zur Navigation
Aktenzeichen:

Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) (020), 6 St 14/17v

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 8 OStA 126/20g

Bekannt gemacht am:

24.11.2020


Entscheidungsdatum:

27.10.2020

Einstellungsgrund

§ 190 Z 2 StPO


 

     

  1. Verdachtslage


 

Inhaltlich einer Anzeige des E***-S*** Wels vom 20. April 2017 sowie der in deren Beilage übermittelten Auszüge aus der medialen Berichterstattung ergab sich der Verdacht, Dr. L*** W*** habe als Präsident des Ö*** F*** (Ö***) im Jahr 2014 den J*** B***, zum Tatzeitpunkt Präsident der F*** I*** d*** F*** A*** (F***), aufgefordert, entgegen den Förderbestimmungen der F*** USD 100.000 auf das Konto des Vereins „H*** f*** F***“ zu überweisen, wobei er ihm in Aussicht gestellt haben soll, im Gegenzug anlässlich der im Mai 2015 stattfindenden Neuwahl des F***-Präsidenten das Stimmrecht des Ö*** zugunsten des wieder zur Wahl antretenden J*** B*** auszuüben.


 

2. Vorhandene Beweismittel und Würdigung:


 

Aufgrund des in der Anzeige geäußerten Tatverdachts wurde in den inhaltlich bezughabenden Akt zum AZ 91 Hv 34/15h des Landesgerichtes für Strafsachen Wien Einsicht genommen. In diesem medienrechtlichen Verfahren wurde das gegen die Mediengruppe „Ö***“-G*** und gegen die Sonntag-„Ö***“ Zeitungs G*** gerichtete Begehren des Dr. L*** W*** auf Entschädigung gemäß § 8a iVm § 6 MedienG aufgrund der Veröffentlichung mehrerer Zeitungs- und Onlineartikel am 11. Februar 2016 abgewiesen. Das Gericht führte diesbezüglich aus, dass nicht festgestellt werden könne, dass die Überweisung den internen Regularien der F*** zur Förderung von Entwicklungsprojekten entspräche, ebenso wenig, dass J*** B*** oder andere Funktionäre der F*** durch Veranlassung dieser Überweisung nicht die ihnen eingeräumte Befugnis, über Gelder der F*** zu verfügen, wissentlich missbraucht und diese dadurch in der genannten Summe am Vermögen geschädigt hätten.


 

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wurden weiters die Satzungen des Ö*** sowie ein Firmenbuchauszug der Ö*** W*** G*** beigeschafft und der Generalsekretär des Ö***, Dr. T*** H***, als Zeuge vernommen, welcher seinerseits E-Mail-Korrespondenzen zwischen dem Ö**, Dr. L*** W*** und der F*** vorlegte. Die relevanten Reglements der F*** (Förderprogramme, Satzung, Sitzungsprotokoll, Leitlinien) wurden über die Bundesstaatsanwaltschaft Bern im Rechtshilfeweg beigeschafft. Des weiteren erfolgten Vernehmungen von der F*** zuzurechnenden Zeugen, nämlich des ehemaligen Präsidenten der F***, J*** B***, sowie des ehemaligen stellvertretenden Generalsekretärs M*** K*** (beide im Rechtshilfeweg durch die Bundesstaatsanwaltschaft Bern) sowie des ehemaligen Generalsekretärs J*** V*** durch die von der Staatsanwaltschaft Barcelona beauftragten spanischen Polizeibehörden. Über ha. Ersuchen legte der Beschuldigte Dr. L*** W*** zudem ein weiteres Dokument vor („Befürwortungsschreiben“).


 

3. Die erhobenen Beweise indizieren unter entsprechender Würdigung folgenden Sachverhalt:


 

Die kirchliche Hilfsorganisation „C*** Kärnten“ betrieb im hier relevanten Zeitraum das Projekt „H*** f*** F***“, dessen Schirmherrin die Ehefrau des Dr. L*** W*** war, mit dem Zweck der Förderung der Fußballakademie A*** in Nairobi, Kenia. Als Projektleiter trat O*** H*** auf, H*** K*** (verstorben am 23. September 2018) betreute das Projekt vor Ort mit seiner Frau A***.

Dr. L*** W***, seit 2008 amtierender Präsident des Ö***, zeigte ein persönliches Interesse an der Förderung dieses Projekts, weswegen seitens des Verbandes bereits im November 2013 in diesem Sinne mit der F*** Kontakt aufgenommen wurde. Dieses offizielle Förderansuchen an die F*** wurde jedoch mit der Begründung abschlägig beschieden, dass nur der kenianische Fußballverband Mittel für dieses Projekt lukrieren könne.

Dr. L*** W*** sah aber aufgrund damals laufender Korruptionsermittlungen gegen den kenianischen Fußballverband die Gefahr, dass im Falle einer Vereinnahmung der Förderung der F*** durch den kenianischen Fußballverband die Geldmittel nicht der Fußballakademie A*** zugute kommen würden, weswegen er erreichen wollte, dass die Fördersumme in der Höhe von USD 100.000 direkt dem Konto des Projekts gutgeschrieben würde.

Anlässlich eines Zusammentreffens im August 2014 sprach Dr. L*** W*** den damaligen F***-Präsidenten J*** B*** persönlich auf das Projekt „H*** f*** f***“ an, weil er eine Förderung durch die F*** erreichen wollte. Er wies dabei unter anderem darauf hin, dass eine Subvention durch den europäischen Verband U*** o*** E*** F*** A*** (U***) bereits erfolgt sei. J*** B*** empfahl Dr. L*** W***, das Programm bei der F*** einzureichen, tätigte jedoch (noch) keine Zusage.

Am 2. Oktober 2014 verfasste Dr. L*** W*** aus rein persönlichem, mit dem Ö** in keinem Zusammenhang stehendem Interesse und ohne diesbezügliche Beschlussfassung des Ö**, aber unter Benützung von Ö**-Briefpapier und unter Nennung seiner Funktion als „Der Präsident“ (des Ö**) ein (an B*** bzw die F*** adressiertes) als Subventionsansuchen zu verstehendes Empfehlungsschreiben für das Projekt in A***.

Er bezog sich darin auf das beim „Camp B***“ in Tirol mit J*** B*** geführte Gespräch und führte aus, dass das Projekt der Fußballakademie A*** in Nairobi äußerst erfolgreich verlaufe und sowohl die B***-Stiftung, als auch die U*** das Projekt bereits gefördert hätten. Sein offizielles Ersuchen an die F*** sei mit der Begründung abschlägig beschieden worden, dass nur der nationale Fußballverband von Kenia entsprechende Mittel für das Projekt lukrieren könnte, von diesem Weg werde aber abgesehen. Sein Schreiben schloss mit den Worten „Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn wir auch seitens der F*** eine Unterstützung für dieses wirklich mustergültig angelaufene und bestens organisierter Projekt erhalten könnten.“

In ihrem Antwortschreiben erklärt die F***, dass am 18. Dezember 2014 die Finanzkommission in Marrakesch (Marokko) tagen und dort entscheiden werde.

Am 26. November 2014 erschien ein Interview mit Dr. L*** W*** im Online-Medium „9***“ unter dem Titel Ich sehe derzeit keine Alternative zu S*** B*“, in dem er auf die Frage des Journalisten, ob es aus seiner Sicht wert sei, sich eine Alternative zu S*** B*** zu überlegen, sinngemäß antwortete, dass er – zum damaligen Zeitpunkt – keine „Opportunität“ zu J*** B*** (gemeint wohl: keine andere Gelegenheit als J*** B***) sehe.

Angesprochen auf die mehrfach gegen J*** B*** geäußerten Rücktrittsaufforderungen durch U***-Mitglieder führt Dr. L*** W*** weiter aus, M*** P*** habe sich bereits im August aus dem Rennen (gemeint: um das Amt des F***-Präsidenten) genommen, daher werde es schwierig sein, Alternativen aufzutreiben, wenn man nicht an J*** C*** denke. Zu letzterem merkte er an, dass ihm dieser nur vom Sehen bekannt sei und sich selbst zum Kandidaten ernannt habe.

Am 18. Dezember 2014 tagte das Finanzkomitee der F*** in Marrakesch (Marokko). Die Agenda enthielt 10 Tagesordnungspunkte, zu dem hier relevanten Sachverhalt war unter Punkt „9. Any other business: 9.1. Solidarity funds: Austria for the A*** Football Academy in Kenya“ Folgendes festgehalten:



 

Support of the A*** F*** A*** for a social initiative in Kenya

The A*** F*** A*** has requested exceptional financial assistance for a social initiative in Kenya, Africa.
The A*** F*** A***, together with other institutional partners including U***, is supporting the A*** F*** A*** in Nairobi, which is providing a school curriculum as well as advanced football training for 80 talented boys and girls from economically deprived areas aged between eight and 16 years old.
It is recommended that F*** participates in this initiative under the responsibility of the A*** F*** A*** with financial support of USD 100,000.
The funds would be deposited into the F*** Programme account and their use subject to audit. Final report to be sent to F*** upon completion. F*** reserves the right to amend and further clarify its compliance requirements.

Laut Protokoll der Sitzung waren (unter anderem) J*** B*** teilweise, und J*** V* sowie M*** K*** durchgehend anwesend. Die F*** behielt sich das Recht vor, die Compliance-Bedingungen abzuändern oder näher auszuführen.

Die daraufhin erfolgte Beschlussfassung wurde wie folgt protokolliert:

8. F*** development programmes
(geschwärzt)
9. Any other business
9.1 Solidarity fund: Austria for the A*** F*** A*** in Kenya
T*** R*** presented a request to transfer USD 100,000 to the A*** F*** A*** so that the latter could support a football academy for children in Kenya. In response to the chairman's question as to where exactly the money would be transferred, T*** R*** said that the A*** F*** A*** would receive the money through its FAP account so that the exact use of these funds would also be subject to an audit.
The Finance Committee approved the request.

Das „Befürwortungsschreiben“ des Dr. L*** W***, welches Grundlage für den Beschluss des Finanzkomitees war, erfüllte nicht die formalen Kriterien eines Antrags auf Fördermittel aus dem FAP-Programm („Financial Assistance Programme“) und wurde seitens der F*** auch nicht als Antrag im Rahmen des FAP-Programms behandelt.

Die F*** ging davon aus, dass es sich um einen Antrag des Ö*** und nicht um ein persönliches Ansuchen des Dr. L*** W*** handelte, zumal das Befürwortungsschreiben auf dem Briefpapier des Ö*** verfasst worden und im Kopf des Schreibens Dr. L*** W*** Funktion als Präsident des Ö*** angeführt war.

Die hier relevanten Regelungen zur Verwendung von FAP-Mitteln waren am 1. Juli 2013 in Kraft getreten. Demnach konnten alle Mitgliedsverbände und Konföderationen bei der F*** um finanzielle Unterstützung ansuchen. Dieses Reglement in Verbindung mit dem Allgemeinen Reglement für F*** Entwicklungsprogramme („Allgemeines Reglement") regelte die Grundsätze und Bedingungen für die Auszahlung von FAP-Mitteln (einschließlich Bonuszahlungen) an die F***-Mitgliedsverbände und Konföderationen. Begünstigte dieser finanziellen Unterstützung konnten nur Mitgliedsverbände und Konföderationen sein, Förderungen konnten nur auf schriftlichen Antrag, der neben mehreren Formularen auch Angaben einschließlich Belege zur Planung und Begründung der Ausgaben enthalten musste, auf eigens dafür vorgesehene Konten der Mitgliedsverbände („Programmkonten“) ausgezahlt werden. Nach Prüfung und Bewilligung des Antrags durch das Finanzkomitee des F*** Generalsekretariats konnte binnen 30 Tagen die Auszahlung erfolgen.

Neben dem FAP standen der F*** auch andere Fördertöpfe zur Verfügung, unter anderem der Solidaritätsfonds. Grundsätzlich konnten aus diesem Fonds auch Mittel für Projekte bewilligt werden, die nicht direkt mit der Förderung des Fußballs zu tun haben. Bei diesem Fonds handelte es sich um eine Art „Auffangbecken“ für alle Projektanträge, die nicht durch andere Fonds abgedeckt waren. Eine direkte Unterstützung von Projekten ohne eine Beteiligung eines Verbandes war auf diesem Weg möglich (so wurden etwa Projekte im Zusammenhang mit der Verbreitung des Ebolavirus oder auch Flüchtlingsprojekte unterstützt). Ein gesatztes Reglement für Auszahlungen aus dem Solidaritätsfonds existierte nicht, es war jedoch Praxis, bei einem Antrag eines Verbandes die Förderung auf das Programmkonto zu überweisen.

Das Finanzkomitee der F*** beschloss am 18. Dezember 2014 eine Förderung für das Projekt A*** in Höhe von USD 100.000 aus dem Solidaritätsfonds. Die Auszahlung sollte auf das Programmkonto des Ö*** erfolgen, weil davon ausgegangen wurde, dass auch die Antragstellung durch diesen erfolgt war. Die F***-Administration behielt sich jedoch einen Ermessensspielraum für die Umsetzung des Beschlusses vor, weil im Rahmen der Sitzungen des Finanzkomitees über Detailfragen nicht im Voraus entschieden werden konnte.

Die Entscheidung darüber, welches Projekt gefördert werden soll, trifft das Finanzkomitee der F***. Bei diesem handelt es sich um ein Kollegialorgan, dem der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende, sowie vier weitere Mitglieder angehören, nicht aber der Präsident der F***. Entscheidungsgrundlage bildet der Antrag, der vom Generalsekretariat der F*** (Verwaltungsorgan der F***) für die Sitzung des Finanzdommittees aufbereitet wird. Auch in diesem Zusammenhang kommt dem Präsidenten der F*** keine Funktion zu. Weder konnte somit eine Einflussnahme des F***-Präsidenten auf die Entscheidung des Finanzkomitees, noch ein Zusammenhang zwischen der Gewährung der Förderung durch die F*** und der Stimmabgabe durch den Repräsentanten des Ö*** am 29. Mai 2015 anlässlich der Präsidentenwahl festgestellt werden.

Über die bewilligte Bereitstellung des Geldes wurde Dr. L*** W*** Anfang Jänner 2015 seitens der F*** auch vorab telefonisch informiert. Am 5. Jänner 2015 bestätigte J*** V*** in einem E-Mail, dass das Geld bereitgestellt und über das Ö*** Entwicklungskonto abgewickelt werde. A*** L* richtete für den Ö*** am 8. Jänner 2015 ein E-Mail an Dr. L*** W***, dass eine Überweisung an den Ö*** nicht möglich sei und er (nämlich Dr. L*** W***), eine Klärung mit der F*** herbeiführen möge. In einem E-Mail vom 9. Jänner 2015 ersuchte Dr. L*** W*** daher um direkte Überweisung auf das Konto von „H*** f*** F***“.

Am 13. März 2015 richtet M*** K*** ein E-Mail an den Ö***, Präsident W***“, wonach kein direkter Kontakt zur Projektorganisation unterhalten werden solle und der Antrag durch den Ö*** eingereicht worden sei, weswegen das Geld auch auf dessen Konto überwiesen werde, von wo aus der Ö*** den Betrag dem „H*** f*** F***“-Projekt weiterleiten könne. Das F***-Generalsekretariat teilte mit, dass das Geld an den Ö*** gehen müsse, weil dieser den Antrag gestellt habe. Unter einem wurde der zuerkannte Subventionsbetrag auch tatsächlich auf ein Konto des Ö*** überwiesen.

Nach Absprache mit Dr. L*** W*** wurde das Geld jedoch durch den Ö*** - weil es sich entgegen der Auffassung der F*** in Wahrheit nicht um ein Ö***-Projekt handelte - sofort nach Einlangen wieder an die F*** rücküberwiesen.

Am 19. März 2015 richtete Dr. L*** W*** wiederum ein Schreiben an J*** B***, in dem er unter Bezugnahme auf ein am selben Tag geführtes Telefongespräch klarstellte, dass es sich nicht um ein offizielles Projekt des Ö*** handle, sondern um eines der österreichischen Organisation „H*** f*** F***“, eine Abwicklung über den Ö*** sei daher nicht möglich. Gleichzeitig versicherte er, „H*** f*** F***“ werde die volle Verantwortung für die widmungskonforme Verwendung der Mittel übernehmen und dies auch nachweisen. Der entsprechende Abschlussbericht samt Belegsabwicklung und Buchprüfung werde sodann ebenso offiziell von „H*** f*** F***“ beigebracht.

Daraufhin bat J*** B*** M*** K*** zu einem Gespräch und teilte diesem mit, dass die Überweisung auf das Konto von „H*** f*** F***“ erfolgen solle. Er klärte M*** K*** auf, dass nicht der Ö***, sondern Dr. L*** W*** als Antragsteller anzusehen sei. Für J*** B*** ging es dabei nur mehr um die möglichst rasche Abwicklung einer ohnehin bereits durch das Finanzkomitee bewilligten Zahlung, er zeigte sich gegenüber M*** K*** verärgert über den Verwaltungsaufwand, der aus Anlass einer – aus Sicht de F*** - eher geringen Fördersumme generiert wurde und betrieb eine rasche Erledigung, zumal seit dem Antrag bereits rund 6 Monate vergangen waren. Ein Zusammenhang zwischen dieser Änderung der Auszahlungsmodalitäten und der Stimmabgabe des Ö*** am 29. Mai 2015 bei der F***-Präsidentenwahl ist nicht feststellbar.

Einige Tage später nutzte Dr. L*** W*** eine Zusammenkunft mit J*** B***, J*** V*** und E*** P*** anlässlich des U***-Kongresses von 23. bis 24. März 2015 in Wien, um wiederum klarzustellen, dass eine Abwicklung der Förderung über den Ö*** im Lichte des Tatbestandes des Förderungsbetruges nicht möglich sei, da der Ö*** den Förderantrag nicht gestellt habe.

Bereits am nächsten Tag, dem 25. März 2015, verfasst Dr. L*** W*** ein E-Mail an J*** V***, wonach die Zahlung direkt an „H*** f*** F***“ erfolgen solle, woraufhin prompt eine Überweisung von USD 100.000 (90.744,10 Euro) auf das Konto „H*** f*** F***, C*** Kaernten" bei der L*** O*** (einlangend am 26. März 2015) getätigt wurde.

Der Förderbeschluss des Finanzkomitees vom 18. Dezember 2014 wurde nicht im Sinne dieser Vorgehensweise abgeändert.

Alle Beteiligten gingen davon aus, dass die Zahlung von USD 100.000 nicht aus den FAP-Mitteln, sondern aus den Mitteln des Solidaritätsfonds erfolgte. Dass die Verantwortlichen der FIFA zunächst auf die Auszahlung auf das Programmkonto des Ö*** bestanden, war darauf zurückzuführen, dass von einer Antragstellung durch den Ö*** ausgegangen wurde.

Nachdem dieses Missverständnis aufgeklärt worden war, änderte M*** K*** unter Einbindung der Development-Abteilung der F*** die Zahlungsmodalitäten ab. Der F*** entstand dadurch kein Schaden, weil die Auszahlung einer Förderung aus dem Solidaritätsfonds direkt auf ein Konto eines Dritten bei entsprechender Antragstellung möglich gewesen wäre und das Finanzkomitee eine Zahlung in der selben Höhe (wenn auch auf ein anderes Konto) bereits beschlossen hatte, was allen Beteiligten auch bekannt war.

Die Neuwahl des F***-Präsidenten erfolgte schließlich am 29. Mai 2015. Zuvor hatte das Präsidium des Ö*** Ende April 2015 in einer geheimen Wahl den Beschluss gefasst, J*** B*** nicht zu wählen. Dr. L*** W*** hatte keine Kompetenz, allein über die Stimmabgabe zu entscheiden. Das Stimmrecht des Ö*** bei der Wahl des F***-Präsidenten wurde letztlich nicht mehr von Dr. L*** W***, sondern von einem anderen Ö***-Funktionär ausgeübt.

Ein Zusammenhang zwischen der im Jahr 2014 von Dr. L*** W*** angeregten Förderung von „H*** f*** F***“ mit der Stimmabgabe des Ö*** bei der F***-Präsidentenwahl 2015 kann nicht festgestellt werden, ebenso wenig wie eine Einflussnahme des J*** B*** auf die – an sich nicht zu beanstandende – Zuerkennung dieser Förderung.

     

    4. Rechtliche Beurteilung:

Ausgehend von der zu Beginn des Ermittlungsverfahrens bestehenden Verdachtslage waren der Verdacht der Geschenkannahme und Bestechung von Bediensteten oder Beauftragten gemäß § 309 Abs 1 und Abs 3 StGB sowie der Verdacht der Untreue gemäß § 153 Abs 1 und Abs 3 zweiter Fall StGB zu prüfen.


 

4.1. Zur rechtlichen Qualifikation des Sachverhalts nach § 309 StGB:


 

Geprüft wurde der dargestellte Sachverhalt einerseits unter den Prämissen des seit 1. Jänner 2013 in Kraft stehenden § 309 StGB, wonach die Forderung, die Annahme oder das Sich-Versprechen-Lassen eines Vorteils für die pflichtwidrige Vornahme oder Unterlassung eine Rechtshandlung im geschäftlichen Verkehr durch einen Bediensteten oder Beauftragten eines Unternehmens, entweder für diesen selbst oder für einen Dritten (Abs 1) mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bedroht ist, bei Tatbegehung in Bezug auf einen 50.000 Euro übersteigenden Vorteil mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren (Abs 3).

4.1.1. Zur Qualifikation des Ö*** als Unternehmen iS des § 309 StGB:

Der Ö*** ist seiner Satzung zu Folge ein nicht gewinnorientierter Dachverband nach § 1 Abs 5 VereinsG 2002, der die gemeinsamen Interessen der Fußball-Landesverbände Österreichs und der Österreichischen Fußball-Bundesliga verfolgt. Er ist Mitglied der F*** und der U***, was ihn zur Anerkennung der F***- und U***-Statuten, Reglements, Beschlüsse und Weisungen sowie des internationalen Spielekalenders verpflichtet. Zweck des Vereins – neben vielen anderen - ist die Förderung und Beaufsichtigung des Fußballsports in Österreich, die Vertretung des Fußballsports im In- und Ausland und der Verkehr mit der F*** und der U***.

Für die Erreichung der Vereinszwecke stehen dem Ö*** mehrere Einnahmequellen zur Verfügung (Mitgliedsbeiträge, Erträge von Auswahlspielen, Erträge aus der Erbringung von Dienstleistungen, Einhebung von Geldstrafen, Erträge aus der Vermarktung des Fußballsports usw), aber auch die Gründung von Kapitalgesellschaften und die Erträge aus der Beteiligung an Kapitalgesellschaften. Der Ö*** ist 100 %-Gesellschafter der Ö*** Wirtschaftsbetriebe GmbH, deren Geschäftszweig die marktorientierte Führung des Ö*** samt Führung des Teilbetriebs Profisport ist. Diese Tätigkeit ist vom Unternehmensbegriff des § 1 Abs 2 UGB, der als Unternehmen „jede auf Dauer angelegte Organisation selbständiger wirtschaftlicher Tätigkeit, mag sie auch nicht auf Gewinn gerichtet sein“, definiert, umfasst, weshalb der Ö*** als Unternehmen im Sinne des § 309 StGB zu werten ist.

4.1.2. Zur Qualifikation des Dr. L*** W*** als Bediensteter oder Beauftragter:

Dr. L*** W*** ist Präsident des Ö*** und demnach gemäß § 13 der Satzungen des Ö*** dessen höchster sportpolitischer Funktionär sowie Repräsentant des Verbandes in nationalen und internationalen Sportangelegenheiten. Neben zahlreichen anderen Aufgaben übt er als Repräsentant des Ö*** dessen Stimmrecht bei der Wahl des F***-Präsidenten aus, weswegen er als Beauftragter des Ö*** anzusehen ist.

4.1.3. Zur Qualifikation der Stimmabgabe als Rechtshandlung im geschäftlichen Verkehr:

Dass die pflichtwidrige Vornahme oder Unterlassung einer Rechtshandlung nach § 309 Abs 1 StGB „im geschäftlichen Verkehr" erfolgen muss, grenzt den Anwendungsbereich dieser strafbaren Handlung einerseits zu hoheitlichen Tätigkeiten und andererseits zur reinen Privathandlungen oder rein unternehmensinternen Vorgängen ohne Außenwirkung ab (Nordmeyer/Stricker, WK² StGB § 309 Rz 40 mwN).

Auch wenn grundsätzlich jede Handlung eines Bediensteten oder Beauftragten für das Unternehmen einem Geschäftszweck dient und damit vom Begriff des geschäftlichen Verkehrs erfasst wird, muss eine unternehmensbezogene Handlung des Bediensteten oder Beauftragten vorliegen, die nach außen dringt. Bloß unternehmensinterne Vorgänge ohne Außenwirkung sind daher nicht erfasst. Ebenso wenig rein private Aktivitäten ohne Unternehmensbezug (Nordmeyer/Stricker aaO Rz 42 mwN).

Mit Blick auf diese Abgrenzungsfunktion und darauf, dass Gewinnerzielungsabsicht des Unternehmens nicht erforderlich ist (Nordmeyer/Stricker aaO Rz 39 mwN), bleibt für die Annahme einer weder hoheitlichen noch privaten, mangels „wirtschaftlicher Komponente" aber auch nicht geschäftlichen, „sonstigen Tätigkeit" des Unternehmens, die nicht unter § 309 StGB fiele, kein Raum. Die Betätigung in einem internationalen Verband gehört zum Geschäft eines nationalen Fußballverbandes. Im Übrigen umfasst diese internationale Betätigung fallbezogen durchaus auch wirtschaftliche Aspekte, sind doch offenbar Geldflüsse (etwa von FAP-Mitteln) vom internationalen Verband an die nationalen Verbände vorgesehen.

Unter den Begriff der Rechtshandlung fallen sämtliche rechtsgeschäftliche und prozessuale Handlungen, die eine rechtliche Wirkung entfalten können, nicht aber bloß faktische Handlungen. Die Stimmabgabe bei der Wahl des F***-Präsidenten erfolgt als Repräsentant/Vertreter des Ö*** und kann rechtliche Außenwirkung entfalten, weil der Ö*** dadurch seine Rechte als Mitglied der F*** wahrnimmt.

Einer Strafbarkeit nach § 309 StGB steht jedoch entgegen, dass ein Zusammenhang im Sinne einer Junktimierung zwischen der vom Beschuldigten betriebenen Förderung und dem Stimmverhalten des Ö*** bei der Wahl des F***-Präsidenten 2015 nicht nachweisbar ist. Es kann daher dahingestellt bleiben, ob eine Stimmabgabe für J*** B*** aus damaliger Sicht als pflichtwidrig zu qualifizieren gewesen wäre.


 

4.2. Zur rechtlichen Qualifikation des Sachverhalts nach § 153 StGB:


 

Zu prüfen war weiters der Verdacht, Dr. L*** W*** habe als Präsident des Ö*** den J*** B***, Präsident der F***, im Zeitraum von August 2014 bis März 2015 anlässlich mehrerer Kontaktaufnahmen dazu bestimmt, dessen Befugnis über fremdes Vermögen zu verfügen wissentlich zu missbrauchen, indem er diesen aufforderte, entgegen der Förderrichtlinien der F** eine Zahlung von USD 100.000 (90.700 Euro) an den Verein „H*** f*** F***“ (C*** Kärnten) zu leisten, wodurch die F*** in einem 5.000 Euro übersteigenden Betrag am Vermögen geschädigt wurde und dadurch das Verbrechen der Untreue als Beteiligter gemäß §§ 12 zweiter Fall, 153 Absatz 1 und Absatz 3 erster Fall StGB begangen.


 

Vorauszuschicken ist, dass in Österreich mangels inländischer Gerichtsbarkeit gegen J*** B*** selbst kein Ermittlungsverfahren geführt wurde. Sein Handeln ist dennoch im Sinne der Beantwortung einer Vorfrage zu prüfen, um feststellen zu können, ob Dr. L*** W*** ihn zu einer Straftat bestimmte bzw zu bestimmen versuchte.


 

Zur objektiven Tatseite:

Als zu prüfende Tathandlung, zu der der Präsident der F*** angestiftet worden sein soll, ist die im März 2015 erteilte Anweisung zu sehen, die Überweisung nicht auf das Programmkonto des Ö***, sondern direkt auf das Konto des Projekts „H*** f*** F***“ durchzuführen, obwohl das Finanzkomitee der F*** am 18. Dezember 2014 beschlossen hatte, die Förderung auf das Programmkonto zu überweisen und dieser Beschluss in der Folge auch nicht abgeändert worden war.


 

Dem F***-Präsidenten kamen sehr weitreichende Befugnisse zu, auch wenn in der internen Kompetenzverteilung Aufgabengebiete abgegrenzt wurden und der F***-Präsident statutenkonform einzelne seiner Aufgaben dem Generalsekretär übertragen hatte.


 

Gemäß Art 5.1. der F*** Organisation Regulations (FOR) in Verbindung mit Art 32 der F***-Statuten repräsentierte der Präsident nämlich die F*** und war im Handelsregister des Kantons Zürich als kollektiv Zeichnungsberechtigter mit einer anderen Person eingetragen, genauso wie der Generalsekretär. Gleichzeitig führte er den Vorsitz des Exekutivkomitees und leitete das Exekutivbüro, welches für die Durchführung von Verwaltungsaufgaben und jegliche Transaktionen zuständig war, welche der F***-Präsident angeordnet hatte.


 

Nach den Angaben des Zeugen J*** V***, der zum fraglichen Zeitpunkt die Funktion des Generalsekretärs innehatte, sei die Kompetenz zur „Umleitung“ der Förderung auf ein anderes Konto zunächst bei der Unterstützungskommission gelegen, die aus dem Präsidenten sowie Mitgliedern des Exekutivkomitees der F*** bestehe, allerdings hätte ein entsprechendes Protokoll erstellt werden müssen. Darüber hinaus könne nur der Präsident selbst über die Änderung des Zielkontos entscheiden.

 

Als Organ der F*** kam dem Präsidenten somit grundsätzlich aufgrund Rechtsgeschäft die Befugnis zu, gemeinsam mit einer zweiten Person die F*** zu vertreten und somit zu verpflichten. Zu prüfen war daher, ob diese Befugnis missbräuchlich, also entgegen den einschlägigen Regelungen der F***, ausgeübt wurde.


 

Die gegenständliche Förderung wurde nicht aus den Mitteln des FAP, sondern aus jenen des Solidaritätsfonds gewährt. Für die Auszahlung einer Förderung aus dem Solidaritätsfonds bestanden zum damaligen Zeitpunkt keine gesatzten Regeln (im Gegensatz zu den „FAP-Mitteln“), weswegen der Beschluss des Finanzkomitees, die Förderung auf das Programmkonto des Ö*** auszuzahlen, als bloße Zahlungsmodalität anzusehen ist. Die Überweisung hätte auch aufgrund eines entsprechenden Beschlusses des Finanzkomitees auf das Konto eines Dritten erfolgen können,falls das Finanzkomitee erkannt hätte, dass es sich um ein Ersuchen einer Privatperson (eines Dritten), und nicht um einen Antrag des Ö*** handelte.


 

Dass die Auszahlung bei der zweiten Überweisung auf Anordnung von J*** B*** auf ein Drittkonto erfolgte, verstieß daher nicht gegen die einschlägigen Regelungen der F***, zumal Förderungen aus dem Solidaritätsfonds ausdrücklich nicht nur für Verbandsmitglieder möglich waren, sondern auch für Dritte (sofern der Förderantrag bewilligt wurde). Somit sind weder ein Befugnismissbrauch, noch ein Schaden für die F*** feststellbar. Darüber hinaus ist auch ein entsprechender Schädigungsvorsatz zu verneinen, da J*** B*** zum Zeitpunkt der Anweisung davon ausging, dass das Finanzkomitee die Förderung aus dem Solidaritätsfonds grundsätzlich ohnehin bereits bewilligt hatte.


 

Da die Strafbarkeit des Bestimmungstäters nicht von der des unmittelbaren Täters abhängt (keine qualitative Akzessorietät, Fabrizy in Höpfel/Ratz, WK2 StGB § 12, Rz 44) bleibt zu prüfen, ob Dr. L*** W*** mangels strafbarer Handlung des J*** B*** den Versuch einer Anstiftung zur Untreue zu verantworten hat. Die dargestellten mehrfachen Interventionen stellen taugliche Tathandlungen im Sinne des § 12 zweiter Fall StGB dar und waren grundsätzlich geeignet, einen Handlungsentschluss bei J*** B*** herbeizuführen, was schon aufgrund der Tatsache, dass dieser auch tatsächlich die von Dr. L*** W*** gewünschten Anweisung erteilte, objektiviert ist. Offensichtlich ging Dr. L*** W*** zudem davon aus, dass J*** B*** über die Befugnis verfügte, die von ihm gewünschte Überweisung auf das Konto von „H*** f*** F***“ auch anzuordnen.


 

Zu verneinen ist jedoch die subjektive Tatseite: Da auch Dr. L*** W*** wusste, dass das F***-Finanzkomitee mit Beschluss vom 18. Dezember 2014 die Auszahlung der von ihm gewünschten USD 100.000 befürwortet hatte, war die anschließend daran im Zeitraum von Jänner bis März 2015 erfolgte Kommunikation darüber, wohin der Betrag zu überweisen sei, als Klärung der Zahlungsabwicklung zu bewerten, zumal der Beschuldigte bereits zuvor eine Förderung der U*** in der Höhe von USD 50.000 direkt auf das Konto des A***-Projekts erreicht hatte.


 

Das „Befürwortungsschreiben“ des Dr. L*** W*** wurde von den Verantwortlichen der F*** als Förderantrag des Ö*** verstanden. Wenngleich dieser Irrtum der F*** durch Dr. L*** W*** vorsatzlos herbeigeführt wurde, ist dennoch festzuhalten, dass diese Fehlinterpretation, die durch die Nutzung des Ö***-Briefpapiers unter Beifügung der Funktion des Beschuldigten als „Ö***-Präsident“ herbeigeführt wurde, nachvollziehbar ist.


 

Wäre die ausgezahlte Förderung im Rahmen der FAP-Mittel bewilligt worden, so wäre die Antragstellung durch den Ö*** als Verbandsmitglied und die Auszahlung auf dessen Programmkonto conditio sine qua non gewesen. Der Irrtum über den Antragsteller führte zwar zunächst zu einer falschen Abwicklung, nicht aber dazu, dass die Verantwortlichen der F*** eine Überweisung bewilligten, die sie bei Kenntnis der wahren Sachlage nicht bewilligt hätten.


 

Demnach ist Dr. L*** W*** weder der Vorsatz, J*** B*** zu einem Befugnismissbrauch zu bestimmen, noch der erforderliche Schädigungsvorsatz nachweisbar. Ein Zusammenhang der im Jahr 2014 von der L*** W*** angeregten Förderung von „H*** f*** F***“ mit der Stimmabgabe des Ö*** bei der F***-Präsidentenwahl 2015 ist genauso wenig nachweisbar, wie eine Einflussnahme des J*** B*** auf die an sich nicht zu beanstandende Zuerkennung dieser Förderung.


 

Das Strafverfahren war daher gemäß § 190 Z 2 StPO einzustellen.