Gegenstände mit Bezug zum Nationalsozialismus aufgefunden werden (AS 141ff der ON 14). Die Auswertung seiner Datenträger ergab keine Chats mit nationalsozialistischem Inhalt (es wurden lediglich zwei abgespeicherte Lieder mit nationalsozialistischem Bezug gefunden (AS 317 und 319 der ON 21, wobei diesbezüglich eine Weitergabe oder ein Abspielen vor anderen Personen nicht nachzuweisen ist; vgl. Faktum 3.).


 

B***** N***** gab im Rahmen seiner Beschuldigteneinvernahme an, die Beiträge auf seinem mittlerweile gelöschten facebook-Profil ohne besonderen Grund gepostet zu haben. Er distanziere sich auch von den Kriegsverbrechen der SS.


 

B***** N***** ist – wie alle der im gegenständlichen Fall beschuldigten Personen – noch nicht im Sinne des Verbotsgesetzes in Erscheinung getreten (AS 9ff der ON 7).


 

zu Faktum 3.:

Bei der Auswertung der Datenträger des B***** N***** wurden auf dessen Laptop zwei Liedertexte mit NS-Bezug gefunden (AS 277, 317 und 319 der ON 21), wobei diese im Ordner „Users\Beste\Desktop\Studium\Fuxmajor\Lieder“ abgespeichert waren. Beide Liedertexte weisen folgende Erzeugungs-, Änderungs- und Zugriffsdaten auf: Änderung: 27.06.2001 um 01:41:10 bzw. 04:01:52 Uhr, Zugriff und Erzeugung: 06.02.2018 um 21:59:10 Uhr (AS 277 der ON 21). Die Hausdurchsuchung bei B***** N***** fand am 13.03.2018 statt (AS 117 der ON 14).


 

B***** N***** gab im Rahmen einer Stellungnahme an, die Dateien (zusammen mit anderen Dateistrukturen und Ordnern) pauschal kopiert, danach aber nicht geöffnet oder verbreitet zu haben (ON 29). Diese Verantwortung ist mangels vorhandener widerstreitender Beweisergebnisse nicht zu widerlegen (und vor dem Hintergrund des Erstelldatums der Datei im Jahr 2001, also zu einem Zeitpunkt, als B***** N***** 6 Jahre alt war, schlüssig).


 

Zu Faktum 4.:

Im Zuge einer am 14.09.2018 durchgeführten Hausdurchsuchung wurden – neben zahlreichen Liederbüchern ohne nationalsozialistischen Bezug (ON 28) – zwei Liederbücher mit dem Titel „Schlachtruf“ im Verbindungshaus der Burschenschaft „L*****“ sichergestellt. Die beiden Bücher befanden sich – neben zahlreichen anderen Büchern – in einem Bücherregal im Kneipsaal der Burschenschaft. Darüber hinaus wurden vier sonstige Schriften mit nationalsozialistischem Bezug sichergestellt, nämlich ein „Mitteilungsblatt“, auf welchem ein Reichsadler mit Hakenkreuz und eine SS-Rune abgebildet sind, das Buch „Die Raben des Kyffhäuser“, geschrieben von Robert HOHLBAUM, einem Unterstützer der NS-Politik in Österreich, und die Bücher „Schlag nach!“ und „Auch du warst dabei“, geschrieben von Peter KLEIST, einem NSDAP- und SS-Mitglied. Sämtliche dieser Schriften befanden sich in einem Bücherregal bzw. einer Vitrine in einem „Stüberl“ der Burschenschaft neben zahlreichen anderen Büchern.


 

Darüber hinaus gab die Zeugin J***** L***** (AS 16f der ON 24) informativ befragt an, dass sie in den Jahren 2011 bis 2016 mehrmals bei der Burschenschaft „L*****“ zu Gast gewesen sei, wobei sich einige Mitglieder der Burschenschaft, die sie allerdings nicht namentlich nennen könne, wiederbetätigt hätten. Insbesondere hätten diese auf Adolf HITLER angestoßen, „extreme Aussagen“ getätigt und nationalsozialistische Lieder gehört (und wohl auch gesungen). Ihrer Meinung nach seien auf dem Laptop der Burschenschaft zahlreiche Lieder mit NS-Bezug gespeichert.


 

Die Beschuldigten L***** F*****, M***** B*****, P***** M*****, G***** S*****, B***** N*****, M***** V***** F***** und M***** O***** (allesamt Mitglieder der Burschenschaft „L*****“) bestreiten, dass im Rahmen von Veranstaltungen der Burschenschaft nationalsozialistische Lieder gespielt bzw. gesungen worden wären. Auch hätten die sichergestellten Bücher bzw. Schriften keine Verwendung gefunden.


 

Derartige Vorgänge können auch von keinem anderen der vernommenen bzw. befragten Zeugen bestätigt werden, insbesondere nicht in Bezug auf die namentlich bekannten Beschuldigten (AS 13ff der ON 24; AS 21ff der ON 31). Zusammenfassend geben die Zeugen an, dass es zwar teilweise zu politisch grenzwertigen Aussagen gekommen sei (etwa im Zuge einer Veranstaltung im Oktober 2016, anlässlich derer bei einer Powerpoint-Präsentation politische Gruppierungen wie die Grünen, die SPÖ und die ANTIFA quasi als „Feindbilder“ der Burschenschaft L***** dargestellt worden sein sollen), jedoch seien nach Ansicht der Zeugen keine strafrechtlich relevanten Aussagen getätigt worden.


 

Die Auswertung der sichergestellten Datenträger ergab, dass auf den der Burschenschaft selbst zuzuordnenden elektronischen Medien ebenfalls einschlägige Lieder („Es saßen die alten Germanen“, „Wenn die SS und die SA“, Wir sind das deutsche Afrikakorps, „Das Sturmband am Kinn“, „Die braune Kompanie“; AS 49 der ON 35) gefunden wurden. Ob bzw. von wem die Lieder tatsächlich abgespielt wurden, konnte nicht ermittelt werden.


 

Zu den Fakten 5. bis 8.:

Die diesbezügliche Verdachtslage ergab sich aufgrund der Auswertung der sichergestellten Datenträger bzw. Mobiltelefone der Beschuldigten F*****, M***** und O*****.

Dabei konnten bei L***** F***** auf seinem Mobiltelefon die auf den AS 5ff der ON 32 angeführten Bilder bzw. Videos gefunden werden, wobei die Auswertung keine Anhaltspunkte dafür ergab, dass F***** diese auch weitergeleitet hätte.


 

Auf dem Mobiltelefon des M***** O***** konnte das angeführte Bild und das angeführte Video (AS 47ff der ON 32) gefunden werden, wobei er das Bild von D***** E***** geschickt bekam. Das Video wurde von einem unbekannten Täter („R*****“) in eine WhatsApp-Gruppe gestellt. Hinweise für ein Weiterleiten durch M***** O***** sind nicht vorhanden.


 

Schließlich wurden auf den Datenträgern des P***** M***** die Lieder „Adolf Hitler unser Führer“ und „Waffen-SS – Sieg Heil Viktoria“ gefunden (AS73ff der ON 32).


 

L***** F***** und M***** O***** geben an, niemals derartige Bilder weitergeleitet zu haben. D***** E***** gab (formell als Zeuge, inhaltlich aber als Beschuldigter vernommen) an, dass er das Bild an O***** aus reiner „Blödelei“ und ohne jeglichen Hintergrund übermittelt habe (AS 43 der ON 35). Er sei auch nie bei der Burschenschaft „L*****“ gewesen.


 

P***** M***** gab an, dass er nicht wisse, warum die beiden Lieder auf seiner Festplatte gespeichert waren. Er selbst habe sie nicht darauf gespeichert, weil er derartige Lieder auch nicht höre. Da ihm nicht bekannt gewesen sei, dass die Lieder sich auf seiner Festplatte befunden hätten, habe er sie auch nicht weitergeleitet.


 

Gegenteilige Beweisergebnisse, die die Verantwortung der Beschuldigten widerlegen würden, sind nicht vorhanden.


 

Rechtliche Beurteilung:

Zu Faktum 1.:

Vor dem Hintergrund der nicht zu widerlegenden Verantwortung der Beschuldigten B*****, M*****, N***** und F*****, wonach sie bei der Verteilung der Flyer nicht gewusst hätten, dass das auf dem Flyer abgedruckte Bild von einem NS-Maler stammte, ist der iSd § 3g VerbotsG erforderliche Wiederbetätigungsvorsatz nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Sicherheit nachzuweisen.


 

Darüber hinaus ist die Verantwortung der Beschuldigten, wonach sie mit der Verteilung des Flyers nur eine zulässige politische Meinung vertreten – und damit nicht explizit zu Hass gegen Homosexuelle aufstacheln wollten – ebenfalls nicht zu widerlegen, sodass auch der erforderliche Tatvorsatz iSd § 283 StGB nicht nachzuweisen ist. Überhaupt ist durch die Formulierung auf dem gegenständlichen Flyer der Tatbestand des § 283 Abs 1 Z 1 letzter Satz StGB, wie auch des § 283 Abs 1 Z 2 StGB nicht erfüllt, weil darauf nur argumentiert wird, warum der Begriff Ehe nur für die Verbindung von Mann und Frau gelten solle. Demgegenüber werden aber keine herabsetzenden Beschimpfungen für Homosexuelle verwendet, zumal sich die Wendung „perverser Etikettenschwindel“ auf dem Flyer erkennbar nicht auf homosexuelle Menschen, sondern auf die (gleichstellende) Bezeichnung von homosexuellen und heterosexuellen Paaren bezieht.


 

Das Verfahren war daher insofern nach § 190 Z 1 und 2 StPO einzustellen.


 

Hinsichtlich L***** F***** und G***** S***** ist darüber hinaus bereits eine Beteiligung an der Verteilung selbst nicht nachzuweisen, weshalb das Verfahren gegen sie in diesem Punkt nach § 190 Z 2 StPO einzustellen war.


 

Zu Faktum 2.:

Vor dem Hintergrund der referierten Beweislage ist der erforderliche Wiederbetätigungsvorsatz dem B***** N***** im Bezug auf seine facebook-Postings nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Sicherheit nachzuweisen, wobei insbesondere darauf hinzuweisen ist, dass auf den Ausdrucken ON 4 großteils auf Soldaten und deren militärische Leistungen Bezug genommen wird und dabei auch etwa britische Soldaten erwähnt werden, sodass daraus nicht auf eine Verherrlichung der NS-Ideologie geschlossen werden kann. Gegen den Wiederbetätigungsvorsatz spricht auch der Umstand, dass bei B***** N***** keinerlei Gegenstände mit NS-Bezug aufgefunden wurden.


 


 

Hinsichtlich der Band „Heilige Jugend“ ist darüber hinaus anzuführen, dass lediglich die Band als solche gepostet bzw. „gelikt“ wurde, nicht jedoch einzelne Lieder mit nationalsozialistischem Inhalt, sodass es insofern mangels konkreter Liedertexte auch an der Tatbildlichkeit mangelt.


 

Das Verfahren gegen B***** N***** war daher insofern nach § 190 Z 2 StPO einzustellen.


 

Zu Faktum 3.:

Vor dem Hintergrund der referierten Beweislage ist eine Weitergabe der Liedertexte an andere Personen nicht nachzuweisen, weshalb das Verfahren insofern nach § 190 Z 2 StPO einzustellen war.


 

Zu Faktum 4.:

Da keinem der namentlich bekannten Beschuldigten nachzuweisen ist, die zu Faktum 4. aufgezählten Handlungen gesetzt zu haben, war insofern mit Verfahrenseinstellung nach § 190 Z 2 StPO vorzugehen.


 

Zu den Fakten 5. bis 8.:

Da die Verantwortung der Beschuldigten mangels gegenteiliger Beweisergebnisse nicht mit der im Strafrecht erforderlichen Sicherheit zu widerlegen ist, war auch betreffend dieser Fakten mit Verfahrenseinstellung nach § 190 Z 2 StPO vorzugehen.