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Aktenzeichen:

StA Wien (037), 717 St 3/19g

Veröffentlicht durch:

OStA Wien (038), 4 OStA 4/19k

Bekannt gemacht am:

22.02.2021


Entscheidungsdatum:

21.12.2020

Einstellungsgrund

§ 190 Z 2 StPO


Gegenstand der Ermittlungen waren die Vorwürfe in drei anonymen Anzeigen, Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe ihre Planstelle beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (idF kurz: BVT) „durch Korruption“ mithilfe des damaligen Kabinettschefs des Bundesministeriums für Inneres (idF kurz: BMI) Mag. M***** K*****, des Leiters der Abteilung II/BVT/2 des BVT, MMag. M***** W*****, und des Leiters der Abteilung II/BVT/1 Mag. A***** M***** erlangt und sei über eine Gefälligkeit für Mag. J***** M*****-L***** der besser qualifizierten Bewerberin Mag. T*****-M***** H***** vorgezogen worden.


 

Aufgrund der Anzeigen war der Verdacht zu prüfen, die Nachgenannten hätten im Juni 2016 in Wien

I./ als Beamte mit dem Vorsatz, dadurch einen anderen, nämlich den Staat, an seinen Rechten, nämlich auf Ernennung der bestqualifizierten und -geeigneten Person auf eine unbefristete A1-Planstelle in der Abteilung II/BVT/2-ND, Referat Nachrichtendienst und Proliferation (idF kurz: Referat Nachrichtendienst), zu schädigen, ihre Befugnis, im Namen des Bundes als Organe des BVT in Vollziehung des Gesetzes Amtsgeschäfte vorzunehmen, wissentlich missbraucht, indem sie in Umsetzung ihres behördlichen Auftrages veranlasst hätten, dass die nach ihrem Wissen für die zu besetzende Planstelle nicht geeignete und unzureichend qualifizierte Mag. Dr. R*****-U***** P***** aufgrund eines inhaltlich falschen, positiven Verwendungserfolges unter Bevorzugung gegenüber der geeigneten und besser qualifizierten Kollegin Mag. T*****-M***** H***** auf den Ernennungsvorschlag für eine unbefristete A1-Planstelle im Referat Nachrichtendienst gesetzt wurde, sodass in der Folge ihr Dienstverhältnis am 5. August 2016 auf unbestimmte Zeit verlängert wurde, und zwar

A./ Mag. A***** M***** als Abteilungsleiter der Abteilung II/BVT/1, indem er veranlasste, dass diese Planstelle für sie reserviert und sie in weiterer Folge auf den Ernennungsvorschlag gesetzt wurde;

B./ MMag. M***** W***** als damaliger Leiter der Abteilung II/BVT/2, indem er Mag. M***** zu der unter I./A./ beschriebenen Vorgehensweise veranlasste und den ihm unterstellten Referatsleiter des Referates Nachrichtendienst Mag. Dr. B***** P***** anwies, entgegen besseres Wissen einen inhaltlich falschen, positiven Bericht über den Verwendungserfolg für Mag. Dr. R*****-U***** P***** zu erstatten und vorzuschlagen, ihr Dienstverhältnis zu verlängern;

C./ Mag. Dr. B***** P*****, indem er am 15.6.2016 der unter A./II./ beschriebenen Aufforderung von MMag. W***** nachkam;


 

II./ zu den dargestellten Tathandlungen bestimmt (§ 12 zweiter Fall StGB), und zwar

A./ Mag. M***** K*****, indem er bei den unter I./A./-C./ genannten Beamten für Mag. Dr. R*****-U***** P***** intervenierte;

B./ Mag. Dr. R*****-U***** P*****, indem sie die unter I./A./-C./ und II./A./ angeführten Beschuldigten zu den dort beschriebenen Tathandlungen aufforderte.


 

Es war daher zu prüfen, ob die Beschuldigten dadurch das Verbrechen des Missbrauchs der Amtsgewalt, und zwar Mag. A***** M*****, MMag. M***** W***** und Mag. Dr. P***** nach § 302 Abs 1 StGB, Mag. M***** K***** und Mag. Dr. R*****-U***** P***** nach §§ 12 zweiter Fall, 302 Abs 1 StGB begangen haben.


 

Sämtliche, in Aussicht genommene Ermittlungsmaßnahmen wurden durchgeführt, insbesondere wurden G***** S*****, Dr. A***** G***** und MMag. M***** G***** (zum Tatzeitpunkt Personalabteilung BMI/I/1), KontrI R***** P*****, CI F***** S***** und Mag. T*****-M***** H***** (zum Tatzeitpunkt BVT) als Zeugen sowie Mag. M***** K*****, Mag. A***** M*****, Mag. Dr. R*****-U***** P***** und MMag. M***** W***** als Beschuldigte durch die sachbearbeitende Staatsanwältin vernommen. Da sich jedoch nach Vernehmung des Mag. Dr. B***** P***** als Zeugen der eingangs dargestellte Tatverdacht ergab, wurden von der Staatsanwaltschaft am 17.12.2019 Ermittlungen gegen den Genannten wegen §§ 12 dritter Fall, 302 Abs 1 StGB eingeleitet und er am 28.1.2020 als Beschuldigter vernommen.


 

Die Beschuldigten Mag. K*****, MMag. W*****, Mag. M***** und Mag. Dr. P***** bestritten den Anzeigevorwurf. Die Beschuldigte Mag. Dr. R*****-U***** P***** war nach dem Vortrag einer knappen, kaum sachbezogenen, einleitenden Stellungnahme nicht bereit, die weiteren Fragen der Staatsanwaltschaft zu beantworten.


 

Die Staatsanwaltschaft prüfte zunächst, ob die Planstellenbesetzung nach den gesetzlichen Vorgaben erfolgte. In diesem Zusammenhang werden die Ermittlungsergebnisse zum zeitlichen Ablauf der Beschäftigung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** beim BVT unter Anführung der gesetzlichen Ernennungsgrundlagen dargestellt:


 

Die erstmalige Zuweisung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** zum BVT erfolgte gleichzeitig am 1.9.2015 jeweils als Verwaltungspraktikantin des höheren Dienstes. Es handelte sich dabei um ein Ausbildungsverhältnis und keine Planstellenbesetzung, die Aufnahme erfolgte nach den das Verwaltungspraktikum regelnden Bestimmungen des Abschnitts Ia VBG 1948 jeweils befristet für ein Jahr bis 31.8.2016.


 

Mag. H***** war von Beginn an im Referat Nachrichtendienst tätig. Mag. Dr. R*****-U***** P***** wurde nach zwei Monaten in der Abteilung II/BVT/4 aufgrund eines Ersuchen von Mag. M***** an die Personalabteilung BMI I/1 dem Referat Nachrichtendienst, Abteilung II/BVT/2, mit der Begründung, dass sie dort noch dringender gebraucht werde und dies im Einvernehmen mit den Abteilungsleitern erfolge, zugewiesen.


 

Ab diesem Zeitpunkt waren somit beide als operative Fallanalytikerinnen im Referat Nachrichtendienst tätig. Ihre Vorgesetzten waren Mag. Dr. P***** als Referatsleiter und MMag. W***** als Abteilungsleiter. Sie hatten ähnliche Aufgaben zu erfüllen, wobei sie nicht unmittelbar zusammenarbeiteten. Mag. Dr. R*****-U***** P***** war in der Asien-Gruppe tätig und führte zu ihrer Tätigkeit in ihrer Befragung vor dem BVT-Untersuchungsausschuss im Wesentlichen aus, sie habe die Ermittlungsergebnisse der Polizisten, speziell zu Korea und China, zusammengefasst und visuell aufbereitet. Mag. H***** gab bei ihrer Zeugenvernehmung zu ihrer Tätigkeit an, sie habe die Kriminalbeamten bei der Aufarbeitung von Fällen im Bereich Wirtschaftsspionage aufgrund ihrer Spezialisierung auf dem Gebiet Geldwäsche unterstützt, u.a. Transaktionsanalysen durchgeführt, Zahlungsströme und Gesellschaftsstrukturen analysiert sowie aufbereitet.


 

Am 28.4.2016 wurden Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** gleichzeitig durch Verfügung der Abteilung BMI I/1 mit Wirksamkeit vom 1.5.2016 in ein befristetes Dienstverhältnis übernommen, wodurch sich ihre besoldungsrechtliche Stellung verbesserte. Beide wurden nach § 24 Z 1 Ausschreibungsgesetz (idF kurz: AusG) unter Anwendung des Unterabschnitts G AusG befristet für die Dauer von längstens acht Monaten aufgenommen und der Abteilung II/BVT/2 zugewiesen. Die Aufnahme erfolgte jeweils als Ersatzkraft gemäß § 25 Z 5 AusG, wonach bei der Besetzung einer Planstelle mit einem oder einer Teilnehmerin am Verwaltungspraktikum die Ausschreibung ausgeschlossen ist.


 

Mit Verfügung der Abteilung BMI I/1 vom 5.8.2016 wurde das befristete Dienstverhältnis von Mag. Dr. R*****-U***** P***** auf unbestimmte Zeit verlängert. Nach § 26 Abs 2 AusG ist die Dauer des Dienstverhältnisses einer Ersatzkraft, die ohne Ausschreibung in den Bundesdienst aufgenommen wurde, mit höchstens acht Monaten zu begrenzen. Strebt eine solche Ersatzkraft eine Verlängerung ihres Dienstverhältnisses an, ist ihr Verwendungserfolg nach Unterabschnitt G, §§ 74 f AusG zu überprüfen:


 

Zur Durchführung der unbefristeten Verlängerung erfolgte eine Anfrage der Abteilung BMI I/1 durch G***** S***** im Auftrag der damaligen Leiterin des Referates I/1/b, MMag. G***** zur Erstellung eines Berichts über den Verwendungserfolg. Da auf die erste Anfrage am 8.6.2016 per E-Mail an das Postfach der Abteilung II/BVT/2 keine Reaktion erfolgt war, mahnte S***** die Berichterstattung am 14.6.2016 mit E-Mail an den Abteilungsleiter MMag. W***** und in Kopie an das Abteilungspostfach ein. Zu dieser Anfrage nahm Mag. Dr. P***** als zuständiger Referatsleiter am 15.6.2016 Stellung und attestierte, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** den Verwendungserfolg in allen Punkten aufgewiesen habe. Sie habe sich innerhalb kürzester Zeit in die ihr zugewiesenen fachlichen Tätigkeiten eingearbeitet und habe durch ihre Kenntnisse einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Umsetzung der Operativziele des Fachreferats geleistet. Er schlug vor, das Dienstverhältnis von Mag. Dr. R*****-U***** P***** zu verlängern.


 

Dazu erging eine Stellungnahme der aufnehmenden Dienststelle gemäß § 75 Abs 2 AusG, dass dem Bericht des Fachvorgesetzten zugestimmt und festgestellt werde, dass der Verwendungserfolg der Bediensteten eine Verlängerung des Dienstverhältnisses rechtfertige und eine Verlängerung auf unbestimmte Zeit beabsichtigt sei. In weiterer Folge wurde durch die Abteilung BMI I/1 die Aufnahmekommission um Erstellung eines Gutachtens gemäß § 75 Abs 4 AusG ersucht. Diese erstattete am 7.7.2016 ein Gutachten, wonach die Feststellung der aufnehmenden Dienststelle mit Rücksicht auf den positiven Verwendungserfolg der Bediensteten gerechtfertigt sei. Da die Überprüfung positiv verlief, wurde durch die aufnehmende Stelle die Möglichkeit gemäß § 76 Abs 1 AusG ausgeschöpft, das Dienstverhältnis unbefristet zu verlängern.


 

Dass die Umsetzung einer derartigen Maßnahme zum damaligen Zeitpunkt keine vorangehende Ausschreibung der Planstelle erforderte, bestätigten die personalverantwortlichen Zeugen der Abteilung BMI/I/1 G***** S*****, Dr. G***** und MMag. G***** und der Beschuldigte Mag. M*****.

Vier Monate später wurde mit Verfügung vom 20.12.2016 auch das Dienstverhältnis von Mag. H***** mit Wirksamkeit vom 1.1.2017 auf Grundlage derselben gesetzlichen Bestimmungen des AusG auf unbestimmte Zeit verlängert. Die unbefristete Verlängerung erfolgte nach einer Anfrage der Abteilung I/1 des BMI durch M***** S***** im Auftrag der damaligen Leiterin des Referates I/1/b MMag. G***** auf einen Bericht über den Verwendungserfolg an den Referatsleiter Mag. Dr. P*****. Dessen Bericht war nach seiner Formulierung zunächst inhaltsgleich mit jenem vom 15.6.2016 über den Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P*****, wobei in zwei weiteren Sätzen das überdurchschnittliche Engagement und die daraus resultierende Verdienstlichkeit von Mag. H***** sowie ihre Kenntnisse im Bereich der Bekämpfung illegaler Finanzierungsmechanismen besonders lobend hervorgehoben wurden.


 

Mag. Dr. R*****-U***** P***** wurde - nach einer kurzfristigen Zurückversetzung Mitte Juni 2017 in die Abteilung II/BVT/4 - ab 1.9.2017 auf eigenen Wunsch für fünf Jahre ohne Rückkehrrecht karenziert. Als Beweggrund dafür gab sie bei ihrer Befragung vor dem BVT-Untersuchungsausschuss an, dass der „Leidensdruck“ für sie zu groß gewesen sei. Mit Verfügung vom 10.11.2017, genehmigt von Mag. M*****, wurde ihre Position im Rahmen einer I-Suche an der Jobbörse des Bundes ausgeschrieben.

Das Dienstverhältnis von Mag. H***** endete ein Jahr später am 31.8.2018 mit ihrer Kündigung.


 

Es wird festgehalten, dass sich der Anzeigevorwurf auf den Zeitpunkt der unbefristeten Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** mit 5.8.2016 und ihre Bevorzugung gegenüber Mag. H***** bezieht: Das zeitlich davor liegende Verwaltungspraktikum beim BVT (1.9.2015 – 30.4.2016) und die befristete Ernennung als Karenzersatzkraft (1.5.2016 bis 4.8.2016) im Referat Nachrichtendienst sind strafrechtlich unproblematisch, zumal es sich bei dieser Art von befristeten Dienstverhältnissen um Beobachtungszeiträume handelt, in denen die Eignung und Qualifikation für die Erlangung eines unbefristeten Dienstverhältnisses geprüft werden muss und es keine Anhaltspunkte für eine unsachliche Bevorzugung gegenüber anderen Kandidaten gibt.

Zusammengefasst ergibt sich: Eine Ausschreibung der Planstelle war zum Tatzeitpunkt nicht zwingend vorgesehen. Die Planstellenbesetzung setzte im Wesentlichen außer einer freien Planstelle nur einen positiven Verwendungserfolg voraus. Da im Ernennungszeitpunkt beides vorlag, waren die gesetzlichen Voraussetzungen für die Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** am 5.8.2016 objektiv erfüllt.


 

Aus rechtlicher Sicht ist festzuhalten, dass es grundsätzlich im Bereich des Ermessens der Behörde liegt, dass für die (erste) freie, unbefristete Planstelle Mag. Dr. R*****-U***** P***** und nicht Mag. H***** zur Ernennung vorgeschlagen wurde.

Bei der Ermessensausübung verstößt gegen § 302 StGB nur ein Beamter, der seine Befugnis, im Namen einer Person des öffentlichen Rechts als deren Organ in Vollziehung der Gesetze Amtsgeschäfte vorzunehmen in einer Weise missbraucht, dass sein Verhalten „rechtlich unvertretbar“ ist, wobei die Frage nach dem Befugnisfehlgebrauch nach einem objektiven Maßstab zu beurteilen ist. Freies Ermessen ist im Bereich hoheitlicher Vollziehung jedoch selten, meist bindet das Gesetz die Ermessensausübung an bestimmte Kriterien. Hält sich ein Beamter an diese Kriterien, übt er das Ermessen „im Sinne des Gesetzes“ aus und handelt damit nicht rechtswidrig. Befugnisfehlgebrauch scheidet dann aus. Entscheidet er aber zwar formell innerhalb seines Spielraums, aber wissentlich nach unsachlichen Kriterien (etwa Zu- oder Abneigung, parteipolitischen Erwägungen o.ä.), so liegt bei Schädigungsvorsatz Missbrauch der Amtsgewalt in Form des Ermessensmissbrauchs vor. Dabei kommt es nicht auf die bloße Motivation des Beamten an, sondern darauf, ob sich die unsachlichen Kriterien (bei objektiver Betrachtung) auf die Entscheidung auswirken, maW die vom Gesetz vorgegebenen Kriterien überlagern (vgl. mwN Nordmeyer in Höpfel/Ratz, WK2 StGB § 302, Rz 117 – 119; RIS-Justiz RS0095932).


 

Zur rechtlichen Beurteilung der Ermessensausübung werden zunächst die Ermittlungsergebnisse zu Qualifikation, Eignung und Arbeitsleistung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** gegenübergestellt:

Mag. Dr. R*****-U***** P***** brachte ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftspsychologie, einen mehrjährigen Aufenthalt als Botschaftergattin in Südostasien und Arbeitserfahrung einerseits im Bereich Human Ressources für den Konzern M***** I***** in Kanada und in den USA, andererseits für ein Designstudio für Architektur in Bangkok sowie als Universitätslektorin in Hanoi und Bangkok mit.

Demgegenüber absolvierte Mag. H***** das Studium der Rechtswissenschaften in Wien und in der Schweiz (Bern) sowie ein Nachdiplom in Compliance Management in der Schweiz (Zug). Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am I***** für F***** im Bereich Compliance, ebenfalls in der Schweiz (Zug). Sie war als Rechtsanwältin insbesondere bei D***** & T***** als Consultant im Bereich Financial Services, Forensik und Geldwäsche tätig. Anschließend war sie Analystin bei der Ö***** N***** und in weiterer Folge Gruppenleiterin für den Bankenaufsichtsbereich und Revision. Von dort wurde sie vor ihrer Tätigkeit beim BVT als Wirtschaftsexpertin zur WKStA entsendet.

Im Zuge ihrer Tätigkeit beim BVT absolvierten beide erfolgreich diverse Fortbildungen, u.a. die Grundausbildung für Bedienstete des allgemeinen Verwaltungsdienstes A1/v1.

Während die Arbeitsleistung von Mag. H***** beim BVT durch den Referatsleiter Mag. Dr. P***** und die Kriminalbeamten durchgehend außerordentlich gut, ihre Analysen und ihr Einsatz als von hohem Nutzen für die Dienststelle beurteilt wurden, war die Arbeitsleistung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** weder für den Referatsleiter noch für die Kriminalbeamten von gleichartigem Nutzen: Mag. Dr. P***** gab dazu im Wesentlichen an, Mag. Dr. R*****-U***** P***** sei ihm vom Abteilungsleiter MMag. W***** zugewiesen worden, weil andere Abteilungen keine Verwendung für sie gehabt hätten. Aufgrund ihrer Vergangenheit als Diplomatengattin u.a. in Thailand habe er sie in der Asien-Gruppe eingesetzt. Sie sei anfänglich bemüht gewesen, sich einzuarbeiten und hätte die Kriminalbeamten mit Fallanalysen unterstützen sollen. Für ihn habe sie nur eine stark verbesserungswürdige Analyse über die Bedrohungslage durch Nordkorea verfasst. Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe seine Erwartungen nicht erfüllt. Für ihn sei im Vergleich Mag. H***** als ausgewiesene Expertin im Finanzbereich, hervorragende Juristin und erfolgreich engagierte Mitarbeiterin für das Fachreferat „notwendiger“ gewesen. Er habe in weiterer Folge die Kriminalbeamten CI S***** und Kontr.Insp. P***** ersucht, Mag. Dr. R*****-U***** P***** in ihren Arbeitsbereich zu integrieren.

Kontr. Insp. P***** gab dazu im Wesentlichen an, für seinen Arbeitsbereich keine Analysen von Mag. Dr. R*****-U***** P***** gebraucht zu haben, weil sie kein über sein eigenes hinausgehendes Wissen über seinen Arbeitsbereich (China und Nordkorea) vorgewiesen habe.

CI S***** gab im Wesentlichen an, Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe seine Aufträge ausgeführt und sei durchaus bemüht gewesen, die Gruppe zu unterstützen, aber tatsächlich wären im Referat mehr Kriminalbeamte und nicht Analytiker gebraucht worden. Er kannte die von ihr für den Referatsleiter erstellte Analyse über Nordkorea und bestätigte deren mangelhafte Qualität. Er gab an, Mag. Dr. R*****-U***** P***** sei für die ihr zugeteilte Tätigkeit nicht geeignet gewesen, sie selbst habe ihm gegenüber einmal gesagt, sie könne mit ihrer Ausbildung an ihrem Arbeitsplatz nichts einbringen.

Die beiden Kriminalbeamten gaben an, dass Mag. H***** demgegenüber in ihrem Bereich (Geldwäsche) sehr angesehene Arbeit geleistet und ihr Wissen aus ihrer Tätigkeit bei der Nationalbank gut eingebracht habe.

CI S***** und der Referatsleiter gaben an, dass MMag. W***** Mag. Dr. R*****-U***** P***** in seine Projekte und Vortragstätigkeiten außer Haus einbezogen habe. MMag. W***** bestätigte das und gab dazu an, er sei bedacht gewesen, alle seine Mitarbeiter zu fördern, deshalb habe er der Beschuldigten die Mitwirkung bei Vorträgen zu wirtschaftspsychologischen Themen ermöglicht, da ihre Qualifikation in ihrem Studium der Wirtschaftspsychologie und in ihren Erfahrungen aufgrund von jahrelangen Auslandsaufenthalten als Botschaftergattin in Thailand, Kambodscha und Vietnam gelegen sei und sie diese solchermaßen habe einbringen können. Aus seiner Sicht sei Mag. Dr. R*****-U***** P***** für ihre, von ihm beobachtete, Tätigkeit und daher für die unbefristet Übernahme geeignet gewesen.


 

Zur Beurteilung der Ermessensausübung war weiters das Zustandekommen des positiven Berichts von Mag. Dr. P***** über den Verwendungserfolg der Mag. Dr. R*****-U***** P***** vom 15.6.2016 zu prüfen, der ausschlaggebend für die Planstellenbesetzung war:

Mag. Dr. P***** gab dazu als Zeuge vernommen im Wesentlichen an, MMag. W***** habe ihn ersucht, einen positiven Bericht über den Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** abzugeben. Er gehe davon aus, dass MMag. W***** ihr eine Planstelle im Bundesdienst ermöglichen wollte, um seine politischen Beziehungen zur Ö***** N***** zu stärken. Er selbst habe die Beschuldigte in seinem Referat nicht beschäftigen wollen, das habe er sowohl MMag. W***** als auch Mag. M***** mitgeteilt. Mag. M***** habe ihm zugesichert, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** eine Planstelle im EDV-Bereich erhalten werde. Deshalb habe er die Überprüfung ihres Verwendungserfolges im Juni 2016 nicht mit der Besetzung einer Planstelle in seinem Referat in Verbindung gebracht. Er sei außerdem davon ausgegangen, dass es zu einer Interessentensuche (I-Suche) für die Planstelle in seinem Referat käme. Er machte MMag. W***** und Mag. M***** für diesen Besetzungsvorgang verantwortlich, er sei getäuscht und seine Stellungnahme sei für ihn „missbräuchlich“ verwendet worden.

Über Vorhalt des sehr positiven Inhalts seiner Stellungnahme gab er an, diese Formulierung sei für ihn „aufgrund der Tätigkeit von Mag. Dr. R*****-U***** P***** im Fachreferat in einem angemessenen Maß haltbar gewesen, die Fürsorgepflicht des Referatsleiters für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Auge habend und unter der Bedingung, dass MMag. W***** um eine positive Bestätigung ersucht“ habe. Über die Nachfrage, ob diese Beschreibung inhaltlich richtig war, gab er an, wenn er den Inhalt als falsch empfunden hätte, dann hätte er es nicht so geschrieben.

MMag. W***** bestritt bei seiner Beschuldigteneinvernahme, den Referatsleiter aufgefordert zu haben, das Formular über den Verwendungserfolg der Beschuldigten positiv auszufüllen. Dazu führte er begründend aus, dass er als Abteilungsleiter bei einem weniger positiven Bericht einen anderslautenden Vermerk hätte anbringen können, sodass die Personalabteilung den Vorgang prüfen hätte müssen. Er bestritt auch das von Mag. Dr. P***** behauptete Motiv und gab an, dass er keine Ambitionen in der Ö***** N***** gehabt habe, sondern dies vielmehr auf den sehr politischen, der Ö***** nahestehenden Referatsleiter selbst zutreffen könnte. MMag. W***** gab an, Mag. Dr. R*****-U***** P***** sei von Mag. M***** als Praktikantin für seine Abteilung vorgeschlagen worden. Der Referatsleiter Mag. Dr. P***** habe sie beschäftigen wollen und ihm gegenüber nie Gegenteiliges geäußert. Ihm seien keinerlei negativen Rückmeldungen über ihre Fähigkeiten zugetragen worden. Seitens der Personalabteilung BMI I/1 sei nur eine Stellungnahme zum Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** abgefordert worden. Es sei nicht an ihn herangetreten worden, auch Mag. H***** für die Planstelle in Betracht zu ziehen, deshalb habe er dafür keinen Anlass gesehen. Ein Hearing habe nicht stattgefunden, weil es nur bei mehreren Bewerbern und über Anregung erfolge. Er könne nicht sagen, ob Mag. Dr. R*****-U***** P***** oder Mag. H***** geeigneter gewesen wäre.

Mag. M***** gab demgegenüber bei seiner Beschuldigtenvernehmung an, gewusst zu haben, dass Mag. Dr. P***** die Beschuldigte in seinem Referat nicht haben wollte. Dementsprechend sei er über den sehr positiven Inhalt seines Berichts über ihren Verwendungserfolg erstaunt gewesen. Er behauptete, dass ihm der Inhalt erst nach ihrer Ernennung zur Kenntnis gekommen sei, weil er mit der unbefristeten Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** nicht befasst gewesen wäre. Er räumte ein, Mag. Dr. P***** möglicherweise nicht darüber informiert zu haben, dass sich die im Jänner 2016 entstandene Idee mit einer Planstelle für Mag. Dr. R*****-U***** P***** im EDV-Referat bald zerschlagen habe. Möglicherweise habe der Referatsleiter seinen Bericht tatsächlich nicht mit einer Planstellenbesetzung in seinem Referat in Verbindung gebracht, zumal er kein Jurist sei. Er hätte nie die Absicht gehabt, Mag. Dr. P***** zu täuschen. Die Beurteilung der Qualifikation liege nicht bei ihm, sondern in diesem Fall bei den unmittelbaren Vorgesetzten aus der Abteilung 2. Er könne das nicht beurteilen und wisse nicht genau, was Mag. Dr. R*****-U***** P***** gearbeitet habe. Er wisse auch nicht, ob – wie von Mag. Dr. P***** behauptet - MMag. W***** den Referatsleiter um einen positiven Bericht über ihren Verwendungserfolg ersucht habe.

Auch in seiner Befragung als Auskunftsperson vor dem BVT-Untersuchungsausschuss gab er an, die Abteilungsleiter suchten sich die Personen aus, die sie fachlich und persönlich für am Besten geeignet hielten, andernfalls würden sie sich selbst schädigen, was für ihn nicht vorstellbar sei.

Am 28.1.2020 wurde Mag. Dr. P***** als Beschuldigter vernommen. Die wesentlichsten Vorhalte waren, dass Mag. M***** in seinem Einstellungsantrag und in der Folge auch bei seiner Vernehmung aussagte, der Referatsleiter habe mit seinem positiven Bericht einen „Beitrag“ für die Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** geleistet und davon ablenken wollen, indem er sich nachträglich über ihre Ernennung beschwert habe, um nicht für die daraus resultierenden Spannungen in seinem Referat verantwortlich gemacht zu werden, sowie die Zeugenaussage von Mag. H*****, dass sie wahrgenommen habe, er habe Mag. Dr. R*****-U***** P***** aufgefordert, sich ihren Verwendungserfolg selbst zu schreiben, wobei Mag. H***** angab, dass er der Ö***** aufgrund seiner eigenen Position stark verbunden und verpflichtet gewesen sei und ein enges Verhältnis u.a. zum damaligen Kabinettschef Mag. K***** gepflegt habe.

Mag. Dr. P***** gab dazu an, er könne sich nicht mehr erinnern, wie die Formulierung des Verwendungserfolges zustande gekommen sei. Er bekräftigte aber nochmals dessen inhaltliche Richtigkeit zum Entstehungszeitpunkt: Der Einsatz von Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe erst mit ihrer Ernennung auf die Planstelle ab etwa Herbst 2016 abgenommen, davor habe sie ihre Funktion als analytische Hilfskraft hinreichend erfüllt. Eine ähnliche Aussage traf er bereits am 4.6.2019 als Auskunftsperson vor dem BVT-Untersuchungsausschuss. Auch dort behauptete er, die Anfrage „zwecks Verlängerung des Dienstverhältnisses“ nicht mit einer Planstellenbesetzung in Verbindung gebracht zu haben. Mag. M***** habe ihn nicht davon in Kenntis gesetzt, dass sich die Idee mit der EDV-Planstelle für Mag. Dr. R*****-U***** P***** zerschlagen habe. Aus seiner Sicht hätte sie beispielsweise im strategischen oder im präventiven Bereich des BVT Verwendung finden können. Es sei ihm gleichgültig gewesen, wo im BVT sie tätig sein würde, nur sollte sie keine Planstelle in seinem Referat bekommen, weil es dafür aus seiner Sicht geeignetere Kandidaten gegeben hätte.


 

Zwar erscheint es nicht nachvollziehbar, dass Mag. Dr. P***** gar nicht gewusst haben sollte, dass die von ihm abgeforderte Berichterstattung über den Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** für deren Ernennung auf eine Planstelle benötigt wurde, weil er bei seiner Zeugenvernehmung in diesem Zusammenhang ausführte, er habe bei der Abteilungsleitung und bei Mag. M***** deponiert, dass sie kein Planstelle in seinem Referat bekommen solle. Doch ist nicht widerlegbar, dass die positive Formulierung seines Berichts aus seiner Sicht inhaltlich richtig und eine haltbare Grundlage für ihre Ernennung in einer anderen, nämlich der EDV-Abteilung, sein sollte. Dass er davon ausging, erscheint aufgrund der bestätigenden Angaben von Mag. M***** in Bezug auf die von ihm in Aussicht gestellte EDV-Planstelle für Mag. Dr. R*****-U***** P***** glaubwürdig.

MMag. W***** behauptete ebenso unwiderlegbar, aus seiner Sicht mit der Arbeitsleistung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** zufrieden gewesen zu sein, daher ist ihm, selbst wenn er Mag. Dr. P***** tatsächlich um einen positiven Bericht für sie ersucht hätte, nicht nachweisbar, dass dies wider besseres Wissen erfolgt wäre.

Mag. M***** ist nicht zweifelsfrei nachweisbar, dass er überhaupt Wahrnehmungen gemacht hatte, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** für die Planstelle weniger qualifiziert und geeignet war als Mag. H*****, weil er mit der inhaltlichen Beurteilung der jeweiligen Arbeitsleistungen nicht befasst war. Keinerlei Hinweise ergaben sich dahingehend, dass er Mag. Dr. P***** fälschlich eine möglich Ernennung von für Mag. Dr. R*****-U***** P***** auf eine Planstelle in der EDV-Abteilung in Aussicht stellte, um zu bewirken, dass dieser einen inhaltlich falschen, positiven Verwendungserfolg für sie verfasste. Im Übrigen lässt sich bei Mag. M***** ein Motiv für eine ungerechtfertigte Bevorzugung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** nicht feststellen.


 

Bei der Prüfung der Ermessensausübung war schlussendlich miteinzubeziehen, dass für die Letztentscheidung bezüglich der Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** nicht das BVT, sondern die Personalabteilung des BMI/I/1 formal zuständig war. Die mit diesem Ernennungsvorgang befassten Bediensteten Dr. A***** G*****, ehem. Abteilungsleiter der Abteilung BMI I/1, MMag. M***** G*****, Referatsleiterin des Referats BMI I/1/b und G***** S*****, Sachbearbeiter dieser Abteilung für diese Entscheidung, gaben bei ihrer Zeugenvernehmung zum Zustandekommen des Inhalts des Verwendungserfolgs an, dass die Qualifikation der Kandidaten BVT-intern geklärt werde und sie sich mangels eigener Wahrnehmungen dazu auf die Stellungnahme über den Verwendungserfolg des Abteilungsleiters bzw. wie in diesem Fall des Referatsleiters verlassen müssten.

Dr. G***** und MMag. G***** gaben an, die Entscheidung über die Qualifikation eines Kandidaten bei der Besetzung einer frei gewordenen Planstelle im BVT treffe grundsätzlich der Abteilungsleiter, somit idF MMag. W*****, in Abstimmung mit Mag. M*****, der im BVT den Überblick über die freien Planstellen habe. Die Personalabteilung des BMI I/1 habe von den internen Unstimmigkeiten zwischen dem Referatsleiter Mag. Dr. P*****, dem Abteilungsleiter MMag. W***** und Mag. M***** über die unbefristete Verlängerung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** im Referat Nachrichtendienst nicht gewusst.

MMag. G***** gab überdies an, dass seitens der Personalabteilung des BMI I/1 mit der Anfrage nach dem Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** in der Abteilung II/BVT/2 von vornherein feststand, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** in dieser Abteilung und im Referat Nachrichtendienst verlängert werden sollte. Aus ihrer Sicht sollte das auch den unmittelbaren Vorgesetzten klar sein, die üblicherweise auch ein Interesse daran hatten, ihre Mitarbeiter zu behalten. Gegenteilige interne Absprachen zwischen Mag. Dr. P***** und Mag. M***** (Vorhalt EDV-Referat) waren ihr nicht bekannt.


 

Bei der Prüfung der Ermessensausübung war auch zu klären, wer dafür verantwortlich war, dass der Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt als der von Mag. H***** abgefordert und erstere dadurch bevorzugt wurde:

G***** S*****, MMag. G*****, Dr. G***** und Mag. M***** gaben dazu an, dass freie BVT-Planstellen einerseits im BMI und parallel dazu beim BVT für bestimmte Personen intern vorreserviert werden. Die Kommunikation darüber erfolgt in den Führungsebenen zwischen MMag. G***** und Dr. G***** auf Seiten der Personalabteilung des BMI und Mag. M***** auf Seiten des BVT. Diese Planstellenreservierung dient der Vermeidung von Überschneidungen und zur besseren Planung.

Mit E-Mail vom 1.7.2015 – somit im Zuge ihrer Bewerbung und noch vor ihrem Eintritt beim BVT als Verwaltungspraktikantin - teilte Mag. M***** E***** B*****, Abteilung BMI I/1/b, bereits mit, dass Mag. H***** für eine Planstelle im Referat Nachrichtendienst vorgesehen sei.

Abweichend davon ergibt sich aus einer E-Mail vom 12.9.2016 – somit nach Ernennung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** und vor Ernennung von Mag. H***** - von M***** S*****, BMI I/1/b, an MMag. G*****, dass G***** S***** die erste freie Planstelle im Referat Nachrichtendienst für Mag. Dr. R*****-U***** P***** reserviert habe.

G***** S***** gab bei seiner Zeugenvernehmung an, dass er vermute, den Auftrag, die Planstelle für Mag. Dr. R*****-U***** P***** zu reservieren, von MMag. G***** erhalten zu haben. Selbiges ergibt sich auch aus einer - bemerkenswerterweise vom Zeugen S***** als Sachbearbeiter - verfassten Stellungnahme des BMI vom 3.10.2019. Bei ihrer Zeugenvernehmung dazu befragt, gab MMag. G***** an, nicht zu wissen, warum für Mag. Dr. R*****-U***** P***** die erste freie Planstelle reserviert wurde, diese Entscheidung habe das BVT getroffen. Sie verwies, wie auch Dr. G*****, auf die diesbezügliche Zuständigkeit und Koordinierungsfunktion von Mag. M***** auf Seiten des BVT.

Bei seiner Beschuldigtenvernehmung gab Mag. M***** hiezu an, grundsätzlich hätten Dr. G***** und MMag. G***** bei ihm rückgefragt, ob es freie Planstellen gebe. Im konkreten Fall von Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe es seiner Erinnerung nach aber keine Rückfrage an ihn gegeben. Die Abteilung BMI I/1 verfüge selbst über die authentischen Planstellenlisten, seine Aufzeichnungen über Planstellenreservierungen seien nur provisorische Annäherungswerte. Über Vorhalt der vorstehend zitierten E-Mail bestätigte er, die Planstelle zunächst vorläufig für Mag. H***** reserviert zu haben. Über vielfach wiederholte Nachfrage bestritt er vehement, bei der unbefristeten Übernahme von Mag. Dr. R*****-U***** P***** überhaupt eingebunden gewesen zu sein. Er blieb dabei, obwohl ihm die zeugenschaftlichen Angaben von G***** S*****, Dr. G***** und MMag. G***** vorgehalten wurden, wonach er Ernennungsvorschläge an das BMI I/1 kommuniziert habe. Er begründete dies im Wesentlichen damit, dass es sich bei diesen Aussagen nur um grundsätzliche Ausführungen handle, dass er in diesem konkreten Fall aber nicht eingebunden gewesen sei. Bei der unbefristeten Übernahme von Verwaltungspraktikanten bzw. nach einer befristeten Übernahme sei er in der Mehrzahl der Fälle nicht befasst worden. Wäre es an ihm gelegen, wäre er im konkreten Fall anders vorgegangen. Das BMI hätte aus seiner Sicht mit dieser Entscheidung zuwarten sollen, bis Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** gleichzeitig übernommen hätten werden können, zumal sie ihre Tätigkeit gleichzeitig begonnen haben. Dadurch hätten die nachfolgenden Spannungen zwischen den beiden vermieden werden können.

Die Staatsanwaltschaft ersuchte in weiterer Folge das BMI um Vorlage der fallbezogenen Ernennungsvorschläge und Bekanntgabe, durch wen die Ernennungsvorschläge seitens des BVT dem BMI kommuniziert wurden. Das BMI teilte dazu mit Stellungnahme vom 3.10.2019 mit, dass schriftliche Ernennungsvorschläge des BVT für die Postenbesetzungen mit Mag. Dr. R*****-U***** P***** und Mag. H***** nicht vorlägen. Laut Stellungnahme müsse für das BVT davon ausgegangen werden, dass allfällige Personalvorschläge stets durch den Leiter der dafür zuständigen Abteilung II/BVT/1, Mag. M*****, gemacht wurden.


 

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte mangels schriftlicher Dokumentation weder der Grund für die Änderung der Planstellenreservierung, noch wer dafür den Anstoß gegeben hatte, dass die Reservierung und Vergabe der ersten Planstelle an Mag. Dr. R*****-U***** P***** und nicht an Mag. H***** erfolgte, festgestellt werden. Da seitens des BMI keine Unterlagen vorgelegt werden konnten, die beweisen würden, dass Mag. M***** in die unbefristete Verlängerung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** eingebunden war, konnten seine gegenteiligen Angaben nicht mit hinreichender Sicherheit entkräftet werden, weil die Ausführungen der Zeugen des BMI I/1 sich mangels Erinnerungsvermögens nicht dezidiert auf den konkreten Besetzungsvorgang bezogen, sondern nur grundsätzlicher Natur waren.


 

Fest steht, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** ein unbefristetes Dienstverhältnis zum BVT wollte:

Bei ihrer Befragung als Auskunftsperson vor dem BVT-Untersuchungsausschuss legte sie offen, dass die Möglichkeit der Karenzierung schon für ihre Bewerbung zum BVT eine wesentliche Rolle spielte. Sie wollte für ein Ministerium arbeiten, weil sie davon ausging, dass sie sich dort für den Fall eines längeren Auslandsaufenthalts ihres Ehemannes ohne weiteres karenzieren lassen könnte, um ihn ins Ausland zu begleiten.

Aus einer seitens der Staatsanwaltschaft eingeholten Stellungnahme des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres vom 24.9.2019 ergibt sich, dass sich der Ehegatte der Beschuldigten, Dr. J***** P*****, nach der unbefristeten Ernennung seiner Frau beim BVT, als österreichischer Botschafter bewarb, und zwar am 23.11.2016 für Pretoria und New Dehli und am 14.12.2016 für Mexiko, wobei er in keine dieser Positionen besetzt wurde.

In diesem Zusammenhang war zu prüfen, ob Mag. Dr. R*****-U***** P***** Handlungen setzte, die als Bestimmungshandlung iSd § 12 zweiter Fall, 302 Abs 1 StGB geeignet waren:

Mag. Dr. R*****-U***** P***** suchte diesbezüglich das Gespräch mit dem damaligen stellvertretenden Direktor des BVT Mag. Z*****, der Mag. M***** hinzuzog. Mag. M***** gab dazu an, dieses Gespräch habe am 15.12.2015 stattgefunden und es sei darum gegangen, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** eine Fixanstellung wollte, um ein sicheres Arbeitsverhältnis zu erlangen. Seiner Erinnerung nach seien Karenzierungsabsichten ihrerseits dabei kein Thema gewesen.

Mag. M***** übergab der Staatsanwaltschaft dazu bei seiner Vernehmung eine von der Beschuldigten erstellte Zusammenfassung dieses Gesprächs, aus der im Wesentlichen hervorgeht, Mag. M***** habe ihr versichert, dass sie nach spätestens einem Jahr Praktikum mit einer fixen Planstelle rechnen könne, wobei sie in einem Klammerausdruck hinzufügte: „Er (gemeint: Mag. M*****) betont, dass dies nicht immer der Fall ist, es jedoch bei mir sicher so ist.“ und anmerkt: „auch Herr Dr. G***** sagte mir bereits am 10.12. via Telefon zu, dass ich nach einem Jahr Praktikum sicherlich fix im BVT /ABT2 übernommen werde; wenn es geht, auch früher, er würde sich sehr bemühen.“.

Mag. M***** legte weiters in Kopie eine von ihm nach diesem Gespräch verfasste und an die Beschuldigte gerichtete Aktennotiz offenbar aus einem elektronischen Nachrichtenverkehr vor, in welchem er klarstellte, dass er ihr nichts zugesagt, sondern nur seine persönliche Einschätzung mitgeteilt habe. Er wies sie darin darauf hin, dass das BMI I/1 für Personalverfügungen zuständig sei und das BVT dabei nur zuarbeite. Er empfahl ihr daher zur Vermeidung von weiteren Missverständnissen eine direkte Kommunikation mit Dr. G*****.

Bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft gab Mag. M***** dazu an, er wisse nicht, ob Dr. G***** ihr die Übernahme zugesagt habe. Bei ihm hätte niemand, insbesondere auch nicht Mag. K***** als damaliger Kabinettschef des BMI, zu ihren Gunsten interveniert. Es habe weder eine Weisung, noch nicht einmal die Äußerung eines Wunsches gegeben, sie vorzuziehen. Er selbst habe auch keinen Grund gehabt, sie zu bevorzugen. Dr. G***** gab bei seiner Zeugenvernehmung an, gewusst zu haben, dass die Karenzierungsmöglichkeit für Mag. Dr. R*****-U***** P***** von Interesse war. Er wurde vom damaligen Kabinettschef des Innenministeriums, Mag. K*****, zu einem Gespräch in dessen Büro mit Mag. Dr. R*****-U***** P***** hinzugezogen. Er sollte Mag. Dr. R*****-U***** P***** in Anwesenheit von Mag. K***** allgemeine Fragen zu ihrem Dienstverhältnis und zur Befristung beantworten. Über Nachfrage behauptete Dr. G*****, es habe sich nur um ein „Beratungsgespräch“ gehandelt, das sei nichts Ungewöhnliches. Es habe sich aus seiner Sicht nicht um eine Intervention von Mag. K***** zugunsten von Mag. Dr. R*****-U***** P***** gehandelt. Über das persönliche Verhältnis von Mag. K***** zu Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe er keine Wahrnehmungen.

Mag. K***** bestätigte, dass zumindest ein solches Gespräch bei ihm stattgefunden habe. Dr. G***** habe des öfteren vergleichbare Termine bei ihm gehabt. In diesem Fall sei nicht nur die Beschuldigte, sondern auch ihr Ehemann Dr. J***** P***** anwesend gewesen, der damals Kabinettschef im Familienministerium war und den er aus Büroleiterrunden und Ministerratsbesprechungen kannte. Er nahm an, dass das Gespräch über dessen Initiative zustande gekommen sei. Er bestritt, privaten Kontakt zum Ehepaar P***** gehabt zu haben. Er konnte sich nicht mehr erinnern, ob die damalige Innenministerin Mag. M*****-L***** ihm Mag. Dr. R*****-U***** P***** „ans Herz gelegt“ habe. Seiner Erinnerung nach sei es bei dem Gespräch um die Aufnahme von Mag. Dr. R*****-U***** P***** als Verwaltungspraktikantin beim BVT gegangen. Über Vorhalt der Angaben von Mag. H*****, wonach Mag. Dr. R*****-U***** P***** im Sommer 2016 wegen der Planstelle mit ihrem Mann im Innenministerium vorgesprochen haben soll, konnte er dazu nichts sagen. Ihre Aufnahme sei nach dem Standardprozedere im BMI abgelaufen. Er behauptete, er habe den Lebenslauf von Mag. Dr. R*****-U***** P***** bekommen und an die Personalabteilung weitergeleitet. Er habe sich weder mit der Qualifikation von Mag. Dr. R*****-U***** P*****, noch von Mag. H***** befasst. Das Gespräch mit Dr. G***** sei keine Intervention für Mag. Dr. R*****-U***** P*****, sondern sei wie jedes andere abgelaufen. Er habe sich nicht für sie verwendet, obwohl er ihren Mann kannte. Die Personalabteilung habe die Entscheidung aufgrund objektiver Kriterien und des Bedarfs getroffen. Er habe zwar ein kollegial-freundschaftliches Verhältnis zu Mag. Dr. P***** unterhalten, aber nicht bei ihm zugunsten von Mag. Dr. R*****-U***** P***** interveniert. Er bestritt den Anzeigevorwurf, dass sie aufgrund seiner Weisung an Mag. M***** bzw. MMag. W***** gegenüber der besser qualifizierten Mag. H***** bevorzugt worden sei und betonte, es gebe dafür ex lege gar kein Weisungsrecht des Kabinettschefs des BMI.

In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass I***** F*****, BA MA, eine Beamtin des BMI, in ihrer Aussage vor dem BVT-Untersuchungsausschuss behauptete, Dr. A***** G***** habe als Leiter der Personalabteilung des BMI Personalentscheidungen umsetzen müssen, die ihm vom Kabinett respektive Mag. K***** vorgegeben, jedoch nicht schriftlich festgehalten worden seien.

An sich indizieren diese Aussagen in ihrer Gesamtheit eine Intervention seitens Mag. K***** bei Dr. G***** für Mag. Dr. R*****-U***** P*****, da aber keine belastenden, objektiven Beweise wie eindeutige Aussagen oder Schriftverkehr produziert werden konnten, ist eine solche nicht erweislich. Aus den Ernennungsunterlagen ergibt sich nicht, dass Dr. G***** mit der unbefristeten Verlängerung von Mag. Dr. R*****-U***** P***** überhaupt befasst gewesen wäre, sondern erfolgte die unbefristete Verlängerung durch MMag. G*****, die als Zeugin vernommen angab, dass sie von dem Gespräch zwischen Dr. G***** mit der Beschuldigten und ihrem Ehemann bei Mag. K***** nicht gewusst habe. Die Aussage von I***** F*****, BA MA ist zum Tatnachweis nicht geeignet, weil sie in Besetzungsvorgänge nicht involviert war und keine eigenen Wahrnehmungen zum konkreten Sachverhalt hatte, sodass es sich lediglich um die Wiedergabe einer Vermutung bzw. eines Gerüchts handelte. Es besteht daher mangels bestimmter Anhaltspunkte iSd § 1 Abs 3 StPO kein Anfangsverdacht gegen Dr. G***** wegen § 302 Abs 1 StGB, sodass kein Verfahren gegen ihn einzuleiten war.


 

Auch der gegen Mag. Dr. R*****-U***** P***** selbst gerichtete Vorwurf der Bestimmungstäterschaft zu einer amtsmissbräuchlichen Bevorzugung ihrer Person geht ins Leere, zumal sie ihren Angaben vor dem BVT-Untersuchungsausschuss zufolge sehr von ihrer Qualifikation und Eignung überzeugt zu sein schien:

Mag. Dr. R*****-U***** P***** gab vor dem BVT-Untersuchungsausschuss im Wesentlichen an, sie sei „bestqualifiziert“ für die ihr zugeteilte Tätigkeit im BVT und als Fallanalytikerin im Asienbereich gut eingearbeitet gewesen. Der Anzeigevorwurf, dass sie nur aufgrund der Stellung ihres Vaters und ihres Ehemannes die Planstelle im BVT bekommen habe, sei falsch. Außerdem habe es sich zunächst um ein Verwaltungspraktikum gehandelt und dafür brauche sie aufgrund ihrer Qualifikation keine Intervention. Die von ihr erstellten Analysen habe sie dem Abteilungsleiter MMag. W***** vorgelegt, der mit ihrer Arbeit äußerst zufrieden gewesen sei. Befragt zu ihrem Verhältnis zur ehemaligen Innenministerin Mag. J***** M*****-L***** gab sie an, mit dieser eine langjährige Bekanntschaft zu pflegen. Sie habe mit ihr auch darüber gesprochen, dass sie sich als Verwaltungspraktikantin beim BMI bzw. BVT bewerben würde, woraufhin Mag. M*****-L***** ihr geraten habe, sich besonders zu bemühen, weil auf sie „geschaut“ werden würde, was sie in dem Sinne gemeint habe, dass sie beobachtet werden würde und man ihr unterstellen könnte, sie wäre durch Intervention zum BVT gekommen. Den ehemaligen Kabinettschef Mag. K***** kenne sie über ihren Mann persönlich. Sie habe sich für die unbefristete Planstelle nicht beworben, sondern sei die Planstelle frei und durch die Personalabteilung mit ihr besetzt worden. Es sei Ziel jedes Verwaltungspraktikanten, innerhalb des Praktikumsjahres besetzt zu werden, weil das Praktikum nicht verlängerbar sei. Sie habe keine Wahrnehmungen dahingehend, dass es im BVT aufgrund politischer Zugehörigkeit zu „Postenschiebungen“ gekommen wäre.


 

Abschließend auf die (noch nicht vorstehend angeführten) Aussagen vor dem BVT-Untersuchungsausschuss sowie die Ergebnisse desselben betreffend den Anzeigevorwurf eingehend, sind diese wie nachstehend zusammenzufassen:


 

S***** R***** (BVT) gab an, ihrer Meinung nach wäre die Beschuldigte mit ihrer Ausbildung für die Planstelle nicht bestens qualifiziert gewesen. Mag. Dr. R*****-U***** P***** habe nie geäußert, dass sie damit rechnen würde, die Planstelle aufgrund ihrer politischen Kontakte zu bekommen, sie habe lediglich erwähnt, sie wäre mit Mag. M*****-L***** befreundet .

O***** L***** (BVT) gab im Wesentlichen an, die Beschuldigte habe sich geweigert, seinen Aufträgen Folge zu leisten, was er auf Standesdünkel zurückführte. Der Abteilungsleiter MMag. W***** sei ihr sehr wohlwollend gegenüber gestanden, wobei L***** angab, die Gründe dafür nicht zu kennen.

Das bestätigte auch Mag. W***** Z***** (BVT), der im Wesentlichen angab, dass Mag. Dr. R*****-U***** P***** im Verhältnis zu ihrer Rolle zunächst als Praktikantin sehr viel Aufmerksamkeit zuteil geworden sei und MMag. W***** sie in seiner Abteilung als Analytikerin haben hätte wollen.

Mag. J***** M*****-L***** gab vor dem BVT-Untersuchungsausschuss im Wesentlichen an, die Beschuldigte Mag. Dr. R*****-U***** P***** nur flüchtig durch ihren Vater E***** G*****, einen ehemaligen niederösterreichischen Landesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter, zu kennen. Sie habe ihr von ihren Absichten, sich im BMI zu bewerben, erzählt. Sie habe keine Wahrnehmungen dahingehend, dass es eine Intervention zugunsten von Mag. Dr. R*****-U***** P***** gegeben habe, sie selbst habe sich nicht für sie eingesetzt.


 

Der BVT-Untersuchungsauschuss stellte in Übereinstimmung mit den Ermittlungsergebnissen im Wesentlichen fest, dass die Rahmenbedingungen für die Ernennung auf eine Planstelle beim BVT den Raum für nachträglich nicht nachvollziehbare Personalentscheidungen und damit verbundene Verdachtsmomente eröffnen.

Das Fazit des BVT-Untersuchungsausschusses zum gegenständlichen Besetzungsvorgang war, dass im Hinblick auf die Tatsache, dass Mag. H***** im Vergleich zu Mag. Dr. R*****-U***** P***** die wesentlich besseren Voraussetzungen für die zu besetzende Planstelle vorweisen konnte, die Besetzungsentscheidung durch die Sektion I des BMI sowie die auffallend positive Stellungnahme von Mag. Dr. P***** zur Anfrage über den Verwendungserfolg von Mag. Dr. R*****-U***** P***** kritisch zu betrachten sei, zumal Mag. Dr. P***** aussagte, dass er sie selbst nicht in seinem Referat haben wollte. Eine unmittelbare politische Einflussnahme auf die Besetzung der Planstelle im Referat Nachrichtendienst im BVT mit Mag. Dr. R*****-U***** P***** konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Es konnten keine ausreichenden Nachweise erbracht werden, die die Vorwürfe in den verfahrensgegenständlichen anonymen Schreiben und Anzeigen erhärtet oder entkräftet hätten. Mitursächlich dafür erachtete der Untersuchungsausschuss des Fehlen einer detaillierteren Dokumentation der Entscheidungsträger (auf verschiedenen Ebenen sowohl im BVT als auch im BMI), sodass weder nachvollzogen werden konnte, welche Funktionsträger für welche Personalbesetzungen verantwortlich waren, noch welche besonderen fachlichen Eignungen die erfolgreichen Bewerber besonders qualifizierten.

Das Ergebnis des BVT-Untersuchungsausschusses dazu, ob es im BMI, insbesondere im BVT, ein sogenanntes „schwarzes Netzwerk“ gab, das u.a. auf Postenbesetzungen Einfluss nahm, war, dass das Bestehen eines derartigen Netzwerkes, das die Ö***** allgemein bzw. ihre Funktionsträger umfasst und das gesamte BVT infiltriert hätte, nicht nachgewiesen werden konnte. Das Gesamtbild spreche für ein Netzwerk zwischen bestimmten, Ö*****-nahen Personen, insbesondere Mag. Dr. P*****, in und um das BVT. Diese Feststellung traf der Untersuchungsausschuss aufgrund der regelmäßigen Korrespondenzen zwischen Mag. Dr. P***** und Ö*****-nahen Personen wie u.a. mit dem damaligen Kabinettschef Mag. K*****, woraus der Ausschuss aber nur ein freundschaftliches Verhältnis der beiden Beschuldigten ableiten konnte.


 

Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu sämtlichen Beschuldigten zum eingangs dargestellten Anzeigevorwurf erfolgte gemäß § 190 Z 2 StPO. Aufgrund der Ermittlungsergebnisse und der daraus zu ziehenden Schlüsse war der Nachweis nicht zu erbringen, dass die Beschuldigten die genannten strafbaren Handlungen begingen, zumal keine eindeutigen Beweisergebnisse vorliegen, die eine Verurteilung iSd § 210 Abs 1 StPO nahelegen.