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Aktenzeichen:

Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 4 St 11/21v

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 11 OStA 82/21k

Bekannt gemacht am:

05.05.2022


Entscheidungsdatum:

15.04.2022

Einstellungsgrund

§ 190 Z 2 StPO


 

Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption hat mit Verfügung vom 15. April 2022 das Ermittlungsverfahren gegen Mag. H*** E*** und Mag. H*** P*** D*** wegen § 310 StGB und § 47 der Verfahrensordnung für Untersuchungsausschüsse des *** Landtages gemäß § 190 Z 2 StPO eingestellt.


Maßgeblicher Sachverhalt und Rechtliche Würdigung:


Zu den geprüften Verdachtslagen:

A./

Aufgrund der Einlassungen der Zeugen Mag. (FH) H*** H***, Mag. M*** S***, Mag. E*** M*** S*** und des LH Mag. H*** P*** D*** (ursprünglich als Zeuge vernommen, Anm) bestand der Verdacht, dass Mag. H*** E*** als Vorstand der F*** (F***) mit Sitz in 1090 W***, O***-W***-P***, als Beamter entgegen der von ihm als Vorstand der F*** zu wahrenden Amtsverschwiegenheit ein ihm ausschließlich kraft seines Amtes zugänglich gewordenes Geheimnis offenbart oder verwertet haben soll, dessen Offenbarung oder Verwertung geeignet war, öffentliche und (vor allem) berechtigte private Interessen, nämlich die finanziellen Interessen der Konkursgläubiger der C*** M*** im B*** AG (kurz: C***) zu verletzen, indem er am 14. Juli 2020 in W*** gegen 18:30 Uhr den Landeshauptmann des ***, Mag. H*** P*** D***, telefonisch davon in Kenntnis gesetzt habe, dass die C*** massiv von Malversationen betroffen sei, alle Einlagen einem Ausfall unterliegen würden, ein Regierungskommissär für das Finanzinstitut bestellt sei und seitens der F*** eine Pressemitteilung sowie die Schließung des Bankinstituts erfolgen würden.

B./

Weiters bestand der Verdacht, dass Mag. H*** E*** am 17. Dezember 2020 in E*** vor dem Untersuchungsausschuss des *** Landtages betreffend die C*** M*** B*** AG und die P*** K*** A*** S*** (in der Folge: C***-Untersuchungsausschuss) als Auskunftspersonen bei seiner Befragung zur Sache dadurch falsch ausgesagt habe, dass er jeweils wahrheitswidrig angegeben hätte,

  • der Landeshauptmann des *** (Mag. D***) habe sich am 14. Juli 2020 um etwa 18:30 Uhr bei ihm gemeldet, er habe diesem eine Information über die bevorstehende Schließung der C*** gegeben,

  • der Landeshauptmann habe ihn angerufen, wobei Mag. E*** überdies ausdrücklich betont haben soll, dass nicht er den Landeshauptmann, sondern dieser ihn um 18:28 Uhr angerufen habe,

  • der Landeshauptmann sei direkt in der Leitung gewesen und er sei nicht verbunden worden, und

  • er könne ausschließen, Mag. M*** E*** S*** in einem Telefonat (um 14:00 Uhr) die Information gegeben zu haben, dass es „gröbere Malversationen mit einer Finanzinstitution mit ***-Konnex gebe".

Somit habe Mag. E*** zu Pkt. A./ das Vergehen der Verletzung des Amtsgeheimnisses nach § 310 Abs 1 StGB und zu Pkt. B./ das Vergehen nach § 47 der Verfahrensordnung für Untersuchungsausschüsse des *** Landtages begangen.


C./

Gegen Landeshauptmann Mag. H*** P*** D*** bestand der Verdacht, dass er am 17. Dezember 2020 in E*** vor dem C***-Untersuchungsausschuss als Auskunftspersonen bei seiner Befragung zur Sache dadurch falsch ausgesagt haben soll, dass er wahrheitswidrig angegeben habe, er sei am 14. Juli 2020 um 18:29 Uhr vom F*** Mag. E*** angerufen worden.


LH Mag. H*** P*** D*** habe somit zu Pkt. C./ das Vergehen nach § 47 der Verfahrensordnung für Untersuchungsausschüsse des *** Landtages begangen.


Mag. (FH) H*** H*** wurde am 23.12.2020 als Zeuge vernommen und gab an, dass er am 14.7.2020 in den Abendstunden (nach 20:00 Uhr) die Überweisung eines Betrages von EUR 1.399.959,84 vom Konto bei der C*** auf ein bestehendes Konto der R*** bei der H*** an seine Sekretärin M*** M*** in Auftrag gegeben habe. Dies habe er deshalb gemacht, weil er kurz zuvor von der Leiterin der Finanzabteilung des Amtes der *** Landesregierung, Mag. M*** S***, welche gleichzeitig auch im Aufsichtsrat der R*** tätig ist, angerufen und gefragt worden sei, ob die R*** bei der C*** Konten unterhalte und in welcher Einlagenhöhe. Bereits am Nachmittag des 14.7.2020 habe er zweimal durch Zufall Gespräche in M*** mitgehört, wonach es Gerüchte über Probleme des S*** und rund um M*** P*** geben könnte. Daher habe er sich als ordentlicher Kaufmann verpflichtet gefühlt, vorhandene Einlagen bei der C*** auf eine andere Bank zu transferieren, um Schaden für die R*** abzuwenden. Er sei von niemandem beauftragt worden, die versuchte Überweisung vorzunehmen und habe auch mit niemandem sonst darüber gesprochen.

Aufgrund der Aussagen des Mag. (FH) H*** H*** wurde die Finanzreferentin Mag. M*** S*** zum Sachverhalt vernommen. Sie bestätigte. Mag. (FH) H*** H*** am 14.7.2020, gegen 20:00 Uhr, angerufen und gefragt zu haben, ob die R*** Konten bei der C*** unterhalte und wie hoch diese dotiert seien. Sie sei am gleichen Tag, gegen 17:30 Uhr, von Mag. M*** E*** S*** (Rufname M***), die Gruppenleiterin der Gruppe 2 beim Amt der *** Landesregierung sei, in welche die Abteilung 1 (Personal) und Abteilung 3 (Finanzen) eingegliedert seien, angerufen worden, welche ihr mitgeteilt hätte, dass es bei dem Finanzinstitut C*** Malversationen geben würde, und ob das Land oder die Beteiligungsunternehmen des Landes *** Konten bei der C*** hatten. Nachdem sie die Gerüchte rund um die finanzielle Schieflage der C*** auch noch vom Büro des Landeshauptmanns gehört habe, habe sie bei Mag. (FH) H*** H*** die möglichen Ausfälle, für die eine Haftung des Landes heranstehen könnte, abgefragt. Sie habe aber keinen Auftrag erteilt, Gelder von Konten bei der C*** auf eine andere Bank zu transferieren.

Die Aussagen der Mag. M*** S*** bedingten die Vernehmung der Gruppenleiterin Mag. M*** E*** S*** als Zeugin. Diese gab an, am 14.7.2020, um 14:00 Uhr, erstmals von Mag. H*** E*** angerufen worden zu sein, weil dieser eine Mobiltelefonnummer des Landeshauptmanns Mag. H*** P*** D*** von ihr bekommen wollte. Mag. S*** war früher in verschiedenen Führungspositionen bei der Ö*** N*** (O***) tätig gewesen, von wo ihr Mag. E*** persönlich bekannt war. Mag. E*** habe ihr bei dem Telefonat mitgeteilt, dass es Malversationen größeren Ausmaßes in einem B*** Finanzinstitut gäbe und diese österreichweit in den Medien aufschlagen würden. Sie habe Mag. E*** gesagt, dass eine Weitergabe der Telefonnummer des Landeshauptmanns nicht möglich sei, sie sich aber um einen Kontakt kümmern werde. Daraufhin habe sie an den Landeshauptmann eine SMS geschrieben, woraufhin dieser sofort zurückgerufen und gefragt habe, was los sei. Sie teilte ihm die telefonische Nachricht von Mag. E*** mit. Danach habe sie auch noch im Büro des Landeshauptmanns angerufen und der dort tätigen Sekretärin mitgeteilt, dass es am Abend ein Gespräch zwischen Mag. E*** und LH Mag. D*** geben solle. Um 17:15 Uhr erhielt sie außerdem einen Anruf vom Landesamtsdirektor des Amtes der *** Landesregierung, Mag. R*** R***, der ihr mitteilte, dass es sich bei dem B*** Finanzinstitut um die C*** handeln würde. Dies habe er von der Bezirkshauptfrau der BH E***-U***, Mag. Dr. F*** A***, erfahren. Um 17.23 Uhr habe sie per SMS Mag. E*** kontaktiert und eine Kontaktaufnahme mit Mag. D*** in Aussicht gestellt. Dieser habe sie daraufhin um 18:25 Uhr nochmals angerufen und ersucht, dass sie das Büro des Landeshauptmanns informieren solle, damit der Landeshauptmann mit ihm verbunden wird. Die genauen Zeiten konnte Mag. S*** deshalb anführen, weil sie bereits vor der Aussage beim U-Ausschuss in der Causa C*** einen Einzelverbindungsnachweis ihrer Mobiltelefondaten abverlangt hat.

Von der Soko Commerz wurden Internet-Ermittlungen (OSINT-Erhebungen) durchgeführt. Diesbezüglich wurde ein KURIER-Artikel vom 17.12.2020 über die Aussage des Landeshauptmanns Mag. H*** P*** D*** ausgedruckt, wonach dieser vor dem U-Ausschuss ausgesagt hat, dass er am 14.7.2020, um 14:17 Uhr, von Mag. M*** S*** (M*** E*** S***) erstmals in diesem Zusammenhang kontaktiert worden sei. Um 18:29 Uhr des gleichen Tages sei er von F*** Vorstand H*** E*** telefonisch informiert worden, dass es einen Regierungskommissär geben werde und mit einem Fortbestand der Bank nicht zu rechnen sei.

Am 24.2.2021 wurde der Landeshauptmann des ***, Mag. H*** P*** D*** als Zeuge vernommen. Er schilderte eine chronologische Abfolge rund um die Schließung der C*** aus seiner Sicht und bestätigte damit die Zeugenaussagen über die oben beschriebenen Abläufe. Der Kontakt mit Mag. E*** sei über Mag. S*** durch Mag. E*** hergestellt worden. Es habe mit niemandem sonst Gespräche über die Schließung der C*** wegen der finanziellen Probleme gegeben.

Dem polizeilichen Zwischenbericht vom 26.2.2021 ist folgender chronologischer Ablauf der gegenseitigen Informationen – basierend auf den, bis dahin vorliegenden Zeugenaussagen – zu entnehmen:

> 14:00 Uhr: Anruf Mag. H*** E*** bei Mag. M*** S*** und Mitteilung, dass es Malversationen bei einem b*** Finanzinstitut gäbe.

> 14:17 Uhr: SMS von Mag. S*** an Mag. D*** mit dem Wortlaut: „Lieber H*** P***, heute Abend wird gröberes Problem mit einer Finanzinstitution bekannt mit B*** Kontext. Man möchte dich vorab informieren, M***.“

> unmittelbar danach: Anruf von Mag. D*** bei Mag. S*** und gleiche Mitteilung telefonisch.

> 17:15 Uhr: Anruf von Landesamtsdirektor Mag. R*** bei Mag. S*** - Mitteilung, dass M*** P*** Selbstanzeige erstattet habe.

> 17:23 Uhr: SMS von Mag. S*** an Mag. E*** mit dem Wortlaut: „Lieber H***, LH wurde über heutige Selbstanzeige von Direktor P***, C*** M***, bereits informiert. LG, M***.“

> und gleich darauf eine weitere SMS: „M*** meldet sich gleich bei dir und verbindet dich mit LH.“

> unmittelbar danach: Anruf von Mag. E*** bei Mag. S***, dass die Erhebungen und Untersuchungen weiterhin in der F*** laufen würden und er den LH erst etwa gegen 20:00 Uhr informieren könne.

> 17:30 Uhr: Anruf von Mag. S*** bei Mag. S*** mit der Mitteilung, dass es Malversationen bei einem b*** Finanzinstitut gäbe.

> 18:25 Uhr: Anruf von Mag. E*** bei Mag. S***, dass nunmehr ein Telefonat mit dem LH möglich wäre und Ersuchen, dass das LH-Büro informiert werde, dass der LH mit ihm verbunden werde.

> 18:28 Uhr: Anruf von Mag. S*** im LH-Büro, M*** T***, mit dem Ersuchen die Verbindung zwischen Mag. D*** und Mag. E*** herzustellen.

> 18:29 Uhr: Telefonat zwischen Mag. E*** und Mag. D***, bei welchem dem Landeshauptmann mitgeteilt wurde, dass die C*** massiv von Malversationen betroffen sei und alle Einlagen weg sein sollen. Es werde ein Regierungskommissär eingesetzt und am gleichen Abend eine Pressemitteilung veranlasst.

> 18:30 Uhr: nochmaliger Anruf von Mag. S*** bei Mag. S***, mit der Nachfrage, ob das Land B*** oder ein Beteiligungsunternehmen Konten bei der C*** habe.

> gegen 20:00 Uhr: Anruf Mag. S*** bei Mag. (FH) H*** - Nachfrage ob die R*** GmbH Konten bei der C*** habe.

> 21:42 Uhr: Überweisungsversuch mit electronic banking vom Konto der R*** bei der C*** an die H*** B*** AG

> Ca. 23:00 Uhr: SMS von Mag. E*** an Mag. S*** mit der Pressemitteilung der F***

> Ca. zwischen 23:00 und 24:00 Uhr: Anruf von Mag. E*** bei Mag. D***, dass die Pressemitteilung nunmehr ausgesendet werde.

> 15.07.2020: offizielle Schließung der C*** - Überweisung von Mag. (FH) H*** würde vom System nicht mehr durchgeführt.


Mag. H*** E*** wurde am 31. Mai 2021 als Beschuldigter vernommen. Am 28. Mai 2021, hatte der Beschuldigte bereits im Wege seines Verteidigers Univ. Prof. DDr. P*** L*** eine schriftliche Stellungnahme zum Tatverdacht eingebracht.

Der Beschuldigte Mag. H*** E*** gab zu den geschilderten Verdachtslagen auszugsweise Folgendes an:

... Ich kann dazu angeben, dass ich Fr S*** angerufen habe, ungefähr zu diesem Zeitpunkt Ich habe von ihr die Telefonnummer vom Landeshauptmann Mag D*** verlangt und sie glaube ich auch bekommen. Wenn mir gesagt wird, dass S*** angegeben hat, dass sie mir die Telefonnummer nicht gegeben hat und sich um einen Kontakt bemühen werde, gebe ich an, dass ich das anders in Erinnerung habe .…“ Wenn mir vorgehalten wird, dass ich in diesem Telefongespräch auf Fragen der Fr S*** gesagt habe, dass es Malversationen in einem b*** Finanzinstitut geben würde, welche größeren Ausmaßes seien, gebe ich an, dass dies nicht stimmt.…" „... Dazu gebe ich an, dass ich ein SMS von Fr Mag S*** erhalten habe, dass der LH Mag. D*** bereits informiert sei und ich von einer M*** angerufen werde .…" „...In der Folge sind wir zum Schluss gekommen, dass zwar die Information sich im B*** bereits verbreitet hat, allerdings aufgrund dessen, dass zu diesem Zeitpunkt die Bank aufgrund der Öffnungszeiten bereits geschlossen wurde, keine Auswirkungen auf unsere weitere Vorgangsweise gegeben ist, da dadurch kein Schaden mehr eintreten konnte.…“

Es ist richtig, dass ich um 18:22 Uhr Fr Mag S*** angerufen habe. Vorher habe ich sie nicht telefonisch kontaktiert. Bei diesem Gespräch sagte ich zu ihr, dass es noch zu früh ist, mit Mag D*** zu reden und ich ein Gespräch um 20:00 Uhr vorschlagen würde.…“ Unmittelbar darauf klingelte mein Mobiltelefon und der Landeshauptmann Mag D*** war am Apparat. Bei diesem Gespräch mit Mag D*** fragte er mich was in der C*** los sei. Er habe gehört, dass M*** P*** eine Selbstanzeige gemacht hätte und sich die Bank in einer gehörigen Schieflage befinden würde. Ich teilte ihm mit, ja es gibt diese schwere Schieflage und wir sind im Bereich der Wahrscheinlichkeit, dass die Bank am nächsten Tag nicht mehr geöffnet wird und dadurch sehr viele Sparer um ihr Geld kommen würden. Die Sparer werden vom überwiegenden Teil von der Einlagensicherung entschädigt werden. Aber die Voraussetzung für ein friktionsfreies und effizientes Ablaufen der Schließung der Bank ist eine sehr zeitnahe Information der Sparer und die Schaffung der nötigen Infrastruktur vor Ort.... “

Im Übrigen hat er mich angerufen, so wie ich es zuvor bereits geschildert habe…“

.... Nach der bereits erwähnten Information dass der LH Mag D*** bereits über die Information über die Schieflage der Bank verfügt, haben wir in der F*** und der O*** ...., identifiziert, dass 12.000 Sparer bei einer Einwohnerschaft von etwa 40.000 Personen im Bezirk betroffen sein werden und es daher notwendig ist,

1. für einen geordneten Ablauf möglicherweise auch unter Einbeziehung von Sicherheitskräften zu sorgen,

2. für eine rasche Information an alle Betroffen und regional Verantwortlichen zu sorgen und

3. zu organisieren, dass sehr rasch andere Banken für die Betroffenen neue Bankverbindungen zur Verfügung stellen.

Außerdem wurde in dieser Besprechung auch klar, dass das Land B*** der gesetzliche Revisor über diese gesamte konsolidierte Gruppe ist. Damit war für mich auch klar, dass ich mit dem Landeshauptmann, wie normalerweise mit anderen Wirtschaftsprüfern in solchen Situationen auch, kommunizieren kann. Meine Hauptmotivation war aber die Abwendung eines Schadens für die Öffentlichkeit.... “

Wie gesagt, die Informationsweitergabe an den LH ist erfolgte aufgrund seiner Funktion und aufgrund seiner Eingriffsmöglichkeiten in der Region, um einen friktionsfreien Ablauf zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund der bereits erfolgten Schließung der Bank war keine Verletzung von privaten Interessen zu befürchten, da zu diesem Zeitpunkt keine Überweisungen mehr möglich waren. Wir haben den LH in seiner Zuständigkeit für die Region auch im Sinne eines Krisenmanagements und als Amtsträger als Landeshauptmann informiert.…“

Dazu gebe ich an, dass ich aus meiner Sicht keinerlei Verschwiegenheitsverpflichtungen verletzt habe…“

.... Ich habe Fr Mag. S*** angerufen und sie um die Telefonnummer des Landeshauptmannes gebeten. Ich habe ihr nichts Näheres gesagt.…“

Auf den Vorhalt, dass Fr S*** gesagt hat, dass sie ihr gesagt hätten, dass es ein Problem mit einem b*** Finanzinstitut geben würde, gebe ich an, dass dies nicht stimmt.…“

.... Ich habe Fr S*** um 18:22 Uhr zurückgerufen und ihr mitgeteilt, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht ist zu telefonieren, sondern erst um 20:00 Uhr.…“

Die Initiative für dieses Telefonat ging zu diesem Zeitpunkt von Mag D*** aus. Auf den Vorhalt, dass die Initiative für das Telefonat um 14:00 Uhr von mir ausgegangen sei, gebe ich an, dass wir um 14:00 Uhr vor einer Situation gestanden sind, wo wir nicht ausschließen konnten, dass es am Abend zu einer Zuspitzung der Situation bei der C*** kommt. Zum Zeitpunkt zu Mittag hatten wir noch keine belastbaren Informationen. Allerdings wurden alle Vorbereitungen getroffen um auch für ein Worst Case Szenario vorbereitet zu sein. Daher war die Einholung der Telefonnummer des LH einfach eine vorbereitende Handlung ohne dass die Nutzung dieser Telefonnummer zu diesem Zeitpunkt bereits geplant war .…“ dass mit dem abgesendeten SMS der Fr S***, dass der LH bereits informiert sei, die Initiative zu einem Telefongespräch um 17:30 Uhr von LH Mag D*** ausgegangen ist, mit mir über die C*** zu sprechen.…“

Zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit der Fr S*** gegen 13:46 Uhr ging es noch nicht um ein tatsächliches Gespräch, sondern um die Möglichkeit mit der LH am Abend in Verbindung zu treten…"


Des Weiteren wurde die Chefsekretärin des Landeshauptmanns, Frau M*** T***, als Zeugin vernommen. Hinsichtlich des in Rede stehenden Telefonats zwischen Mag. E*** und Mag. D*** gab Fr. T*** auszugsweise an:

.... Das Gespräch ist mir In Erinnerung. Mag. S*** hat mir gesagt, dass Mag. E*** von der F*** den Herrn Landeshauptmann suchen würde und gerne ein Telefonat mit ihm hätte.... “

.... Mag. S*** hat mich um diese Zeit angerufen und mitgeteilt, dass das angekündigte Gespräch mit Mag. E*** ab 18:30 Uhr möglich sei. Sie hat mir daraufhin die Handynummer von Mag. E*** gegeben. Ich habe die Handynummer des Mag. E*** aufgeschrieben und diese in den Mailkontakten vom Herrn Landeshauptmann notiert, damit sie gespeichert und jederzeit abrufbar ist. Dann bin ich mit dem Zettel mit der Telefonnummer des Mag. E*** zum Landeshauptmann gegangen und habe ihm diesen gegeben, mit dem sinngemäßen Wortlaut: „Das ist die Handynummer von Mag. E*** von der F***. Schau ob er dich vielleicht schon angerufen hat. Ich habe die Nummer auch in den Mailkontakten eingespeichert.... “

.... Ich habe die Verbindung zwischen dem Landeshauptmann und Mag. E*** jedenfalls nicht hergestellt. Ich kann auch nicht angeben, wer im Endeffekt wen angerufen hat. Ich weiß nur, dass Mag. E*** über Mag. S*** den Landeshauptmann gesucht hat.…“


Die Auswertung der sichergestellten Mobiltelefone ergab keine weiterführenden Erkenntnisse.


Am 14. Dezember 2021 wurde LH Mag. H*** P*** D*** als Beschuldigter und Dipl.-Kfm. E*** M*** sowie Univ.-Prof. MMag. Dr. G*** H*** als Zeugen vernommen.

LH Mag. H*** P*** D*** verwies auf seine als Zeuge am 24. Februar 2021 gemachten Angaben. Ergänzend dazu befragt, wer wen am 14. Juli 2021 angerufen habe, gab er an, dass ihm am frühen Nachmittag bekannt geworden sei, dass Mag. E*** nach seiner Telefonnummer gefragt habe. Er sei zu diesem Zeitpunkt in einer Besprechung gewesen und nehme an, dass auch Mag. E*** an diesem Tag in Besprechungen gewesen sei. Er habe keine Telefonnummer von Mag. E*** gehabt; dieser sei ihm auch nicht persönlich bekannt gewesen. Über Vorhalt seiner Aussage im Untersuchungsausschuss des *** Landtags (ON 32 S 8), wonach er um 18.29 Uhr vom F*** E*** angerufen worden sei, gab der Beschuldigte an, dass er dies so verstanden habe, dass Mag. E*** ihn habe erreichen wollen. Ob Mag. E*** ihn dann erreicht und er zurück gerufen habe, könne er heute nicht mehr sagen. Jedenfalls habe der Kontakt über das Büro stattgefunden. Mag. E*** habe ihn nicht expressis verbis um Amtshilfe ersucht, sondern ihn im Rahmen dieses Telefonats von der „Schieflage“ der C*** informiert und ihm mitgeteilt, dass diese in den Abendstunden geschlossen werde.


Dipl.-Kfm. E*** M*** gab als Zeuge vernommen an, dass ihm und seinen Vorstandskollegen Mag. E*** am 14. Juli 2020 „um 13 Uhr herum“ die Nachricht bekannt geworden sei, dass M*** P*** eine Art Geständnis abgelegt habe. Unmittelbar danach habe es eine erste Besprechung - überwiegend virtuell - gegeben. Beide seien zu diesem Zeitpunkt bei einem Termin bei Mag. L*** gewesen. Um 16:30 Uhr habe es dann eine größere Besprechung gegeben. Diese sei ebenfalls größtenteils virtuell abgelaufen. Teilnehmer dieser großen Runde seien er und Mag. E***, Kollegen aus dem Bereich Bankenaufsicht, Kollegen aus dem Bereich Bankenabwicklung und Vertreter der O*** gewesen. Jedenfalls seien die Vor-Ort-Prüfer und Vizegouverneur H*** dabei gewesen. Nach Einschätzung des Zeugen hätten insgesamt rund 20 Personen an diesem Termin teilgenommen. Bei dieser Besprechung sei man auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht worden und habe auch den Inhalt der Aussagen von M*** P*** erfahren. Weiters sei darüber beraten worden, wie weiter vorgegangen werden sollte. Es sei jedenfalls beschlossen worden, dass zumindest Vorbereitungshandlungen für eine Bankschließung in die Wege geleitet werden sollen, um einen Zahlungsstopp verhängen zu können, und die Untersagung des weiteren Geschäftsbetriebes per Mandatsbescheid auszusprechen sei. Weiters sei die Einsetzung eines Regierungskommissärs und die Prüfung einer Insolvenz/Abwicklung besprochen worden. Zusätzlich sei noch darüber beraten worden, welche Behörden bzw Institutionen zu informieren seien. Nach der Erinnerung des Zeugen sei die Einlagensicherung bereits vorab informiert worden. Zusätzlich sollten noch die Europäische Zentralbank, das BMF, die WKStA (zumindest in Form eines Voravisos) informiert werden. Mag. E*** habe in weiterer Folge „so gegen 17:30 Uhr“ zur Sprache gebracht, dass die Vorkommnisse im B*** schon bekannt seien. Auf entsprechende Befragung gab der Zeuge Dipl.-Kfm. E*** M*** an, dass auch die Information an die *** Landesregierung bzw den Landeshauptmann diskutiert worden sei. Ob es dabei darum ging, dass man die Verständigung veranlassen soll oder, ob diese bereits durchgeführt worden sei, konnte der Zeuge nicht mehr angeben. Es sei auch darüber diskutiert worden, dass es möglicherweise einen Aufruhr geben könnte, wenn die Kunden der Bank merken, dass die Bank geschlossen sei. Es sei auch die Rolle des Regierungskommissärs angesprochen worden. Weiters habe man auch die Rolle des Landes B*** erörtert, wobei der Zeuge nicht mehr genau angeben konnte, ob das bei dieser Besprechung oder (auch) bei einer der folgenden Besprechungen gewesen sei. Thema sei die Rolle des Landes B*** in Zusammenhang mit der Rolle als Revisionsverband der Genossenschaft gewesen. Mag. E*** habe ebenfalls in diesem Zusammenhang von einem bestehenden oder einem geplanten Kontakt zum Landeshauptmann im *** gesprochen. Auf entsprechende Befragung gab der Zeuge an, dass auch über Informationspflichten gesprochen worden sei. Es habe eine Aufgabenteilung gegeben, wer wen informieren solle. Für den Zeugen sei klar gewesen, dass Mag. E*** sich um die Information der *** Landesregierung bzw des Landeshauptmanns kümmern werde. Jedenfalls habe Mag. E*** ihm in einem Gespräch - vor 20:00 Uhr im Zuge einer Telefonkonferenz mit Vizegouverneur H*** - mitgeteilt, dass er mit dem Landeshauptmann bereits in Kontakt gewesen sei. Im Laufe des Tages sei auch darüber gesprochen worden, wer Prüfer der Bank bzw Prüfer des Eigentümers gewesen sei. Die Information des *** Landeshauptmanns sei von Mag. E*** mit der Rolle des Landes als Revisionsverband der Eigentümergenossenschaft begründet worden. Aus Sicht des Zeugen sei diese Begründung nachvollziehbar gewesen und er habe auf die langjährige Erfahrung von Mag. E*** vertraut. Dem Zeugen sei klar gewesen, dass jede Amtshilfe auch in einem Spannungsfeld zur Amtsverschwiegenheit zu sehen sei. Da für den Zeugen die Weitergabe von Mindestinformationen - egal ob an das Land B*** oder einen potentiellen Regierungskommissär - eine Voraussetzung für anfällige behördliche Maßnahmen dargestellt habe, habe er dagegen keinen Einwand erhoben. Auf Nachfrage gab der Zeuge an, dass er mit dem damaligen Wissensstand keine Hinweise auf eine Rechtswidrigkeit gesehen habe; dies auch deshalb, weil das Thema von Mag. E*** auch in der Runde mit den F***-Experten offen kommuniziert worden sei und auch von deren Seite keine Einwände gekommen seien. Da im Laufe des frühen Abends die Entscheidung zur Schließung der C*** faktisch gefallen sei, seien alle Beteiligten – so auch der Zeuge - davon ausgegangen, dass keinerlei Dritte schädigenden Maßnahmen getroffen werden können. Auf Nachfrage, ob die Verständigung des Landeshauptmanns seitens der F*** als Amtshilfe gesehen und als solche deklariert worden sei, gab der Zeuge an, dass es keine anderslautenden Wortmeldungen gegeben habe und somit offenbar von allen teilnehmenden Personen als solche beurteilt worden sei.


Univ.-Prof. MMag. Dr. G*** H*** gab als Zeuge vernommen unter anderem an, dass er die Kommunikation zwischen Landeshauptmann Mag. D*** und Mag. E*** persönlich nicht wahrnehmen konnte. Es habe am Nachmittag des 14. Juli 2020 eine große Besprechung gegeben, an der Mag. E*** und Mag. M*** als Vorstände der F*** teilgenommen haben und er seitens der O*** per Skype zugeschaltet gewesen wäre. Zusätzlich habe eine Vielzahl von Mitarbeitern von den jeweiligen Fachabteilungen der F*** und der O*** an dieser Besprechung teilgenommen. Dabei seien in erster Linie die Konsequenzen der Malversationen besprochen worden bzw darum, wie damit umgegangen werden soll. Es sei darüber diskutiert worden, ob die Bank zu schließen sei oder nicht. Das Ergebnis sei gewesen, dass ein Zahlungsstopp zu verhängen, ein Staatskommissär einzusetzen sei und dass die Staatsanwaltschaft in Kenntnis zu setzen wäre. Ein weiteres Thema bei dieser Besprechung sei gewesen, inwieweit das Land B*** als Revisionsverband für die Genossenschaft zuständig war. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass das Land B*** der Revisionsverband ist. Der Zeuge erinnerte sich, dass Mag. E*** auch den Kontakt zum Land B*** herstellen habe wollen; einerseits deshalb, da das Land B*** wie bereits erwähnt als Revisionsverband zuständig gewesen sei und andererseits auch aus sicherheitspolizeilichen Gründen. Der Zeuge vermeinte auch, sich erinnern zu können, dass Mag. E*** explizit gesagt habe, dass er gegebenenfalls den Landeshauptmann verständigen werde. In welcher Besprechung diese Äußerung getätigt wurde, konnte der Zeuge nicht mehr angeben, jedenfalls sei dies zu einem Zeitpunkt gewesen, bevor der Kontakt mit dem Landeshauptmann stattgefunden habe. Der Zeuge konnte sich auch erinnern, dass ihm Mag. E*** am Abend des 14. Juli 2020 berichtet habe, dass er bereits telefonisch mit dem Landeshauptmann in Kontakt gewesen sei. Nach Einschätzung des Zeugen sei der Revisionsverband - in diesem Fall - das Land B*** zu verständigen. Die Ereignisse rund um die C*** hätten sogar zur Folge gehabt, dass das Krisenhandbuch der F*** aktualisiert worden sei. Es sei auf jeden Fall klargestellt worden, dass Revisionsverbände in so einem Fall zu verständigen sind. Ob bzw in welcher Form das bereits vorher im Krisenhandbuch gestanden ist, konnte der Zeuge nicht mehr angeben. Auf entsprechende Befragung gab der Zeuge an, dass es aus Sicht der Teilnehmer der Besprechung auch aus sicherheitspolizeilichen Gründen notwendig gewesen sei, den Landeshauptmann zu verständigen. Aus Sicht des Zeugen sei es zum damaligen Zeitpunkt unbedingt erforderlich gewesen, rasch zu handeln, um noch größeren Schaden abzuwenden. Es sollte auf jeden Fall verhindert werden, dass noch weitere Transaktionen stattfinden konnten. Daher sei eine umgehende Schließung der Bank erforderlich gewesen, bevor entsprechende Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Dementsprechend sei es auch erforderlich gewesen, aufgrund von Informationspflichten oder Amtshilfe die entsprechenden Institutionen rasch zu verständigen. Die F*** habe seines Wissens nach die Einlagensicherung und die WKStA informiert. Mag. E*** habe wie bereits erwähnt ein Gespräch mit dem Landeshauptmann geführt. Weiters sei auch Mag. A*** L*** vom Bundesministerium für Finanzen als Aufsichtsratsvorsitzender der F*** und als Vertreter des Bundesministeriums für Finanzen von Seiten der F*** informiert worden. Aus Sicht des Zeugen seien die Prozesse rund die Schließung der Bank sehr professionell, rasch und konsequent abgelaufen, sodass noch größerer Schaden habe verhindert werden können. Die Verständigung sei im Vorfeld jedenfalls als Amtshilfe gesehen worden bzw sei besprochen worden, dass das Land B*** auf jeden Fall zu verständigen sei. Nach der Wahrnehmung des Zeugen habe es bei keinem der Besprechungsteilnehmer Zweifel gegeben, dass das Land B*** als Revisionsverband und aufgrund sicherheitspolizeilicher Überlegungen zu informieren sei.


Die Angaben von Mag. H*** E*** und Mag. M*** E*** S*** im Zusammenhalt mit ihrem Gedächtnisprotokoll werden nachfolgend dargestellt:


1.) Angaben von Mag. H*** E*** als Auskunftsperson vor dem Untersuchungsausschuss des *** Landtages:

a.:

Ungefähr gegen, legen Sie mich jetzt nicht fest, aber gegen 17.00 Uhr, 17.30 Uhr hat mir diese frühere Kollegin (Anm.: Mag. M*** E*** S***) eine SMS geschickt und hat gesagt: tja, wir wissen, warum Du den Landeshauptmann kontaktieren wolltest - da gibt es eine Selbstanzeige des Herrn P***. Es geht um die C***, der Herr Landeshauptmann würde gerne mit Dir telefonieren. Ich bin da gerade in einer Sitzung gesessen und da ist es nicht gegangen, und gegen 18.30 Uhr hat der Herr Landeshauptmann dann angerufen.“

b.:

Wie gesagt, ich habe die Kollegin S*** um, wird wahrscheinlich 14.17 Uhr gewesen sein, ungefähr so gewesen sein, angerufen und um eine Nummer gebeten. Was ich vielleicht nicht gewusst habe ist, dass, wenn der E*** irgendwo anruft, dass dann sofort eine Krise irgendwo vermutet wird mit irgendwelchen Finanzsachen. Auf jeden Fall, es wurde keine Information meiner Seite weitergegeben, sondern nur ich brauche die Telefonnummer.“

c.:

Über Vorhalt des Abgeordneten P*** F***, BA (Ö***):

Wenn wir bei dieser ersten Nachricht in diesem Gedächtnisprotokoll bleiben, da steht ja dezidiert drinnen von der Frau S***, im zweiten Satz: Um ihn über gröbere Malversationen einer b*** Finanzinstitution betreffend, die die Einsetzung eines Regierungskommissärs notwendig machen werde, vorab zu informieren. Können Sie ausschließen, dass Sie der Frau S*** diese Information weitergegeben haben?“,

antwortete Mag. H*** E***:

Ja. Kann ich ausschließen. Ich wollte eine Nummer von der Frau S***. Die Frau S*** hat vielleicht nachgefragt, warum. Gibt es leicht ein Problem mit einem Institut? Da habe ich gesagt, über so etwas kann ich nicht reden.“


2) Angaben von Mag. H*** E*** als Beschuldigter:

Ich kann dazu angeben, dass ich Fr S*** angerufen habe, ungefähr zu diesem Zeitpunkt. Ich habe von ihr die Telefonnummer vom Landeshauptmann Mag D*** verlangt und sie glaube ich auch bekommen. Wenn mir gesagt wird, dass S*** angegeben hat, dass sie mir die Telefonnummer nicht gegeben hat und sich um einen Kontakt bemühen werde, gebe ich an, dass ich das anders in Erinnerung habe. Im Zuge dieses Gespräches hat Fr S*** mich gefragt ob es um ein b*** Finanzinstitut geht, ich habe ihr mitgeteilt, dass ich dazu keine Aussage machen kann. Wenn mir vorgehalten wird, dass ich in diesem Telefongespräch auf Fragen der Fr S*** gesagt habe, dass es Malversationen in einem b*** Finanzinstitut geben würde, welche größeren Ausmaßes seien, gebe ich an, dass dies nicht stimmt. Auf die Frage, sind Sie sicher, dass Sie die Telefonnummer des Mag D*** bereits schon um 14:00 Uhr erhalten haben, gebe ich an, dass ich mir sicher bin die Nummer zu diesem Zeitpunkt bereits erhalten zu haben.“


3.) Angaben von Mag. M*** E*** S*** – vernommen als Zeugin am 2. Februar 2021:

Ich habe sie (Anm.: Mag. M*** S***) angerufen als Vorgesetzte und Leiterin der Finanzabteilung. Um 14:00 Uhr am 14.07.2020 rief mich Mag E*** telefonisch an und fragte mich wie man den LH erreichen könne. Ich sagte ihm, dass ich ihm die Mobiltelefonnummer des Landehauptmannes nicht weitergeben könne. Mag E*** rief mich wahrscheinlich aus dem Grund an, da wir uns aus meiner Zeit bei der O*** persönlich kennen. Daraufhin teilte er mir mit, dass er einen Kontakt zum Landeshauptmann brauchte, da es Malversationen in einer b*** Finanzinstitution gäbe. Diese Malversationen wären von einem größeren Ausmaß und es werde österreichweit in den Medien aufschlagen. Ich sandte daraufhin um 14:17 Uhr unserem Landeshauptmann ein SMS mit folgendem Wortlaut: „Lieber H*** P***, Heute Abend wird gröberes Problem mit einer Finanzinstitution bekannt mit B*** Kontext. Man möchte dich vorab informieren, M***." Nachdem ich dieses SMS geschickt hatte rief der Hr Landeshauptmann mich an und fragte, was los sei. Ich sagte ihm, dass mich Mag E*** von der F*** kontaktiert hätte. Er fragte mich wer Mag E*** sei. Ich teilte ihm mit, dass Mag E*** Vorstand bei der F*** sei und mir dieser mitgeteilt hatte, dass es in einer b*** Finanzinstitution Malversationen gäbe. Mag E*** nannte mir gegenüber weder den Namen des Institutes noch um welche Sparte es sich handelt. Nach diesem Telefonat rief ich im Büro des Landeshauptmannes an und teilte Fr T*** mit, dass es am Abend ein Gespräch zwischen unserem Landeshauptmann und Mag E*** geben soll. Um 17:15 Uhr erhielt ich einen Anruf vom Landesamtsdirektor Mag R***. Dieser teilte mir mit, dass M*** P*** heute, dem 14.07.2020, eine Selbstanzeige erstattet hätte. Diese Information habe er von der Bezirkshauptfrau des Bezirkes E***-U***, Fr HR Mag.a Dr. F*** A***, erhalten. Ich kombinierte dann aufgrund der Verbindung P*** - F***, dass es sich bei dem Finanzinstitut möglicherweise um die C*** handeln könne. Um 17:23 Uhr sandte ich eine SMS an Mag E*** mit folgendem Wortlaut: „Lieber H***, LH wurde über heutige Selbstanzeige von Direktor P***, C*** M***, bereits informiert. LG, M***." und ein 2. SMS mit dem Wortlaut: „M*** meldet sich gleich bei Dir und verbindet dich mit LH." Auch bei diesem Gespräch erhielt ich keinen Hinweis auf die C***. Ich fragte auch nicht danach.“


3.) Gedächtnisprotokoll von Mag. M*** E*** S***:

14:00 Uhr; Anruf von Herrn Mag. H*** E***. Ersuchen am Abend einen telefonischen Kontakt mit HLH herzustellen, um ihn über gröbere Malversationen eine b*** Finanzinstitution betreffend, die die Einsetzung eines Regierungskommissars notwendig machen werde, vorab zu informieren.

14:17 Uhr: SMS an HLH; Lieber H*** P***, heute Abend wird gröberes Problem mit einer Finanzinstitution bekannt mit B***-Kontext. Man möchte dich vorab informieren, M*** Unmittelbar danach telefonische Kontaktaufnahme von Hr. LH und Nachfrage über nähere Umstände. Auskunft meinerseits, dass Herr Mag. E*** mit Ausnahme der Einsetzung eines Regierungskommissärs keine weiteren Details und weder Name noch Sparte der betreffenden Finanzinstitution, bekannt gegeben habe.

Gegen 17:15 Uhr; Anruf von Herrn LAD. Mitteilung, dass Herr Dir. M*** P***, Vorstand der C*** M*** AG (C***), heute Selbstanzeige erstattet hätte. Diese Information habe er von Frau BH A*** erhalten.

17:23 Uhr: SMS an Herrn Mag. E***: Lieber H***, LH wurde über heutige Selbstanzeige von Dir P***, C*** M***, bereits informiert. LG, M*** M*** meidet sich gleich und verbindet dich mit LH


Zusammengefasst stellt sich die Beweislage wie folgt dar:


Die Aussagen des Beschuldigten Mag. E*** zur Erlangung der Mobiltelefonnummer des Beschuldigten LH Mag. D*** und zum Inhalt des Telefonats um 14:00 Uhr am 14. Juli 2020 stehen im diametralen Widerspruch zu den Angaben der Zeugin Mag. M*** E*** S***, die angab, am 14. Juli 2020 um 14:00 Uhr erstmals von Mag. H*** E*** angerufen und um Bekanntgabe einer Mobiltelefonnummer des Landeshauptmanns Mag. H*** P*** D*** ersucht worden zu sein. Sie sei diesem Ersuchen jedoch nicht nachgekommen. Mag. E*** habe anlässlich des Telefonats mitgeteilt, dass es Malversationen größeren Ausmaßes in einem b*** Finanzinstitut gäbe und diese österreichweit in den Medien aufschlagen würden. Diese Aussagen werden wiederum vom Beschuldigten Mag E*** entschieden bestritten, der angab, von Mag. S*** die Mobiltelefonnummer des LH Mag. D*** bereits um 14:00 Uhr mitgeteilt bekommen zu haben, wobei er anlassbezogen keinesfalls etwas über die Situation der C*** gesagt haben will. Er habe sich auf ein Worst Case Szenario vorbereiten wollen und aus diesem Grund die Mobiltelefonnummer des Landeshauptmanns erfragt. Ein Anruf wäre erst in den Abendstunden beabsichtigt gewesen.

Aufgrund der unterschiedlichen Aussagen lässt sich nicht mehr feststellen, von wem die Initiative für das Telefonat um 18:29 Uhr zwischen den Beschuldigten Mag E*** und LH Mag. D*** ausgegangen ist. Beweismittel, die die Angaben des Beschuldigten Mag. E*** widerlegen würden, wonach er keine Verschwiegenheitspflicht bei diesem Telefonat verletzt habe, da aufgrund der bereits erfolgten Schließung der Bank keine Verletzung von privaten Interessen zu befürchten war, zu diesem Zeitpunkt keine Überweisungen mehr möglich waren und die Informationsweitergabe an den LH Mag. D*** aufgrund seiner Funktion und seiner Eingriffsmöglichkeiten in der Region - auch im Sinne eines Krisenmanagements und als Amtsträger (Landeshauptmann) - erfolgt sei, um einen friktionsfreien Ablauf zu gewährleisten, liegen nicht vor.


Aufgrund der dargestellten unterschiedlichen Aussagen lässt sich somit der genaue Wortlaut des Telefongespräches zwischen Vorstandsdirektor Mag. H*** E*** und Mag. M*** E*** S*** am 14. Juli 2020 um 14.00 Uhr nicht mehr feststellen.


Der exakte Inhalt des Telefonats und die von beiden Gesprächspartnern gewählten genauen Formulierungen erscheinen aber essentiell, um beurteilen zu können, ob der Inhalt der von Mag. E*** am 17. Dezember 2020 vor dem Untersuchungsausschuss des *** Landtags getätigten Aussage mit der Wirklichkeit übereinstimmte oder nicht. Gerade dieser Gesprächsinhalt ist jedoch nicht mit der notwendigen Sicherheit festzumachen.


Eine Beweisführung – ausschließlich gestützt auf das Gedächtnisprotokoll und die zitierte SMS von Mag. S*** – in Richtung einer vorsätzlichen Falschaussage durch Mag. H*** E***, der bestreitet in diesem Telefonat von Malversationen eines b*** Finanzinstituts gesprochen zu haben, verbunden mit einer erhöhten Verurteilungswahrscheinlichkeit, ist nicht möglich, womit eine vorsätzliche Falschaussage in diesem Punkt nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit erweislich ist.


Genau genommen könnte nämlich genauso gut die Aussage von Mag. S***, wonach Mag. E*** ihr gegenüber „gröbere Malversationen mit einer Finanzinstitution mit B***-Konnex“ erwähnt habe, nicht der Wahrheit entsprechen und sind auch Ungenauigkeiten bei der Erstellung des (nicht näher datierten und zeitlich jedenfalls nach dem Telefongespräch liegenden) Gedächtnisprotokolls nicht auszuschließen.


Zu welchem Zeitpunkt das Gedächtnisprotokoll von Mag. E*** M*** S*** verfasst wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Dieses ist undatiert und wurde mit Amtshilfeersuchen von der Präsidentin des *** Landtages angefordert. In den Auswertungen der Mobiltelefone lässt sich das gegenständliche SMS von Mag. E*** M*** S*** nicht feststellen. Da im Ergebnis unterschiedliche Aussagen zweier Gesprächspartner eines Telefonats vorliegen und darüber hinaus keine weiteren Beweismittel existieren, die den exakten Wortlaut der fernmündlichen Konversation am 14. Juli 2020 um 14.00 Uhr darstellbar machen könnten, erscheint die Nachweisbarkeit einer falschen Zeugenaussage mit der für das Strafverfahren notwendigen Sicherheit nicht möglich.


Dazu kommt, dass zu berücksichtigen ist, dass sich am gegenständlichen 14. Juli 2020 die Ereignisse derart überschlagen haben, dass stündlich weitere Informationen bei den verschiedenen beteiligten Parteien aufgeschlagen sind, sodass unter Umständen eigene Schlussfolgerungen als Tatsachen in einem SMS oder einem Gedächtnisprotokoll – ohne es beabsichtigen zu wollen - festgehalten wurden. Beispielhaft sei dazu auf die Aussage von Mag. E*** M*** S*** verwiesen, wonach „sie dann aufgrund der Verbindung P*** – F*** kombinierte, dass es sich bei dem Finanzinstitut möglicherweise um die C*** handeln könnte.“


Im Rahmen der aufgetragenen Vernehmung des Mag. H*** P*** D*** als Beschuldigten wurde durch diesen klargestellt, dass Mag. E*** ihn nicht „expressis verbis um Amtshilfe ersucht“, sondern von der Schieflage der Bank informiert habe. Damit bliebe zwar weiterhin unklar, auf welcher Rechtsgrundlage sich Mag. E*** veranlasst und auch berechtigt sah, den Informationsfluss an Mag. D*** in Gang zu setzen, zumal weder das F***, das BWG noch das B-VG eine tragfähige Grundlage für einer aktive Informationsweitergabe begründen würden und - ergänzend dazu - auch sicherheitspolizeirechtlich mangels diesbezüglich im SPG angeführter Kompetenzen der Landeshauptleute keine solche Rechtsgrundlage erkannt werden kann.


Diese Frage kann im Ergebnis dahinstehen, weil nicht abschließend geklärt werden konnte, von wem letztlich die Initiative für das tatsächlich geführte Telefonat zwischen Mag. D*** und Mag. E*** ausging und andererseits auf die mangelnde Erweislichkeit der subjektiven Tatseite geschlossen und damit implizit zum Ausdruck gebracht wird, dass, selbst wenn der Tatbestand des § 310 Abs 1 StGB in objektiver Weise erfüllt worden ist, die Einstellung des Ermittlungsverfahrens vorzunehmen sein wird. Der Tatbestand enthält keine besondere Regelung der subjektiven Tatseite, weshalb bedingter Vorsatz (§ 5 Abs 1 StGB) hinsichtlich aller Tatbildmerkmale genügt (Nordmeyer in Höpfel/Ratz, WK² StGB § 310 Rz 45). Der Geheimnisverrat muss nicht primär angestrebtes Ziel des Täters sein, er muss ihn auch nicht für gewiss halten: Ein „ernstlich für möglich halten" der Verletzung des Amtsgeheimnisses und sich „damit abfinden" iSd § 5 Abs 1 zweiter Halbsatz StGB genügt. Der (zumindest bedingte) Vorsatz des Täters muss sich darauf beziehen, ein Amtsgeheimnis zu offenbaren oder zu verwerten, und darauf, dass dieser Tathandlung die Eignung innewohnt, ein öffentliches oder berechtigtes privates Interesse zu verletzen (Marek/Jerabek, Korruption und Amtsmissbrauch, 14. Aufl., § 310 StGB Rz 24a f).

Ausgehend davon, dass im Rahmen der sich dynamisch entwickelnden Situation am 14. Juli 2020 Mag. E*** offen kommunizierte, dass eine Information des *** Landeshauptmanns aufgrund der Rolle des Landes als Revisionsverband und aus sicherheitspolizeilichen Erwägungen notwendig sei, diese Äußerung trotz Anwesenheit einer Mehrzahl von Experten unwidersprochen blieb und auch von den Zeugen Dipl.-Kfm M*** sowie Univ.Prof. MMag. Dr. H*** im Ergebnis von einer rechtmäßigen Vorgehensweise ausgegangen wurde, erscheint die Verantwortung des Mag. E***, ihm sei klar gewesen, dass er mit dem Landeshauptmann kommunizieren könne, wodurch er jedenfalls die subjektive Tatseite in Bezug auf die Verletzung eines Amtsgeheimnisses in Abrede stellte, nicht widerlegbar, auch wenn er letztlich die konkrete Frage nach der rechtlichen Grundlage für die Informationsweitergabe unbeantwortet ließ. Ein weiteres Eingehen auf Rechtsfragen und Rechtsgrundlagen für eine allfällige Ingerenz von Landeshauptleuten auf sicherheitspolizeiliche Maßnahmen erübrigt sich daher.



In Ansehung des bestehenden Verdachts nach § 47 Abs 1 der Verfahrensordnung für Untersuchungsausschüsse des *** Landtags ist anzumerken, dass weder Mag. D*** noch Mag. S*** im Rahmen ihrer jeweiligen Zeugenvernehmung darüber Angaben machten, dass Mag. E*** bereits beim Telefonat mit Mag. S*** um 14:00 Uhr des 14. Juli 2020 von der beabsichtigten Einsetzung eines Regierungskommissärs gesprochen habe, sodass dessen Verantwortung, er habe sich diesbezüglich auch tatsächlich nicht geäußert, nicht widerlegbar ist. Denn ausgehend von den bereits ins Treffen geführten Umständen, dass das Gedächtnisprotokoll von Mag. S*** undatiert ist und sie allenfalls eigene Schlussfolgerungen mit Tatsachen vermengt haben könnte, ist der Schluss nachvollziehbar, dass sich verbleibende Zweifel am Inhalt von Gesprächen gegenläufig auswirken können und solcherart nicht geeignet sind, eine Verurteilungswahrscheinlichkeit zu begründen. Zu den von Mag. E*** getroffenen Klarstellungen im Rahmen seiner Befragung durch die Mitglieder des C***-Untersuchungsausschusses ist letztlich zu berücksichtigen, dass manche Fragestellungen als unterstellend empfunden wurden, sodass von einer möglicherweise spannungsgeladenen, jedenfalls aber dynamischen Befragungssituation ausgegangen werden kann. Aus der isolierten Hervorhebung einzelner Inhalte der Aussage vermag daher nicht der Schluss abgeleitet zu werden, dass falsche Angaben gemacht worden wären. Auch hier schlägt aber letztlich die Beweislage zu Gunsten beider Beschuldigter gegenläufig aus, sodass die Beurteilung, (jedenfalls) der Nachweis, einer von ihnen habe auch nur bedingt vorsätzlich falsche Angaben gemacht, nicht zu erbringen ist.